1 Raum, 1 Team und nur 1 Stunde Zeit
Foto: Fabian Hennig
Neuer Freizeittrend in Hamburg

1 Raum, 1 Team und nur 1 Stunde Zeit

Bei Live Escape Games lässt man sich freiwillig in einen Raum sperren und muss durch das Lösen von Rätseln, versuchen zu entkommen. Seit Januar 2015 gibt es ein solches Angebot auch im Stadtteil Rotherbaum. Wir haben einen der Betreiber von “Hidden in Hamburg” getroffen und uns selbst in einen Raum gewagt.

Foto: Fabian Henning
In der Rothenbaumchaussee können Spieler eine Stunde lang Rätsel knacken. Foto: Fabian Hennig

Wenn man das imposante Gebäude in der Rothenbaumchaussee betritt, vermutet man allerhand. Dass sich im Keller das Zimmer einer Edelprostituierten Tür an Tür mit einer Kapitänskajüte befindet, aber wohl eher nicht. Wir steigen zu fünft die Treppen hinab und werden von Mitarbeiterin Caro begrüßt. Sie führt uns in die Welt von Hidden in Hamburg ein.

Wo der erste Live Escape Room der Welt eröffnet wurde, ist unbekannt. Zurück geht das Konzept auf die sogenannten Escape the Room Games – Computerspiele, bei denen der Spieler sich durch das Sammeln und Kombinieren von Hinweisen aus einem Raum befreien muss. Nichts anderes ist Hidden in Hamburg. Nur eben in der Realität. Eine Stunde haben die Spieler Zeit, um aus dem Raum zu entkommen. Die Betreiber empfehlen in Gruppen zu rätseln. Daher sind auch wir in Teamstärke vor Ort.

Ein Familienprojekt

Rieke Muuß, die Gründerin von Hidden in Hamburg, lernte das Spielkonzept während eines Auslandssemsters in Budapest kennen. Im Januar 2015 in dem Gebäude an der Rothenbaumchaussee eröffnet, kamen im vergangenen September zwei weitere Räume auf der Rickmer Rickmers im Hafen dazu. Das war der Zeitpunkt, an dem auch Riekes Bruder Felix Muuß vollständig in das Projekt einstieg. Auch Bruder Fridolin ist mittlerweile dabei und bietet in Braunschweig Live Escape Games an. Bei der Realisierung des Projekts half die ganze Familie mit.
Rieke entwarf die Konzepte und Rätsel, der Vater installierte sämtliche Technik in den Räumen, während die Mutter beim Einrichten half. Felix wiederum nahm alle männlichen Stimmen auf.

Seit sie sich erinnern können, sind die Geschwister rätselbegeistert und große Fans der Krimi-Serie “Die drei ???”, erzählt Felix. “Es gibt keinen Abend, an dem ich nicht zu einer Kassette einschlafe.” Schon viele Ideen für weitere Räume stünden in den Startlöchern, leicht sei das Konzipieren jedoch nicht. Man will es allen Altersklassen und Gruppengrößen recht machen und muss ein gutes Mittelmaß finden, so der 32-Jährige.

Felix Muuß (32) betreibt zusammen mit seiner Schwester das Hidden in Hamburg. Foto: Fabian Henning
Felix Muuß (32) betreibt zusammen mit seiner Schwester das Hidden in Hamburg. Foto: Fabian Hennig

Detektivspiele in Hamburg

Inzwischen gibt es elf Anbieter von Live Escape Games in Hamburg. Als Konkurrenz sehe man sich aber nicht, so Felix, schließlich sei jeder Raum nur einmal spielbar. Es herrsche eher ein freundschaftliches Verhältnis und man versuche gemeinsam, die Hamburger auf den Geschmack der Spiele zu bringen. So komme es auch vor, dass die Betreiber die Räume der Konkurrenz besuchten – natürlich auch für Inspirationen.

Am Anfang waren es eher Touristen, meist mit Live-Escape-Game-Erfahrung, die die Räume buchten. Mittlerweile seien aber auch immer mehr Hamburger unter den Kunden. Den plötzlichen Wachstum der Branche erklärt Felix sich dadurch, dass Leute schon seit jeher gerne rätseln und man im Team ein gemeinsames Erfolgserlebnis teile.

Der Kiez in Rotherbaum

Nun wollen wir es selbst wissen und wagen uns in einen der zwei Räume in der Rothenbaumchaussee. Wir sind eine bunt gemischte Truppe im Alter von 16 bis 35. Erfahrung mit Live Escape Games hat keiner von uns.

Klick. Wir sind eingesperrt. Nach einer kurzen Einführung geht es sofort los. Zuerst wissen wir nicht so recht, was wir machen sollen und teilen uns erstmal auf. Ausgerüstet mit Taschenlampen durchsuchen wir das spärlich beleuchtete Zimmer. Eine Kamera beobachtet die ganze Zeit, wie wir uns durch den Raum bewegen. Das soll zum einen der Sicherheit dienen, die Person auf der anderen Seite gibt uns zum anderen aber auch Tipps, wenn wir nicht weiterkommen. Nach und nach entdecken wir im Raum immer mehr Schlösser, die wir nicht öffnen können. Der erste Schlüssel, den wir finden, ist schon ein riesiger Erfolg Doch, was wir hinter dem ersten Schloss finden, stellt uns nur vor noch mehr Rätsel. Eine klare Aufgabenverteilung gibt es bei uns nicht. Jeder geht mal auf die Suche oder brütet minutenlang über einem Rätsel. Was der eine nicht weiß, fällt dem anderen ein oder man kommt durch gemeinsames Brainstorming auf die richtige Fährte.

Bei den Rätseln sind die verschiedensten Fähigkeiten gefragt – mal muss man über Wortspiele nachdenken, rechnen, logischen Verstand benutzen, verschiedene Gegenstände miteinander verknüpfen oder genau zuhören. Über einen Bildschirm können wir den Fortlauf der Zeit verfolgen. Die Uhr tickt schneller als gedacht. Gerade gegen Ende “wurde man immer aufgeregter, so mehr Hinweise es gab”, findet Team-Mitglied Lena nach dem Ende des Spiels. “Man kam sich so ein bisschen vor wie Sherlock Holmes”, beschreibt Team-Mitglied Fabian seine Erfahrung.

Günstig ist der Spaß allerdings nicht. Je nach Gruppengröße zahlt man zwischen 35 und 21 Euro pro Person.

Weitere Freizeitangebote in Eimsbüttel.

Fiona Kleinert

Fiona Kleinert studiert Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Uni Hamburg. Sie schreibt am liebsten über Kultur. Wenn sie nicht gerade auf Reisen ist, dann findet man sie auch selbst auf einer Theaterbühne.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Emu Logo