„Mut-Tour“: Radeln gegen Depressionen?
Der „MUT fördern e. V.“ veranstaltet seit 14 Jahren die „Mut-Tour“ – eine Fahrradtour, die etappenweise durch Deutschland führt und auf psychische Erkrankungen aufmerksam macht.
Von Nina FreierBanner werden an Seilen befestigt und Flyer auf Tischen ausgebreitet. Immer mehr knallrosafarbene „Mut-Tour“-T-Shirts und leuchtend grüne Westen kommen zum Vorschein. Heute lädt die „Mut-Tour“ vor dem Eimsbütteler Turnerverband (ETV) in der Bundesstraße zu einer Infoveranstaltung ein.
Im Rahmen der „Mut-Tour“ kommen bereits seit 2012 jedes Jahr Menschen zusammen, um durch eine Radtour auf psychische Erkrankungen aufmerksam zu machen. Besonders im Fokus steht dabei die Depression. Die Tour richtet sich an Betroffene von psychischen Erkrankungen und an deren Angehörige sowie an Interessierte ohne direkte Berührungspunkte mit dem Thema.
Seit Mai auf „Mut-Tour“
Die Tour habe Ende Mai in Kassel begonnen und führe seitdem mit insgesamt 13 Etappen durch ganz Deutschland. Morgen, am 12. September, soll das Finale in Bremen stattfinden, dem Sitz des Vereins MUT fördern.
Die Teilnehmenden können die Tour etappenweise begleiten.
Depressionen sind keine schlechte Laune
Dirk Neufeld nimmt bereits das zweite Mal an der Tour teil, erzählt er im Gespräch mit den Eimsbütteler Nachrichten. Dieses Jahr ist er auf der Etappe von Schwerin bis nach Bremen dabei. Er selbst sei nicht an Depressionen erkrankt, habe jedoch Betroffene in seinem Bekanntenkreis.
Vor allem das Gefühl, nichts tun zu können, habe ihn beschäftigt und dazu bewegt, etwas verändern zu wollen, sagt Neufeld. Es sei wichtig, sich im Verständnis zu üben, denn Depressionen seien eben nicht schlechte Laune, wie es so oft heiße, sondern eine ernsthafte, oftmals tödliche Erkrankung.
Informationen auf jeder „Mut-Tour“-Etappe
Seit Sonntag führt die Etappe von Schwerin bis nach Hamburg. Dabei legen die teilnehmenden Teams eine Strecke von rund 330 Kilometern zurück.
Das Tagesprogramm starte gegen 7 Uhr und gehe bis abends 22 Uhr. Zu jeder Etappe gehöre auch eine Infoveranstaltung – wie am ETV in Hamburg. Eingeladen seien immer lokale Initiativen, die sich für psychische Erkrankungen einsetzten. In Eimsbüttel mit dabei waren: der ETV, Sankt Depri – wir sind immer für uns da e. V., Irre menschlich Hamburg e. V. und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC).
Alleine kommen, gemeinsam fahren
Die „Mut-Tour“ fördere die alleinige Teilnahme, um echte Begegnungen vor Ort zu ermöglichen. „Mit Bewegung und Sport kann man ganz viel für sich selbst regulieren – und das ist ja auch das Projekt der ‚Mut-Tour‘“, sagt Teilnehmerin Maike Horst.
Sie selbst habe nach dem Verlust ihres Lebensgefährten nach Aktivitäten mit anderen Menschen gesucht. Dabei sei sie auf die Tour gestoßen und habe zunächst an einem „Mit-mach-Wochenende“ teilgenommen. Die Tour zeichne sich durch Zweierteams aus, die zwischen Etappen auf Tandems teilnehmen.
Eine weitere Teilnehmerin, Claudia Burmeister, die als Psychotherapeutin arbeitet, erzählt, dass die Tandems unter anderem auch der Aufmerksamkeit dienen. Sie seien nicht nur ein Blickfang, sondern auch ein Sinnbild. Das Fahren erfordere ein Zusammenspiel der vorderen und hinteren Person. Im Vordergrund stehe das gemeinsame Fahren. Es gehe dabei darum, sich gegenseitig zu unterstützen, genauso wie bei dem Thema Depressionen, heißt es von Neufeld und Horst.
Der Mut fördern e. V. finanziert sich durch Fördermittel und Spenden.
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