Tschüss, Bunker
Foto: Anja von Bihl

Tschüss, Bunker

Er hat Leben gerettet: der Bunker an der Ecke Methfesselstraße und Langenfelder Damm. Ältere erinnern sich noch, wie sie nach einem Angriff aus dem Hochbunker kamen und Häuser ganz in der Nähe in Trümmern lagen. Jetzt weicht das Gebäude einem neuen Wohnbau.

Informationsstand am Bunker. Foto: Anja von Bihl
Informationsstand am Bunker. Foto: Anja von Bihl

Die Baugenehmigung liegt vor, in Kürze kann mit dem Abriss des Bunkers und danach mit dem Neubau begonnen werden. Am Freitag luden die Baufirma Otto Wulff und das Abrissunternehmen Wilko Wagner die Anwohner zu einer Informationsveranstaltung am Bunker ein.

Sie kamen mit Ängsten vor Erschütterungen und Lärm. Aber auch mit der Sorge, dass Unvorhergesehenes passieren könnte, wie vor einiger Zeit beim Bau einer Tiefgarage in der Nähe. Dort habe ein Nachbarhaus kurzfristig evakuiert werden müssen, weil es abzusacken drohte. Dies könne hier nicht geschehen, sagt Bauleiter Kai Millfahrt von Wilko Wagner. Das Nachbarhaus Methfesselstraße 15, das keinen Keller hat, werde durch eine Betonwand geschützt. So könne beim Abriss der Bunkersohle, die 1,20 Meter unter dem Straßenniveau liegt, kein Erdreich unter dem Nachbarhaus wegrutschen. Diese Wand entsteht aus Betonpfählen, die direkt nebeneinander im Boden versenkt werden. Um Erschütterungen zu vermeiden, werden die Pfähle nicht in die Erde gehämmert, sondern es wird für jeden Pfahl ein Loch vorgebohrt.

Charly Gretemeier und Victoria Quast von Otto Wulff, Kai Willfahrt von Wilko Wagner. Foto: Anja von Bihl
Charly Gretemeier und Victoria Quast von Otto Wulff, Kai Millfahrt von Wilko Wagner. Foto: Anja von Bihl

Es geht los

Noch vor Weihnachten wird mit der Entkernung des Bunkers begonnen: Die komplette Inneneinrichtung wird abtransportiert. Nach dem Jahreswechsel geht es ab dem 4. Januar mit der Einrichtung der Baustelle weiter. Der gesamte Bunker wird bis über die Dachfläche hinaus eingerüstet. Auf das Dach wird ein Bagger gehoben.

Beim Abriss des Bunkers wird nicht, wie ursprünglich vorgesehen, ein Fräsverfahren eingesetzt, sondern es wird mit Lockerungssprengungen gearbeitet. Dabei werden von oben beginnend senkrechte Löcher für Sprengladungen in die Seitenwände gebohrt. Sie werden so gesetzt, dass die gesprengten Betontrümmer nach innen in den Bunker fallen. Diese schiebt der Bagger zu einem Schacht im Geschossboden, durch den sie nach unten fallen. Von dort kann der Betonschutt laufend durch ein seitliches Loch in der Bunkerwand zur Methfesselstraße abtransportiert werden. Dieses Loch, “Fuchs” genannt, entsteht anstelle des kleinen Vorbaus mit dem Eingang zum Bunker. Das wird voraussichtlich der lauteste Teil des gesamten Vorhabens.

Die Abbrucharbeiten beginnen von oben. Jeweils ein Stockwerk wird abgerissen, das währenddessen durch eine Schallschluckplane am Außengerüst abgedichtet wird. So soll möglichst wenig Lärm nach außen dringen. Gesprengt wird einmal am Tag, sagt Bauleiter Kai Millfahrt. Das werde von außen nur schwach zu hören sein: “Das Lauteste ist wohl das Signalhorn, das die Sprengung ankündigt.”

Dem Lärmschutz dient zusätzlich eine zweistöckige Reihe von Containern, in denen das Baubüro untergebracht wird. Die Container schirmen das Grundstück zum Langenfelder Damm hin ab.

Was gebaut wird

Wenn alles planmäßig verläuft, soll der Bunker Ende Mai 2016 verschwunden sein, sagt Charly Gretemeier von der Firma Otto Wulff. Unmittelbar anschließend beginnen die Neubauarbeiten. Der Rohbau soll Mitte 2017 stehen. Auf dem Gelände des Bunkers entsteht ein Wohngebäude mit fünf Stockwerken und darüber einem Staffelgeschoss. Fest vorgeschrieben sind acht öffentlich geförderte Wohneinheiten, zudem sind 21 Mietwohnungen vorgesehen. Die meisten werden 50 bis 80 Quadratmeter haben, es gibt aber auch zwei große Einheiten von je 130 Quadratmetern. Ins Kellergeschoss kommt eine Tiefgarage mit 15 Plätzen.

“Wird jetzt schon mit der Vermietung begonnen?” fragt eine Zuhörerin. Nein, dafür ist es noch zu früh. Die ausführende Firma Otto Wulff wird das fertige Gebäude an einen Vermieter verkaufen, ein Vertrag ist noch nicht unterzeichnet.

Auch der Abriss des Bunkers am Eidelstedter Weg hat vor wenigen Tagen begonnen. In unserer Sonderausgabe #2 Wohnen könnt ihr euch das Innenleben der Schutzräume anschauen.

Neubau mit drei Eingängen. Foto: Anja von Bihl
Neubau mit drei Eingängen. Foto: Anja von Bihl

Über aktuelle Entwicklungen, anstehende Termine und das Neubauvorhaben informiert eine Website, die in Kürze eingerichtet wird.

Anja von Bihl

Anja von Bihl war lange Zeit als Nachrichtenredakeurin beim Rundfunk tätig, u. a. zuletzt zehn Jahre beim rbb in Berlin. Jetzt hat sie sich zur Ruhe gesetzt, bleibt aber zumindest beim Joggen durch Eimsbüttel in Bewegung.

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