Hagendeel: Wohnungen für Flüchtlinge
Holzpavillons Poppenbütteler Weg. Foto: © Heike Günther www.heikeguenther.de

Hagendeel: Wohnungen für Flüchtlinge

Zwölf skandinavische Holzpavillons sind im Lokstedter Hagendeel geplant. Schon im zweiten Quartal 2015 sollen dort Flüchtlingsfamilien einziehen. Das Bezirksamt Eimsbüttel hatte am Dienstagabend zu einer Informationsveranstaltung in die Grundschule Döhrnstraße eingeladen.

Holzpavillon Poppenbütteler Weg. Foto: © Heike Günther www.heikeguenther.de
Holzpavillon Poppenbütteler Weg. Foto: © Heike Günther www.heikeguenther.de

Maximal 288 Personen sollen in den zweistöckigen Häusern wohnen, sagt Hajo Kettler von der Sozialbehörde. Das Besondere hier: im Gegensatz zu Containern enthalten die Pavillons abgeschlossene Wohnungen mit je drei Zimmern. Vorgesehen sind sie für Familien. Auch Spielplatz und Sozialräume sind geplant. Den Kindern soll der Besuch von Schule und Kita ermöglicht werden. Neben Flüchtlingen sollen auch wohnungslose Familien aus Deutschland hier unterkommen.

Ein 13. Pavillon ist für die Verwaltung gedacht. Das städtische Unternehmen “fördern & wohnen” steht hier als Ansprechpartner für die Bewohner, aber auch für die Nachbarn zur Verfügung. Und wie auch im Containerdorf an der Lokstedter Höhe werden viele ehrenamtliche Helfer tätig werden.

In diesem Zusammenhang wirft der Lokstedter Pastor Bernd Müller-Teichert die Frage auf, ob es bei immer mehr Bedarf nicht schwierig werden könnte, ehrenamtliches Engagement zu mobilisieren. Er schlägt einen Koordinator für den Einsatz von Freiwilligen vor. Der Eimsbütteler Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke kündigt an, den werde es geben.

Eile ist geboten

Der Standort Hagendeel muss Sevecke zufolge schnell realisiert werden. Die Entwicklung der Flüchtlingszahlen sei alles andere als beruhigend und spitze sich weiter zu. “Die Freie und Hansestadt Hamburg denkt tatsächlich wieder über Wohnschiffe nach!” so Sevecke. Das sei nicht der richtige Weg. Allein das Schiff “Bibby” hatte bis 2006 im Hamburger Hafen rund 500 Menschen auf engstem Raum beherbergt.

160.000 Asylanträge seien 2014 in Deutschland zu erwarten, ergänzt Kettner, 35.000 mehr als im vergangenen Jahr. Hamburg müsse 4.200 zusätzliche Plätze schaffen.

Die Baustellenzufahrt im Hagendeel gibt es schon. Foto: Anja von Bihl
Die Baustellenzufahrt gibt es schon. Foto: Anja von Bihl

Das Problem am Hagendeel: Hochwasser

Neben dem Interesse an den Einzelheiten der Unterbringung treibt die Anwohner seit Jahren ein Problem um: Der Schutz vor Hochwasser. Denn bei jedem heftigen Regen stehen hier viele Gärten und Keller unter Wasser und man befürchtet, dass dies noch schlimmer werden könnte, wenn das Gelände für die Unterbringung aufgeschüttet wird und dadurch das Wasser vielleicht noch schlechter ablaufen könnte.

Die Anwohner bezweifeln, ob der private Eigentümer des Grundstücks überhaupt noch eine gültige Baugenehmigung hat. Ja, hat er, erwidert die Architektin Birgit Fuhlendorf von der Umweltbehörde. Allerdings dürften sich die Baumaßnahmen nicht negativ auf die umliegenden Grundstücke auswirken. Dies sei jetzt geprüft worden. Ergebnis: Es ist keine Verschlechterung des Ist-Zustandes zu erwarten.

Der von der Umweltbehörde dokumentierte Ist-Zustand – ein weiteres umstrittenes Thema. Anwohner sprachen von Schönfärberei: Bereiche, die als “trocken” ausgewiesen würden, stünden im Gegenteil oft unter Wasser.

Geduld und Ungeduld

Gut gefüllte Aula in der Döhrnstraße. Foto: Anja von Bihl
Andrang in der Aula. Foto: Anja von Bihl

“Die Aufschüttung dient nicht dazu, den Zustand Ihrer Grundstücke zu verbessern,” hieß es vonseiten der Behörde. Doch auch, dass es offenbar seit Jahren wasserwirtschaftliche Missstände gebe. Dies wurde mit Kopfschütteln und höhnischem Gelächter kommentiert. Ein Zuhörer meinte: “Ich glaube, der geballte Sachverstand sitzt hier im Publikum, und die Damen und Herren vorn lernen noch.”

Doch bei allen Unmutsäußerungen gelang es beiden Seiten, mit großer Geduld ihre Argumente darzulegen. Die Umweltbehörde lud die Kritiker zur weiteren Diskussion ihrer Einwände und Fragen ein.

Das Gebiet um das Baugrundstück im Hagendeel soll als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen werden. Die Baupläne dafür  werden voraussichtlich von Mitte Juni bis Ende Juli von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) öffentlich ausgelegt. Die Anwohner können sich bis Mitte August dazu äußern.

 

 

So sollen die Pavillons angeordnet werden. Quelle: www.maps.google.com / Schild Architekten
So sollen die Pavillons angeordnet werden. Quelle: www.maps.google.com / Schild Architekten

Triff deine neuen Nachbarn: Mehr Informationen über Flüchtlinge in Eimsbüttel in unserer audiovisuellen Pageflow-Reportage.

Flüchtlingsunterkünften in Eimsbüttel: Wir geben einen Überblick über die Standorte und zeigen euch, wo ihr wie helfen könnt.

Anja von Bihl

Anja von Bihl war lange Zeit als Nachrichtenredakeurin beim Rundfunk tätig, u. a. zuletzt zehn Jahre beim rbb in Berlin. Jetzt hat sie sich zur Ruhe gesetzt, bleibt aber zumindest beim Joggen durch Eimsbüttel in Bewegung.

2 Kommentare zu “Hagendeel: Wohnungen für Flüchtlinge”

  1. Warum muss eine Stadt, in der es ohnehin schon eine massive Wohnungsnot gibt, Flüchtlingslager aufbauen?! Im Umland und in den Ballungsräumen sind genügend Flächen vorhanden.

    Derartige Aktionen verkleinern die Grünflächen und produzieren systematisch eine nachhaltige Wohnungsnot.
    Es gibt genügend Studenten, Arbeiter und andere Gesellschaftszweige, welche auf Sozialwohnungen (siehe §5-Schein etc.) angewiesen sind. Für diese Gruppen wären derartige Wohnungsbauprojekte innerhalb Hamburgs mit höherer Priorität anzusiedeln.

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