ITSF WORLD CUP 2017: Eimsbütteler kickert um WM-Titel
Minyoung Bai ist Profi-Kicker, spielt aktuell auf der Tischfußball-WM - und wohnt in Eimsbüttel. Foto: Clara Eichner
Interview

ITSF WORLD CUP 2017: Eimsbütteler kickert um WM-Titel

Minyoung Bai, 33, wohnt in Eimsbüttel und kickert dieses Wochenende beim ITSF World Cup 2017 mit der deutschen Nationalmannschaft um den Weltmeistertitel.

Mit einem fröhlichen Grinsen auf dem Gesicht schlängelt sich Minyoung an den Kicker-Tischen vorbei. Er trägt ein Deutschland-Trikot und hat sich ein Handtuch um die Schultern gelegt. Ich treffe den Eimsbütteler und Fünften der Kicker-Weltrangliste zum Interview auf Kampnagel, Austragungsort der Tischfußball-Weltmeisterschaft 2017. Rund 850 Spieler und 40 Nationalmannschaften zocken dieses Ostern-Wochenende auf 120 Kicker-Tischen in mehr als 2.000 Spielen um den WM-Titel.

Du hast gerade ein Einzelspiel gekickert. Wie fühlst du dich?

Ich bin ein bisschen erschöpft, habe viel geschwitzt. Man muss sich viel bewegen, die Stangen hin und her bewegen. Wenn ich stehen bleibe, dann schießt der, der auf der anderen Seite steht, einfach rein. Zudem steht man unter Druck, weil man in kurzer Zeit viele Entscheidungen treffen muss, und das strengt an.

Was bedeutet es für dich, heute bei der WM mitzumachen?

Es ist schon eine große Ehre für Deutschland aufzulaufen und ist natürlich auch eine schöne Sache, weil nur die besten der Welt qualifiziert sind. Und dementsprechend nimmt man das natürlich ernst, die Gegner, aber ich natürlich auch. Die Spiele sind dadurch noch viel härter.

Es ist für mich tatsächlich auch vieles neu. Zum Beispiel die Finalarena. Ich habe dort vorgestern im Doppel im Achtelfinale verloren. So eine Anspannung fühlt man halt nicht auf anderen Bühnen. Die Tribüne war komplett voll und das hat man auch gehört. Das ist schon eine krasse, krasse Stimmung. Man hat auf jeden Fall nicht mehr so lockere Arme, man kann nicht mehr locker flockig so ein paar Sachen machen, sondern sie sind wirklich steif. Ist wirklich irre, das Gefühl. Und wenn man dann gut spielt, ist das eines der besten Gefühle. Vor allem, wenn man gewinnt. Aber verlieren gehört halt leider auch dazu.

Hast du dir für die WM ein bestimmtes Ziel gesetzt?

Kein konkretes, ich wollte einfach gut spielen. Das habe ich bisher auch gemacht. Das ist tatsächlich auch meine erste WM, bei der ich im Einzel und Doppel spiele. Ich war schon einmal davor auf einer WM, da habe ich nur Nationalmannschaft gespielt.

Wie kamst du überhaupt zum Kickern?

Ich habe relativ jung Bekanntschaft zu so einem Kickertisch gemacht. Ich fand gut, dass man den Ball unter Kontrolle halten muss und irgendwann hat mir ein Freund gesagt, dass sie das professionell als Sport spielen. Ich habe mir das dann angeguckt und mich hat es sofort gepackt, die Wucht, die Geschwindigkeit, mit der ein Ball ins Tor gefeuert wird… und es sieht auch noch so anstrengungslos aus – natürlich ist es nicht anstrengungslos – aber es sieht so aus. Es hat mich fasziniert und ich wollte das einfach lernen.

Wie hat Hamburg deine Karriere beeinflusst?

Ich bin nach Hamburg gezogen und hier gibt es eine große Spielerszene mit 1.000 Verbandsspielern. Dadurch habe ich  natürlich eine sehr gute Plattform, mich Stück für Stück weiterzuentwickeln und besser zu werden. Jetzt bin ich seit sieben Jahren hier und spiele auch seit sieben Jahren.

Was bedeutet Kickern für dich?

Kickern beherrscht meine Freizeit, ist aber immer noch ein Hobby. Davon leben kann man nicht. Ich bin sicher 4-5 mal die Woche im Kixx (Anmerkung der Redaktion: Kixx ist ein Trainingsraum für Kicker-Spieler). Zuhause übe ich sporadisch, falls es mal hier und da harkt. Die ersten ein, zwei Jahre muss man viel alleine am Tisch machen, um ein Gefühl zu bekommen. Wo sind die Lücken? Wie sieht das alles perspektivisch aus? Und was kann man eigentlich alles mit dem Ball machen. Später ist alleiniges Training nicht mehr notwendig, da feilt man dann mehr im Spiel.

Es ist auf jeden Fall ein sehr schönes Hobby, das auch sehr viele in Hamburg teilen. Alle meine Freunde spielen, mal mehr mal weniger, und sind in dieser Community.

Ganz wichtig für unsere Leser – wo kickerst du am liebsten in Eimsbüttel?

Im Kuddl – oder am Kickertisch zuhause.

 

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