Gemeinsam gegen Rechts – Die Omas ziehen los
Allein auf eine Demo zu gehen, kostet manchmal Überwindung. Die Omas gegen Rechts aus Eimsbüttel gehen deshalb gemeinsam.
Von Ella SchinkelSamstag, 12. September, 13 Uhr: Auf dem Fanny-Mendelssohn-Platz fallen die weißen Schilder sofort auf. Rund 20 Frauen haben sich hier versammelt, einige von ihnen tragen weiße Westen. Gleich wollen sie gemeinsam in Richtung Jungfernstieg aufbrechen. Dort werden an diesem Samstag 20.000 Menschen zu einer Demonstration erwartet. Am Ende werden es 25.000 sein.
Die Frauen gehören zu den Omas gegen Rechts. Ihr Ziel ist die Demonstration in der Hamburger Innenstadt unter dem Motto: Zeit zum Handeln – Freiheit muss verteidigt werden. Die Eimsbütteler Gruppen haben eine gemeinsame Anreise organisiert, denn alleine auf eine Demonstration gehen, das kann einschüchtern. Die Omas wissen das.
„Gegen menschenverachtende Politik“
An drei Treffpunkten im Bezirk können sich Frauen anschließen, die nicht alleine zur Demonstration fahren möchten. Heike ist eine von ihnen, sie ist über ein Nachbarschaftsportal auf die Aktion aufmerksam geworden. Alleine auf eine Demonstration zu gehen, da fühle sie sich doch manchmal komisch, erzählt sie. Trotzdem möchte sie heute auf die Straße gehen. Um „aus dem Herzen und der Überzeugung heraus gegen menschenverachtende Politik und gesellschaftliche Haltungen aufzustehen und sich zu zeigen. Um zu sagen: Es geht auch anders.“
Während sie spricht, kommt Applaus aus einem vorbeifahrenden Auto. „Tut auch immer gut“, sagt Ursel, auch sie engagiert sich bei den Omas gegen Rechts. Die Reaktionen auf ihr Engagement fielen nicht immer so aus. Bei Flyeraktionen seien die Frauen auch schon beschimpft worden.
Gemeinsam auf die Straße
Trotzdem machen sie weiter. Allein für die heutige Demonstration haben die Omas gegen Rechts 2.500 Flyer verteilt, erzählt Hilde Vollmayr. Die verschiedenen Gruppen im Bezirk stehen miteinander in Kontakt, der Austausch sei gut. Das sei ihr wichtig, gerade wenn man sich öffentlich positioniere. „Ich habe schon manchmal Angst“, sagt sie.
Auf dem Fanny-Mendelssohn-Platz setzt sich die Gruppe in Bewegung. Gemeinsam gehen die Frauen zur Bahn. Auch hier fallen die Omas auf: Eine Mitfahrerin spricht die Gruppe an, fotografiert das Schild einer der Frauen. „Toll, was Sie hier machen.”
Immer mehr weiße Westen
Am Jungfernstieg treffen die Eimsbüttelerinnen auf die anderen Gruppen aus dem Bezirk. Aus den rund 20 Frauen vom Fanny-Mendelssohn-Platz sind nun etwa 50 geworden. Zwischen den Demonstrierenden halten sie ihre weißen Schilder in die Höhe.
Sie alle hoffen, dass ihr Engagement etwas bewirkt. Auch über diesen Samstag hinaus. Die Omas gegen Rechts werden mehr, erzählt Vollmayr. Wer mitmachen möchte, könne sich unkompliziert bei der Eimsbütteler Gruppe melden, ihre Treffen fänden zweimal wöchentlich im Kreativhaus statt.

Musikalischer Protest
„Ich hab’ gelernt, es gibt viele dumme Menschen, die ihren Hass weitergeben. So entstehen Grenzen. Ich hab’ gelernt, der Mut, den man gibt, ist Liebe, die man kriegt“, singt Bosse auf der Bühne am Jungfernstieg. Rund eine Stunde lang stehen Rednerinnen und Redner auf der Bühne, halten Ansprachen vor den 25.000 Demonstrierenden.
Schließlich setzt sich der Demonstrationszug in Bewegung. Für die Omas gegen Rechts ist der Tag damit noch nicht vorbei. An der Petrikirche wartet ein weiterer Auftritt auf sie, gemeinsam mit einem Posaunenchor.
„Scheiß AfD“, singen die Frauen. Der Demonstrationszug zieht an ihnen vorbei, einige Menschen stimmen ein, andere applaudieren. Es sind solche Reaktionen, die Vollmayr mitnimmt, und in ihrem Engagement gegen Rechts bestärken. „Ich bleibe hoffnungsstur“, sagt sie.
Auf Wunsch einiger Protagonistinnen nennt die Redaktion sie in diesem Artikel ausschließlich mit ihren Vornamen.
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