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Großer Andrang bei der Infoveranstaltung in der Verheißungskirche. Foto: Lukas Gilbert

Willkommen in Eimsbüttel?

Die Diskussion um Flüchtlingsunterbringungen in Eimsbüttel geht weiter. Am Mittwoch hat das Bezirksamt Mitte zu einer Informationsveranstaltung geladen, in der es um die kommende Unterkunft auf der Park&Ride Fläche in der Paul-Sorge-Straße ging. Der Andrang war groß, die Diskussion hitzig.

Von Lukas Gilbert

Dr. Torsten Sevecke, Leiter des Bezirksamtes Eimsbüttel, begrüßt die zahlreichen Besucher in der Verheißungskirche in Niendorf mit der Feststellung, dass der Andrang in der Kirche zuletzt Weihnachten ähnlich groß gewesen sei. Eine Einschätzung, die angesichts der prall gefüllten Kirche realistisch wirkt.

In seiner Begrüßung macht er eindringlich darauf aufmerksam, dass die momentanen Maßnahmen keinen Akt der Planung, sondern eine Notmaßnahme darstellen. Im Laufe des Abends macht Sevecke immer wieder deutlich, dass es aktuell darum geht Menschen vor Obdachlosigkeit zu schützen. Ein Grund für die geringe Vorlaufzeit der Planungen – die fragliche Fläche soll ab dem ersten August bebaut werden. Die akute Gefahr von Obdachlosigkeit ist auch der Grund dafür, dass die aktuelle Maßnahme nach Polizeirecht stattfindet. Durch die rechtliche Grundlage können baurechtliche Bestimmungen umgangen werden, sodass eine kurzfristige Bebauung möglich ist.

Unterbringung in Wohncontainern

Neben dem Bezirksamtsleiter sind Vertreter der Sozialbehörde, von Fördern&Wohnen, die zukünftige Heimleitung und Vertreter der kirchlichen Organisation “Wir für Niendorf” vor Ort. Heie Kettner von der  Sozialbehörde, schildert zunächst die momentane, prekäre Situation der Stadt Hamburg. Dabei wird klar, dass der Unterbringungsbedarf im Jahr 2015 deutlich höher ist, als die ursprünglich eingeplanten 10.000 zusätzlichen Plätze es zulassen.

Auf der Park&Ride Fläche in der Paul-Sorge Straße in Niendorf, sollen nach aktuellen Planungen insgesamt etwa 112 Menschen in vier Wohncontainern unterkommen. Tatsächlich kann sich die Art der Unterbringung aber noch ändern, da Wohncontainer laut Kettner momentan bundesweit knapp würden.

Bei der geplanten Unterbringung handelt es sich um eine sogenannte Folgeunterbringung, also keine Erstaufnahmestelle. Das bedeutet, die Menschen werden dort selbstorganisiert leben, die Kinder werden in öffentliche Schulen gehen und Kleinkinder in den Kindergarten. Über die Dauer der Unterbringung an dieser Stelle können die Behördenvertreter noch keine Auskunft geben. Sie machen aber deutlich, dass es sich um Jahre handeln kann.

Großer Andrang bei der Infoveranstaltung in der Verheißungskirche. Foto: Lukas Gilbert
Die Behördenvertreter stellen sich den Fragen der Besucher. Foto: Lukas Gilbert

Unterstützung für die Geflüchteten

Fördern&Wohnen wird die Unterkunft betreiben und mit drei Mitarbeitern dauerhaft die Menschen vor Ort betreuen, erläutert die Bereichsleiterin Beate Schmid-Janssen. Die Mitarbeiter werden beim Ein- und Auszug helfen und die Flüchtlinge bei der Organisation des Alltags unterstützen. Zudem sind die Mitarbeiter von Fördern&Wohnen auch Ansprechpartner für die Anwohner am Niendorfer Markt.

Nina Schrader von  “Wir für Niendorf” informiert darüber, dass der Verein die Menschen ebenfalls unterstützen wird. Geplant sind Sprachkurse und die Einrichtung von Kleiderkammern sowie die Begleitung bei Behördengängen. “Helfen Sie!” lautet ihr Appel an die Teilnehmer der Informationsveranstaltung.

