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Kai Ammer wünscht sich die Osterstraße autofrei. Foto: Annika Demgen

Neuland Straße

Kai Ammer hat Pläne für die Osterstraße. Im September wollen er und seine Initiative Osterstraße autofrei die Einkaufsmeile möglichst für vier Tage sperren lassen und ein Straßenfest organisieren. Es soll zeigen, wie es wäre, wenn auf der Osterstraße keine Pkw mehr fahren würden. Im Interview erzählt er uns, dass er nicht nur Radfahrer, sondern auch Autofahrer mit ins Boot holen will.

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Kai Ammer wünscht sich die Osterstraße autofrei. Foto: Annika Demgen
Kai Ammer wünscht sich die Osterstraße autofrei. Foto: Annika Demgen

Eimsbütteler Nachrichten: Wie ist es zu Neuland Straße gekommen?

Kai Ammer: Im letzten Jahr haben wir mit Osterstraße autofrei 530 Unterschriften eingesammelt und damit versucht, in den laufenden Umbauprozess einzugreifen. Wir haben die Petition bei (Bezirksamtsleiter Torsten, d.Red.) Sevecke persönlich abgegeben und seitdem haben wir nichts mehr davon gehört. Die Sammlung gab uns das Gefühl, dass die Stimmung für etwas Neues da ist. Unsere Petition war ja eine recht radikale Forderung. Dass die von so vielen Menschen unterschrieben wurde, will schon was heißen. Dann kam der Stadtforscher Julian Petrin von Next Hamburg auf uns zu. Der hat gerade ein neues Portal gestartet, das heißt Stadtmacher. Da geht es darum, dass einzelne Ideen vorgestellt und schließlich umgesetzt werden. Er hat uns dann angesprochen, ob wir unsere Ideen nicht auf Stadtmacher vorstellen wollen. Wir haben uns zusammengesetzt und so ist Neuland Straße entstanden.

Eimsbütteler Nachrichten: Was ist euer Ziel?

Kai Ammer: Also, wir wollen nicht mehr in den Osterstraßenumbau eingreifen. Das ist utopisch. Das Ziel ist, die Diskussion lebendig zu halten, und dafür planen wir zwei Sachen. Einmal wollen wir beispielhaft zeigen, dass das mit der Osterstraße autofrei keine Spinnerei ist, sondern funktionieren kann. Außerdem wollen wir ein Forum bieten, bei dem sich verschiedene Akteure und Menschen austauschen können, die sich irgendwie mit dem Thema “nachhaltige Stadtentwicklung und wie kann man Verkehr organisieren” beschäftigen. Künstler sollen auf der Straße aktiv werden und Kinder auf der Straße mit Kreide malen. Sportvereine können kleine Turniere veranstalten wie Beachvolleyball oder so. Die Geschäftsleute und Gastronomen sollen die Straße erobern und sich dort präsentieren. An einigen Tagen wird es solche Aktionen geben und an den anderen soll Eimsbüttel einfach nur sehen wie es ist, wenn die Osterstraße autofrei bleibt. Wir wollen definitiv kein zweites Osterstraßenfest sein. Daher auch der Termin im September und der Wunsch, nur mit der lokalen Gastronomie zusammenzuarbeiten.

Eimsbütteler Nachrichten: Warum organisiert ihr das nicht unter dem Namen Osterstraße autofrei?

Kai Ammer: Wir erwähnen schon, dass es sich um eine Initiative von Osterstraße autofrei handelt. Aber der Name polarisiert eben und wir wollen nicht nur militante Autogegner ansprechen, sondern die breite Masse. Das ist mit einem anderen Namen deutlich passender.

Eimsbütteler Nachrichten: Habt ihr denn schon Aktionen geplant, die Autofahrer gezielt ansprechen?

Kai Ammer: Nein, haben wir noch nicht. Das müssen wir uns noch überlegen.

Eimsbütteler Nachrichten: Was stört euch am Osterstraßenumbau, abgesehen von den Autos?

