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Andreas Böhle (rechts) und Anwohner (links) verstehen das Vorgehen des Bezirks nicht. Foto: Martin Karakolev

Bezirksamt plättet Blumenbeet

Seit drei Jahren pflegte Andreas Böhle sein selbst angelegtes Beet an der Ecke zwischen Wiesenstraße und Heußweg. Doch dann kamen am Mittwochmorgen Mitarbeiter des Bezirksamtes und beseitigten das mit bunten Blumen bepflanzte Grünstück – ohne Vorwarnung.

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Andreas Böhle (rechts) und Anwohner (links) verstehen das Vorgehen des Bezirks nicht. Foto: Martin Karakolev
Andreas Böhle (rechts) und Anwohner (links) verstehen das Vorgehen des Bezirks nicht. Foto: Martin Karakolev

Andreas Böhle ist empört. Am Dienstag hatte er noch Blumen auf dem Isemarkt gekauft und diese abends in dem selbst angelegten Blumenbeet im Heußweg an der Ecke zur Wiesenstraße eingepflanzt. Am nächsten Morgen dann der Schock: “Ich dachte, ich gucke nicht richtig. Blumen und Erde waren weg. Die Beetfläche war komplett plattgewalzt und mit Grand aufgefüllt worden. Alles ohne Vorwarnung”, erzählt Böhle. Er vermutete sofort, dass das Bezirksamt Eimsbüttel die Beseitigung der kleinen Oase in Auftrag gegeben hatte. Ein Anruf brachte dann Gewissheit. Der zuständige Wegewart bestätigte, dass Mitarbeiter des Bezirksamtes das Blumenbeet am Mittwochmorgen entfernt und den “bestimmungsgemäßen Zustand” wiederhergestellt hätten. 

Von dem Blumenbeet ist keine Spur mehr zu sehen. Foto: Martin Karakolev
Von dem Blumenbeet ist keine Spur mehr zu sehen. Foto: Martin Karakolev

Bezirksamt zeigt sich unversöhnlich

“Die Sondernutzung war nicht genehmigt und wäre vom Bezirksamt auch nicht genehmigt worden”, erklärte das Bezirksamt in einer Pressemitteilung. Durch die Bepflanzung wurde dem VerkehrNutzungsfläche entzogen. Diese ist insbesondere vor dem Hintergrund der in unmittelbarer Nähe liegenden Fahrradleihstation als Bewegungsfläche wichtig, heißt es weiter. Zudem wird behauptet, dem Bezirksamt seien die verantwortlichen Bürger nicht bekannt gewesen, weshalb eine Vorwarnung nicht erfolgen konnte. Schlussendlich würde das Bezirksamt haften, wenn einem Fußgänger durch Stolpern doch etwas passieren würde. Die Behörde sei daher verpflichtet, solche Behinderungen zu beseitigen. 

Für Andreas Böhle sind das “fadenscheinige Ausreden”. Weder die Radstation, noch sonstige Verkehrsteilnehmer, wie Fußgänger oder Radfahrer, seien durch das Beet behindert worden, niemand habe sich beschwert. Der Wegewart und auch andere Mitarbeiter des Bezirksamtes seien zudem darüber informiert gewesen, dass Böhle die Beete betreue. Es habe durchaus die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme gegeben. Abschließend weist das Bezirksamt in der Pressemitteilung deutlich darauf hin, dass es künftige eigenmächtig durchgeführte Eingriffe im Straßenraum nicht tolerieren werde.

Ein paar ausgerissene Blumenstängel. Mehr ist von Andreas Böhles Beet nicht geblieben. Foto: Martin Karakolev
Ein paar ausgerissene Blumenstängel. Mehr ist von Andreas Böhles Beet nicht geblieben. Foto: Martin Karakolev

Anwohner sind verärgert

Für Andreas Böhle und andere Eimsbütteler ist dieses Vorgehen unverständlich. “Ich verstehe nicht, warum das Bezirksamt so rücksichtslos gegen dieses Engagement vorgeht, während in anderen Stadtteilen teure Programme für Bürgerbeteiligung aufgelegt werden”, sagt eine Anwohnerin. “Um die wirklichen Behinderungen im Verkehr, wie zum Beispiel aufgerissene Straßen und unebene Gehwegplatten, kümmert sich das Bezirksamt nicht. Aber wenn Anwohner Initiative zeigen und ihren Stadtteil verschönern wollen, wird schneller  eingegriffen, als man gucken kann”, klagt ein anderer Eimsbütteler. Bei den Anwohnern entsteht der Eindruck, dass der Bezirk bei der Gestaltung des öffentlichen Raumes weder autonome Gestaltung durch Anwohner, noch Kompromisse duldet.

Für Eimsbütteler eine Oase, für den Bezirk ein Dorn in Auge: Die Anwohnerblumenbeete. Foto: Martin Karakolev
Für Eimsbütteler eine Oase, für den Bezirk ein Dorn in Auge: Die Anwohnerblumenbeete in der Wiesenstraße. Foto: Martin Karakolev

Nicht der erste Kampf um Blumenbeete

Es ist nicht das erste Mal, dass es in Eimsbüttel Ärger wegen Verschönerungsversuche durch Anwohner gibt. Bereits im Juli 2012 hatte ein ähnlicher Fall in der Emilienstraße für Aufsehen gesorgt: Dort hatten Anwohner ebenfalls bunte Beete angelegt, mit Steinen verziert und zum Schutz vor Hunden mit Kaninchenzäunen umrandet. Außerdem hatten sie eine Bank aufgestellt, auf der sich Fußgänger ausruhen konnten. Doch auch hier schritt das Bezirksamt ein und entfernte sowohl die Bank als auch Zäune und Steine. “Wir konnten gerade noch verhindern, dass auch die Blumen ausgerissen wurden”, erinnert sich Böhle, der auch in der Emilienstraße zu den Gärtnern der ersten Stunde gehörte.

Böhle gibt nicht auf

Andreas Böhle will das Vorgehen des Bezirks so nicht hinnehmen. Er will den Vorfall im nächsten Kerngebietsausschuss am ersten September ansprechen. In der Zwischenzeit steht er dort, wo bis vor zwei Tagen noch seine Blumen blühten und sammelt Unterschriften für den Erhalt von Anwohnerbeeten. Auch im nahegelegenen Café Strauß liegen Unterschriftenlisten aus. “Im März 2011 habe ich angefangen, die freien Flächen an der Straße zu bepflanzen”, berichtet der 71-Jährige. “Viele Anwohner haben sich daran erfreut. Das lassen wir uns nicht nehmen.”

Andreas Böhle sammelt nun Unterschriften für den Erhalt der Blumenbeete. Foto: Martin Karakolev
Andreas Böhle sammelt nun Unterschriften für den Erhalt der Blumenbeete. Foto: Martin Karakolev

 


Update: Das vom Bezirksamt abgerissene Beet ist plötzlich wieder da.
 Auferstanden aus Bitumen…

 

 

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