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„Ich will kein Betroffenheitstheater“

Im Café des Mut!Theaters ist es warm und laut. Der Regisseur und Gründer der Bühne Mahmut Canbay trifft sich hier mit den Eimsbütteler Nachrichten, um über seine neues Stück "Emigranten" zu reden, das am 27. November Premiere feiert.

Von Franziska Martin

Eimsbütteler Nachrichten: Bei dem Stück geht es um die Situation von zwei Emigranten in der Fremde. Warum dieses Thema?

Mahmut Canbay: Das Migrantenthema ist auf internationaler Ebene ja momentan wieder sehr aktuell. Und dann ist es auch ein wichtiges soziales Thema in Hamburg, wo es viele Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund gibt. Hier in Hamburg finden sich Menschen aus verschiedenen Kulturen mit vielen Geschichten. Ich möchte vor allem auch den Integrationsprozess der Migranten auf die Bühne bringen. In welchen Bereichen sind die Menschen glücklich, wo sind sie unglücklich? Mich bewegt die Frage, wie sich Migranten mit ihren eigenen Problemen auseinandersetzen. Zur Integration müssen beide Seiten offen sein – die Migranten und die Menschen, denen sie begegnen.

Eimsbütteler Nachrichten: Wie bist du das erste Mal mit der Thematik in Berührung gekommen?

Mahmut Canbay: Ich musste selbst aus der Türkei flüchten. Ich war damals politisch aktiv und musste nach einem Militärputsch fliehen. 20 Jahre lang durfte ich nicht in die Türkei einreisen, jetzt bin ich amnestiert.

Eimsbütteler Nachrichten: Warum handelt das Theaterstück nicht von deinen persönlichen Erfahrungen?

Mahmut Canbay: Ich wollte das Migrantenthema auf die Bühne bringen, aber ich wollte kein Betroffenheitstheater machen. Und ich wollte mich – eben aufgrund meiner persönlichen Erfahrung – ein wenig von der Thematik distanzieren. Das Stück ist ja teilweise auch wie eine Biographie, wie unsere (,die der Emigranten, Anm. der Redaktion) Biographie.

Eimsbütteler Nachrichten: Mit welcher Person im Stück identifizierst du dich am meisten? Mit dem Bauern, der aus ökonomischen Gründen in ein anderes Land gegangen ist, oder mit dem politischen Flüchtling?

Mahmut Canbay: Mit keinem so richtig. Für mich ist das auch eine existenzielle Frage. Keiner von ihnen geht so richtig mit seinen Problemen um. Jeder Mensch hat seine Probleme, sein Loch. Den Bauern interessiert seine Umgebung nicht, er möchte Geld für seine Familie verdienen und schnell wieder nach Hause. Er opfert seine Gegenwart für seine Zukunft. Der politische Flüchtling ist ein Egoist. Er möchte sein Leben so gestalten, wie er will, findet aber nicht die Kraft dazu. Keiner von ihnen will sich so richtig auf die neue Situation einlassen. Wie man in einer fremden Umgebung zurechtkommt, ist auch heute noch von Bedeutung. Manche Migranten erkennen sich vielleicht in den Personen des Stücks wieder. Ich möchte erreichen, dass diese Leute mit Fragen nach Hause gehen.

Eimsbütteler Nachrichten: Was bedeutet Freiheit für dich, was Flucht?

Mahmut Canbay: Freiheit bedeutet für mich, sich von der Masse zu befreien und die eigene Meinung sagen zu dürfen, egal was andere davon halten. Ich möchte nicht von der gesellschaftlichen Moral unterdrückt werden. Aber sicher hat meine persönliche Freiheit auch Grenzen. Man muss auch auf die anderen Menschen um einen herum Rücksicht nehmen. Flucht ist für mich nichts Negatives. Es ist eher eine Gelegenheit, neu anzufangen.

Eimsbütteler Nachrichten: Wie ist die Situation des Mut!Theaters momentan in Eimsbüttel?

Mahmut Canbay: Es gab mal eine Zeit, da wollte ich aufhören. Die Schlüssel auf den Tisch werfen und gehen. Wir mussten sehr viel tun, bis unser Konzept in Eimsbüttel ankam. Aber die Kulturbehörde und das Bezirksamt Eimsbüttel haben mich sehr unterstützt und waren mit ganzem Herzen dabei. Das Mut!Theater finanziert sich jetzt vor allem durch Fördergelder, Eintrittsgelder und ehrenamtliche Arbeit. Gerade fühlen wir uns sehr wohl hier – ich bin selbst Eimsbütteler und stolz darauf.

Die Premiere im Mut!Theater unter der Leitung von Mahmut Canbay findet am Donnerstag, den 27. November statt. Weitere Termine sind der 28. und der 29. November. Die Karten kosten 12 Euro und 9 Euro (ermäßigt).

Das Stück „Emigranten“ von 1974 stammt ursprünglich vom polnischen Schriftsteller und Dramatiker Slawomir Mrozek (1930 – 2013). Slavomir Mrozek war selbst ein Flüchtling, so beantragte er 1968 nach der Niederschlagung des Prager Frühlings politisches Asyl in Frankreich und zog zeitweilig dorthin.

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