Fragen und Antworten

Im Anschluss an die Informationen der Behördenvertreter, die lediglich durch gelegentliche Zwischenrufe gestört werden, bestand die Möglichkeit Fragen zu stellen. Dabei wurde deutlich, dass sich die Mehrheit der Anwesenden darüber einig ist, dass es eine Verpflichtung gibt, Flüchtlinge im Bezirk aufzunehmen.”Meine Familie ist vor vielen Jahren selbst nach Hamburg geflohen und erzählt noch heute von der damaligen Offenheit der Hamburger” berichtet eine Dame. Wie sie appellieren viele an Toleranz und den Abbau von Vorurteilen. Gleichzeitig wurde mehrfach kritisch nachgefragt, inwieweit der Bezirk schon alle Möglichkeiten einer Unterbringung, zum Beispiel in leerstehenden Firmengebäuden, geprüft hat.

Auch Ängste werden geäußert

Größte Sorgen der Anwesenden waren die Anspannung der Parkplatzsituation, durch den Wegfall der Park&Ride Fläche, eine steigende Kriminalitätsrate sowie eine zusätzliche Lärmbelastung durch die Unterkunft. Zudem wurde über sinkende Immobilienpreise am Niendorfer Markt diskutiert, ähnlich wie bei vorherigen Informationsveranstaltungen, beispielsweise in Harvestehude. Emotionaler Höhepunkt war dabei ein Herr, der eindringlich davor warnte, dass Bäume für die Unterkunft gefällt werden könnten und Kleintiere ihre Heimat verlieren würden. Sein Beitrag wurde von höhnischen Gelächter und Buhrufen vieler Anwesender begleitet.

Bei der Beantwortung der Fragen konnten anschließend viele der Sorgen ausgeräumt werden. So sollen keine Bäume gefällt werden, ein Anstieg der Kriminalität sei erfahrungsgemäß nicht zu fürchten und Ausweichparkplätze sollen geschaffen werden. Außerdem will der Bezirk weiterhin alle denkbaren Flächen für weitere Flüchtlingsunterbringungen prüfen und ist offen für Vorschläge aus der Bevölkerung. “Kommen sie auf uns zu”, bittet Kettner die Anwesenden.

Nichtsdestotrotz müssen sich die Anwohner natürlich auch auf Umstellungen einrichten. Sevecke gesteht beispielsweise ein, dass Immobilienpreise tatsächlich sinken werden und sich auch die Parkplatzsituation zwischenzeitlich weiter anspannen kann. Das seien aber erträgliche Einschränkungen, wenn so Menschen die Obdachlosigkeit erspart werden kann.

Großer Andrang bei der Infoveranstaltung in der Verheißungskirche. Foto: Lukas Gilbert
Vor der Kirche können sich die Besucher über Hilfsmöglichkeiten informieren. Foto: Lukas Gilbert

Abschiebungen sollen beschleunigt werden

Neben der Schaffung von Wohnraum für Geflüchtete, machen Sevecke und Kettner keinen Hehl daraus, dass Abschiebungen beschleunigt werden sollen, um die Situation in Hamburg zu entspannen. Dafür wurden bereits die Kapazitäten erhöht und neue Stellen geschaffen. Gerade Menschen die aus den Balkanstaaten, also sogenannten “sicheren Herkunftsländern” geflüchtet sind, sollen nach dem Willen der Verantwortlichen möglichst schnell wieder abgeschoben werden. Asylanträge von Menschen aus diesen Ländern hätten ohnehin nur eine geringe Chancen auf Anerkennung.

Die Veranstaltung endet mit einem Redebeitrag der Schülersprecherin der Stadtteilschule Niendorf, die über die Hilfsbereitschaft der Schüler berichtet und sich über die Möglichkeiten der aktiven Hilfe durch die Schüler erkundigt. Auf Stellwänden des Vereins „Wir für Niendorf“ können sich die Besucher über weitere Unterstützungsmöglichkeiten erkundigen. Am neunten September wird es eine öffentliche Informationsveranstaltung von „Wir für Niendorf“ in der Verheißungskirche geben.

Weitere Unterbringungen geplant

Der Senat plant derweil weitere Unterbringungen, um den gestiegenen Zahlen von geflüchteten Menschen gerecht zu werden. Neben der geplanten Unterbringung an den Sophienterassen, soll in der Vogt-Kölln-Straße in Stellingen, ebenfalls ab Anfang August eine Containerunterkunft entstehen. Hier können dann etwa 600 Personen unterkommen. Eine Informationsveranstaltung soll am 29. Juli im Haus der Jugend am Sportplatzring 71 stattfinden.

Innensenator Michael Neumann erläutert im NDR zudem, dass ab Herbst deutlich größere Containerunterkünfte in einer Größenordnung von 3000 Plätzen entstehen werden. Dabei ist auch mit weiteren Unterbringungen im Bezirk Eimsbüttel zu rechnen, wo bisher mit Abstand die wenigsten Plätze zur Unterbringung von Geflüchteten existieren.

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