Von Wurzeln, Kolibris und magischen Punkten
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Von Wurzeln, Kolibris und magischen Punkten

Endlich tun, was man eigentlich will. Über Umwege haben die meisten Aussteller der Messe “that’s my business” zu ihrem eigenen Unternehmen gefunden. Seit Freitag zeigen sich die jungen Firmen im Hamburg-Haus Eimsbüttel.

Behutsam nähert sich die dicke rote Nase, der Mund grinst wirr, entblößt zwischen den Schneidezähnen eine beeindruckende Lücke. “Der magische Punkt, den schenk’ ich dir”, murmelt Clownin Visionella und tippt mit dem Zeigefinger in die Luft. Dann dreht sie sich um und verschwindet zwischen den Ständen im Foyer des Hamburg-Hauses. Zurück bleibt ein verwirrter Gast der Messe „that’s my business“, die am Freitag und Samstag in Eimsbüttel stattfindet. Was soll der Zirkus inmitten der 88 Kleinunternehmer, die sich hier präsentieren?

Clownin Visionella
Clownin Visionella berät auch Trauernde.

Visionella alias Ulrike Göking gehört zu den Ausstellern. 2010 hat sie sich nicht nur mit roter Pappnase, sondern auch als Mediatorin, Trauerbegleiterin und Coach selbstständig gemacht. Wie viele der Teilnehmer hatte sie zuvor beruflich ganz andere Wege eingeschlagen – mit 48 Jahren stieg sie aus Werbebranche und Hotellerie aus.

Kooperieren, nicht konkurrieren

Endlich tun, was man eigentlich will – so formuliert es die Organisatorin der Messe, Heike Andersen. Zum dritten Mal präsentiert die Hamburgerin das Event. „Viele Teilnehmer sind hier mit der zweiten Karriere unterwegs“, sagt sie. Die Vielfalt reicht von Heilpraktikern und Köchen bis hin zu Designern. Gemein ist ihnen allen, dass sie kleine Unternehmen in Hamburg führen – manche haupt-, viele nebenberuflich. Die Messe soll dabei helfen, ineinander Partner und nicht Konkurrenten zu sehen.

Den Plan für das Projekt fasste Heike Andersen spontan: „Die Idee hat mich gefunden, nicht andersherum“, erinnert sie sich. Mit 49 Jahren stieg sie aus der Werbebranche aus und startete mit Feng Shui und einem Catering-Service in die Selbstständigkeit. „Da merkte ich erst, dass dieser Kraftakt von der Gesellschaft überhaupt nicht gewürdigt wird“, kritisiert Andersen. Dabei böten allein in der Hansestadt zehntausende  Kleinunternehmer Arbeitsplätze und innovative Ideen. „Diesen Verdienst will ich mit der Messe sichtbar machen.“

Kolibri statt Airbus

Marina Schmid und ihre "Kamala Kollektion"
Marina Schmid und ihre “Kamala Kollektion”

Auf der Messe gelingt das: Bunt sind die Stände und professionell. An den Shirts und Taschen von Marina Schmid zum Beispiel bleibt sofort der Blick hängen. Ein Kolibri mit ausgestreckten Flügeln ziert grasgrüne, weiße oder violette Stoffe. Schmid war mehrmals als Besucherin auf der Messe, dieses Jahr stellt sie zum ersten Mal selber aus. „Ich möchte mein Sortiment zeigen, mein Netzwerk pflegen“, sagt die Ottenserin. Seit zwei Jahren ist sie selbstständig, vorher arbeitete sie lange für Airbus. Rentiert sich das Ganze denn? „Nein“, gibt Schmid zu, wirkt dabei aber nicht unglücklich. „Hauptberuflich geht das nicht. Aber das ist auch nicht mein Ziel. Ich arbeite mit Textilien, weil es mir Spaß macht – Hauptsache, diese Motivation geht nicht verloren.“

Markus Megyeri
Markus Megyeri setzt auf grüne Smoothies.

Ambitionierter geht Markus Megyerie mit seiner Firma „Go Superfood“ an sein Projekt heran. Auch er stellt dieses Jahr zum ersten Mal bei „that’s my business aus“, will hier Kontakte knüpfen und für seine Idee werben. Seit gut einem Jahr liefern sein Team und er frische Smoothies und so genannte Superfoods an Firmen. „Ich könnte das 500 Stunden die Woche machen“, sagt er. „Die Nachfrage überrollt uns.“ „Superfoods“ sind Pulver mit exotischen Namen wie „Lucuma“, „Baobab“ oder „Maca“. Die gemahlenen Wurzeln aus fernen Ländern sollen mit einer besonderen Dichte an Vitalstoffen eine außergewöhnlich gesunde Ernährung garantieren.

Kleinunternehmer als Stütze der Wirtschaft

Heike Andersen: "Die Öffentlichkeit soll uns endlich wahrnehmen!"
Heike Andersen: “Die Öffentlichkeit soll uns endlich wahrnehmen!”

„All diese Ideen prägen und tragen unsere Wirtschaft“, davon ist Organisatorin Andersen überzeugt. Sie hofft, dass mit Hilfe der Messe vor allem Politiker neben den gängigen großen Betrieben endlich auch die „eigentliche Stütze“ der Ökonomie wahrnehmen: die Kleinunternehmer. Ob insbesondere ihre 88 diesjährigen „Schützlinge“ sich auf Dauer am Markt halten können, ist zwar ungewiss. „Natürlich gilt das Gesetz des Stärkeren, und das hat auch seinen Sinn“, sagt Andersen. „Aber um in diesen Wettkampf zu treten, muss jeder erst mal eine faire Chance bekommen.“

 

Die Messe „that’s my business“ findet am 7. und 8. Juni 2013 im Hamburg-Haus Eimsbüttel statt. Neben den Ständen der Aussteller bietet sie zwischen 11 und 18 Uhr zahlreiche Vorträge. Mehr Informationen: www.thats-my-business.de

 

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