Kai Ammer: Vor allem stört uns natürlich, dass unsere Forderung nicht durchgekommen ist. Aber darüber hinaus auch, dass es keine Reaktion gab auf unsere Ideen. Dabei gehen die Planer ja schon in unsere Richtung. Mit Mittelstreifen und Verkehrsinseln wird die Durchschnittsgeschwindigkeit ja niedriger. Und so viele Autos wie jetzt wird die Osterstraße auch nicht mehr fassen können. Unserer Meinung nach ist das Konzept aber nicht konsequent zu Ende gedacht. Da muss noch mehr passieren. Deswegen wollen wir so eine Aktion machen.

Eimsbütteler Nachrichten: Langfristig wollt ihr also doch noch die Forderung mit der autofreien Osterstraße durchsetzen?

Kai Ammer: Klar. Aber gleichzeitig auch das Bewusstsein in der Bevölkerung schärfen, dass das auch gewinnbringend sein kann.

Eimsbütteler Nachrichten: Was sagt ihr zu dem Argument, dass sich der Autoverkehr einfach nur auf die anderen Straßen verlagert, wenn man die Osterstraße schließt?

Kai Ammer: Ich glaube, das wird kein großes Problem. Ich bin der Meinung, dass es hier sehr viel Durchgangsverkehr gibt. Es gibt viele, die die Kieler Straße meiden wollen und deswegen durchs Viertel fahren, um schnell zur Autobahn zu kommen. Und dann gibt es die, die Richtung Lokstedt und Hagenbeck wegfahren. Meiner Meinung nach macht es einfach keinen Sinn, durchs Viertel zu fahren, wenn man zur Autobahn will. Sicher kann es erst einmal ein bisschen voller werden auf den Nebenstraßen, aber das versuchen die Autofahrer nur ein paar Mal und dann haben sie die Schnauze voll davon. Weil auf der Lappenbergsallee zum Beispiel so viele Fußgängerampeln sind. Da geht es auf der Kieler Straße dann schneller. Außerdem könnte man sich überlegen, auf den anderen Straßen nachzubessern und den Stellinger Weg zum Beispiel zur Einbahnstraße zu machen. In Ottensen geht es ja auch. Das ist auch verkehrsberuhigt. Sobald der politische Wille da ist, dann kann man das auch regeln.

Eimsbütteler Nachrichten: Besitzt du ein Auto?

Kai Ammer: Ja, wir haben eins. Ich habe das lange beruflich gebraucht, weil ich in Hamburg gewohnt, aber in Kiel gearbeitet habe. Zwei Mal die Woche habe ich gependelt. Mit der Bahn war das nicht praktikabel. In der Stadt benutze ich mein Auto aber praktisch gar nicht. Mit dem Abschaffen tue ich mich nur noch schwer, weil die Schwiegereltern in der niedersächsischen Pampa wohnen auf dem Lande. Hin und wieder hat so ein Auto ja auch Vorteile. Ich finde aber diese knallharte Diskussion mit Autofahrer oder nicht Autofahrer oder nur Radfahrer und so sehr schwierig. Es geht ja gar nicht darum, dass man den Autofahrern alles vermiest, sondern darum, dass man das Auto in der Stadt bewusster benutzt. Es kann einfach nicht sein, dass jeder immer überall zu jeder Zeit überall hinfahren kann. Wir haben selber ein Auto, aber trotzdem setze ich mich für eine fahrradfreundliche Stadt ein, wenn das mehr Leute machen würden, dann sähe die Welt hier ganz anders aus.

Eimsbütteler Nachrichten: Auf eurer Webseite schreibst du, dass du ein Problem hast mit Menschen, die keine Visionen, aber Entscheidungsgewalt haben. An wen hast du da gedacht?

Kai Ammer: Zum Beispiel an Sevecke. Er ist selber angeblich passionierter Radfahrer und man sieht ihn immer mit einem Fahrrad rumstehen, wenn irgendwas gemacht wird. Aber viele Entscheidungen sind nicht so richtig zu Ende gedacht. In Kopenhagen zum Beispiel, da werden vierspurige Straßen umgebaut, sodass auf zwei Fahrstreifen nur Fahrräder fahren. Das ist ‘ne andere Nummer als unser Schutzstreifen hier. Aber das wird nicht gemacht. Da steht einfach keine Vision hinter. Da müsste man einfach mehr Lärm machen.

Neuland Straße kann man auf Stadtmacher.org unterstützen. Mehr Infos zu Neuland Straße gibt es auch hier.

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Das Logo des Projekts Neuland Straße

 

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