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Rüdiger Kruse tritt als Direktkandidat der CDU für den Bundestag an. Foto: Clara Eichner
Interview-Reihe

Bundestagswahl 2017: Kandidat Rüdiger Kruse aus Eimsbüttel

In unserer Serie zur Bundestagswahl 2017 sprechen wir mit den Direktkandidaten des Wahlkreis Eimsbüttel. Dieses Mal mit Rüdiger Kruse von der CDU.

Von Clara Eichner

Von 2001 bis 2009 saßen Sie in der Hamburgischen Bürgerschaft. Warum haben Sie in den Bund gewechselt?

Das war überraschend. Es gab einen designierten Kandidaten, der nicht mehr antreten wollte, und man hat ich gefragt. Das ist ja kein schlechtes Angebot. Da habe ich gesagt: ‚Ja, okay‘.

Was hat der Eimsbütteler Bürger davon, dass Sie im Bundestag sitzen?

Wir haben Bürgersprechstunden. Sehr vieles geht auch über Facebook und E-Mail. Ein Großteil der Anliegen hier im Wahlkreis sind keine Bundesthemen. Die lösen wir aber auch. Das heißt, ich rede mit meinen Kollegen hier im Bezirk und in der Bürgerschaft. Wir machen auch eine Serie mit Fokus auf die Stadtteile. Damit stellen wir einen Zusammenhang zwischen Bezirks- und Bundesthemen her. Zum Beispiel, ob der Bund die neue U-Bahn mitfinanziert.

In der Hamburgischen Bürgerschaft haben Sie sich für eine Schuldenbremse eingesetzt. Sie ist 2007 beschlossen worden. Um dann nach der Bürgerschaftswahl 2011 vom neuen Senat wieder gekippt zu werden. Wie hat sich diese Niederlage angefühlt?

Das war ein Fehler. Der es der SPD einfacher gemacht hat, klar. Aber dass ein Bundesland wie Hamburg – dessen Wirtschaftskraft viel stärker ist als die anderer Länder – von dem Weg der Tugend abweicht, fand ich sehr schwach (Anmerkung der Redaktion: Ab 2020 dürfen die Länder keine neuen Schulden aufnehmen, ihre Haushalte müssen ausgeglichen sein). Überall, wo man sich wirklich angestrengt hat, in Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern, die haben heute ganz andere Gestaltungsmöglichkeiten. Weil sie nicht ständig mit einer wachsenden Schuldenquote zu kämpfen haben. Die können tatsächlich Investitionen machen.

Im Bundestag sind Sie Mitglied im Haushaltsausschuss und Berichterstatter für Kultur. Sie sind bekannt dafür, Bundesgelder in Millionenhöhe für Hamburg zu sichern. Die Bundesausgaben für Kultur sind im Zeitraum Ihrer Tätigkeit stetig gestiegen, auf ein Grundetat von 1,63 Milliarden Euro 2017. Wie passt Ihr Engagement zum Sparen mit einer freimütigen Finanzierung von Kultur zusammen?

Wenn es ums Sparen geht, wird ziemlich am Anfang Kultur genannt. Dabei macht Kultur auf Bundesebene 0,5 Prozent vom Haushaltsanteil aus. Das heißt, sie können mit Kultur keinen Haushalt finanzieren. Und es ist ja gar kein Widerspruch zu sagen, wir wollen keine neuen Schulden machen und Geld ausgeben. Das entscheidende ist: Wenn ich mir verbiete, Schulden zu machen, muss ich viel klarer sagen, was mir am wichtigsten ist. Es gibt einfach eine Grenze, wenn das Geld zu Ende ist. Das machen Sie privat ja auch so.

Wer sich als Stadt oder als Staat, verschuldet, der ist politikunfähig. Theater sind wie Feuerwehr oder Polizei. Das kostet Geld. Neben der Gewährung der Sicherheit, der Gesundheitsversorgung, der Bildungsversorgung ist das Thema Kultur aber ein sehr sehr wichtiges. Daher ist es auch wichtig, staatliches Geld in Kultur zu investieren.

„Die Jungs im Herbst“ mit Hardy Krüger Jr. und Stephan Benson

"Die Jungs im Herbst" erzählt die Geschichte der beiden gealterten Literaturhelden Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Die einstigen Lausbuben blicken am Ort ihrer Kindheit auf ihr bisheriges Leben zurück. Das Zwei-Personen-Stück über Vergangenheit, Freundschaft und Reue ab jetzt in den Kammerspielen. Wir waren bei der Premiere.

Warum ist Kultur bedeutsam?

Weil Kultur das ist, was uns vom Regenwurm am meisten unterscheidet. Pandabären schreiben keine Gedichte, machen keine Filme, komponieren keine Oper oder Punk-Musik. Aggressiv sein, Kriege führen, das können auch Tiere.

Ein Eimsbütteler sagt ‚Kultur – interessiert mich nicht, brauche ich nicht‘. Wie reagieren Sie darauf?

Der Bürger kann sagen ‚Nö, Kultur ist mir nicht wichtig, den wähle ich nicht. Das ist auch in Ordnung.‘ Ich käme niemals auf die Idee, jemandem ein Kulturprogramm zu verordnen, damit er ein besserer Mensch wird. Welche Angebote Bürger nutzen, ist ja ihre persönliche Entscheidung. Das wichtige ist, dass es das Angebot gibt.

Auf Ihrer Website präsentieren Sie eine interaktive Karte mit Projekten, für die Sie sich einsetzen. Warum liegen nur wenige davon in Eimsbüttel?

Weite Teile von Eimsbüttel waren lange Zeit grüne Wiese. Wir haben das Völkerkundemuseum, das ist so eine schlafende Schönheit. Aber, die Stadt ist eben um die Alster und den Hafen herum gewachsen und da stehen die Hauptkirchen, da sind die großen Theater, das Konzerthaus…

In Eimsbüttel setzen Sie sich für den Breitbandausbau ein. Warum?

Ohne Hochleistungsinfrastruktur im IT-Bereich gibt es keine wirtschaftliche Weiterentwicklung. Fast alles, was wir heute machen, ist vom Internet abhängig. Wenn Sie ein Unternehmen gründen, müssen Sie sich darauf verlassen können, dass Sie genauso schnell sind, wie ihre Mitbewerber und Kunden in der ganzen Welt. Daher ist es wichtig, dass Hamburg hier nachrüstet und etwas tut. Und dafür will ich bundesweite Förderung hierher holen.

Wie stehen Sie zu den Bauarbeiten an der Osterstraße?

Wir haben es ja lange Zeit nicht mehr gehabt, dass die Stadt Tulpen gepflanzt hat (lacht). Das ist ganz pittoresk. Ich finde es unverhältnismäßig, was da reininvestiert worden ist, wenn man sich andere Förderbereiche anschaut. Und es ist schwierig, weil der Einzelhandel nicht mitgenommen worden ist. Die waren immer überrascht, was als nächstes passiert.

Fortsetzung auf Seite 3

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