Kann ich das essen?
Frischer Giersch landet gleich im Salat. Foto: Nicolas Döring

Kann ich das essen?

Frische Kräuter findet man nicht nur im Supermarkt, sondern auch direkt vor der Haustür. Mit Wildkräutern lassen sich Lieblingsgerichte verfeinern und dabei auch noch der Stadtteil besser kennenlernen. Wir haben die Kochbuchautorinnen von “Hamburgs wilde Küche” im Niendorfer Gehege getroffen und uns Tipps für die Wildkräutersammlung geben lassen.

Frischer Giersch landet gleich im Salat. Foto: Nicolas Döring
Frischer Giersch landet gleich im Salat. Foto: Nicolas Döring

Jetzt einen Salat, so richtig knackig und frisch! Mit allem, was der Frühling gerade so zu bieten hat: Junger Spinat, Rucola, ein paar kleine Möhren, Gurken und knackige Radieschen. Das wär’s jetzt! Nur die frischen Kräuter fehlen noch, die würden dieser frühlingshaften Köstlichkeit den letzten Pfiff geben.

Doch ausgerechnet die sind gerade nicht zur Hand? Das ist doch kein Problem! Denn nicht nur im nächsten Supermarkt oder beim Gärtner gibt es frische Kräuter, mit denen wir unsere Gerichte verfeinern können. Auch vor unserer Haustür wachsen Wildkräuter, die darauf warten gepflückt zu werden. Man muss sie nur entdecken, die “wilden Ecken” und sich natürlich vorher schlau machen, was das für ein Kraut ist, dass man da gerade unter seinen Salat mischt – und dann kann es auch schon losgehen mit dem Kräutersammeln.

“Hamburgs wilde  Küche”

Die Biologinnen Lore Otto und Katharina Henne haben zu diesem Thema ein Buch herausgegeben: In “Hamburgs wilde Küche” – erschienen im KJM Buchverlag – gibt es viele Informationen zu Wildkräutern, wie man sie erkennt, wo man sie finden kann und natürlich viele passende Rezepte für die Verwendung.

Frische Knoblauchrauke. Foto: Nicolas Döring
Frische Knoblauchrauke. Foto: Nicolas Döring

Auch Eimsbüttel ist ein Kräuterparadies, in den großen Parks, auf Grünflächen, an Flüssen oder auch im eigenen Garten lassen sich viele Kräuter finden. Bei unserem Wildkräuter-Sparziergang im Niendorfer Gehege konnten wir jungen Giersch, Knoblauchrauke und Sauerklee ernten. Nach dem Waschen und Kleinhacken wurden die Blätter unter einen fruchtigen Linsensalat (zum Rezept) gehoben und mit einer Essig-Öl-Vinaigrette abgeschmeckt: “Wildkräuter schmecken intensiver, vielleicht auch ein Stück weit ungewohnt, wenn man nur den Blattsalat aus dem Supermarkt kennt. Aber sie geben Gerichten ein besonderes Aroma”, sagt Henne beim Verkosten. Wir jedenfalls können bestätigen, dass der Salat unglaublich lecker geschmeckt hat, würzig-frisch und ja, vielleicht auch etwas ungewohnt. Aber auf jeden Fall wiederholenswert!

Eimsbüttler Wildkräuter-Sammeltipps

1. Wilde Ecken finden

In fein aufgeräumten Parks ist es eher schwierig noch wilde Kräuter zu entdecken, sagt Lore Otto.

2. Hundefreie Orte suchen

Alles was einen Meter oder näher am Wegesrand wächst sollte lieber stehen gelassen werden, denn da besteht die Gefahr, dass sich ein Hund auf den Wildkräutern erleichtert hat. Am besten an Orten suchen, wo keine Hunde frei herumlaufen.

3. Informieren, welche Wildkräuter  Saison haben

Jetzt im April finden wir z.B. Sauerklee (die jungen, hellgrünen Blätter), Brennnessel, Knoblauchrauke, Giersch, Sauerampfer, junger Löwenzahn, Gänseblümchen (nur die Blüten verwenden), Cadamine und Bärlauch. Diese Kräuter schmecken toll in Salaten, Quarkdipps oder als Topping für Suppen.

Lore Otto beim Knoblauchrauke ernten. Foto: Nicolas Döring
Lore Otto beim Knoblauchrauke ernten. Foto: Nicolas Döring
4. Sicherheit geht vor

Beim Sammeln sollte man sich wirklich sicher sein, was man abpflückt und essen möchte. Ist man sich nicht sicher, ob es sich um eine essbare Pflanze handelt, lieber stehen lassen. Katharina Henne empfiehlt allen Anfängern erst einen Kurs oder eine Kräuterwanderung mitzumachen.

5. Ohne Abgase schmeckt’s besser

Nicht an großen Hauptstraßen sammeln, dort kann die Belastung der Kräuter vom Verkehr besonders groß sein.

6. No-Go “Abräumen”

Wurde eine Stelle mit schönen Kräutern entdeckt, nicht alles “abräumen”, wie die Biologinnen es nennen. Die Pflanzen können auch die Nahrung von Insekten sein, daher sollte immer etwas stehen gelassen werden. Dann bleibt auch noch etwas für den nächsten Sammler übrig!

7. Fragen hilft

In einem verwilderten Garten wurden Kräuter oder auch voll behangene Obstbäume entdeckt und jetzt würde man zu gerne davon etwas ernten? Dann einfach die Besitzer fragen, in manchen Fällen wissen sie gar nicht, was dort Schönes in ihren Gärten wächst und teilen gerne.

8. Üppige Ernte im Frühling

Im Frühjahr kann man gut in Wäldern sammeln, da die Bäume noch keine Blätter tragen, so fällt viel Licht auf den Boden: Die Kräuter wachsen jetzt besonders gut.

9. In jedem Stadtteil lässt sich etwas entdecken

Lore Otto meint: Mit offenen Augen durch die Natur gehen, dann entdeckt man immer wieder neue “wilde Ecken” in seiner Umgebung. So kann man auch schon im Frühjahr entdecken, was es vielleicht im Sommer zu ernten gibt (z.B. Brombeer-, Holunder- oder Hagebuttensträucher, die im Sommer anfangen Früchte zu tragen).

10. Sammelempfehlung

Von Lore Otto: Kornelkirschen. Die kleinen tiefroten Früchte sind im August und September reif und schmecken erfrischend säuerlich. Sie wachsen gerne in Parks oder Gärten.

Text: Theresa Gursch Fotos: Nicolas Döring

Mehr Informationen zum Buch.

Gast

Dieser Beitrag wurde von einem Gastautor verfasst.

2 Kommentare zu “Kann ich das essen?”

  1. Sehr guter Beitrag. Ich würde mich auch besser auskennen mit dem ganzen Grünzeug. Dieser Tipp aber gefällt mir am besten: “Fragen hilft”.

    Ist ja wie im richtigen Leben.
    Ich lese jetzt erst einmal “Hamburgs wilde Küche” und dann schaun mer mal!

  2. Ganz wichtig, Egal ob verwildert oder nicht, nie auf Prevatem Grund fremder sammeln und beachten das auch Naturschutzgesetz und Landschaftsschutzgesetz das sammeln so manscher Pflanze zu Gunsten des Naturschutzes untersagen. Das Betreten eines Gartens und oft auch anderer Grundstücke kann zum Beispiel direkt strafbar sein.

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