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Lebendiges Eidelstedt-Center. Foto: Anja von Bihl

Sozialmonitoring veröffentlicht

Eidelstedt wird RISE-Fördergebiet

Ein im Januar veröffentlichter Bericht der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW) analysiert die soziale Entwicklung in den Hamburger Bezirken. Gebiete in Schnelsen, Lokstedt und Eidelstedt sind die sozial schwächsten Orte im Bezirk Eimsbüttel. Eidelstedt wird daher künftig Teil des RISE-Programms.

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Alle fünf Jahre gibt die BSW den Bericht über ihr Sozialmonitoring heraus. Wie Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, im Vorwort für den Bericht 2015 schreibt, soll er Ungleichheiten in der Stadtentwicklung aufzeigen.

Für das Monitoring werden die Stadtteile in kleine statistische Gebiete aufgeteilt. Anhand von sieben Indikatoren wird ihr “sozialer Status” bestimmt. Diese umfassen unter anderem den Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, den Anteil von Jugendlichen ohne höheren Schulabschluss genauso wie etwa den Anteil der Hartz-IV- und Sozialhilfe-Empfänger. Axel Vogt ist beim Bezirksamt Eimsbüttel für Sozialraummanagment zuständig. Er erläutert, dass die Indikatoren lediglich in ihrer Gesamtheit eine Aussage über die einzelnen Gebiete treffen: “Erst die Kombination aller Indikatoren weist darauf hin, mit welcher Entwicklung wir es in dem Gebiet zutun haben.” Der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund oder auch der Anteil von Alleinerziehenden sei alleine nicht aussagekräftig, sondern nur, wenn er mit anderen Kennzahlen kombiniert werde. “Zum Beispiel haben wir überall in Eimsbüttel viele Migranten, aber ganz unterschiedliche Entwicklungen in den Stadtteilen”, sagt Vogt.

Eimsbüttel liegt im “mittleren Sozialstatus”

Die Untersuchung unterscheidet nach einem Statusindex, der von “hoch” bis “sehr niedrig” reicht, und einem Dynamikindex, der sich in die Kategorien “positiv”, “stabil” und “negativ” einteilt. Daraus ergibt sich ein Gesamtindex für alle Gebiete Hamburgs. Im Vergleich zum Vorjahr, sind nur wenige Veränderungen zu beobachten. 543 Gebiete von 839 untersuchten und damit knapp 65 Prozent weisen einen mittleren Sozialstatus auf (hellblaue Flächen). Insgesamt hat sich Hamburgs Sozialstruktur ganz leicht verbessert. Es gibt vier Gebiete weniger, die einen “niedrigen” oder “sehr niedrigen” Status aufweisen. Die Gegenden mit vergleichsweise prekären Lebensverhältnissen, sind damit etwas weniger geworden. Der Bezirk Eimsbüttel stellt keine Ausnahme im allgemeinen Trend dar. Die meisten Gegenden besitzen einen mittleren, stabilen Sozialstatus. Einige Gebiete in Niendorf, Lokstedt und Harvestehude besitzen einen grün markierten, hohen und stabilen Sozialstatus. Insgesamt trifft dies auf knapp 20 Prozent der Hamburger Gebiete zu.

Vier Gebiete im Bezirk stechen allerdings negativ heraus. In Eidelstedt sind Bereiche um den Wildacker, Furchenacker und den Reemstückenkamp orange eingefärbt und haben damit einen stabilen aber niedrigen Sozialstatus. In Schnelsen (rund um den Sportplatz und den Graf-Johann-Weg) und Lokstedt (Lenzsiedlung) sind Gebiete rot eingefärbt, dies bedeutet einen sehr niedrigen, wenn auch stabilen Sozialstatus.

Interessant ist an dieser Stelle die Bewertung der Lenzsiedlung: Der Hochhauskomplex am U-Bahnhof Lutterothstraße wurde in den letzten zehn Jahren mit zehn Preisen für gute Nachbarschaft und Sozialarbeit bedacht. Die Wohnungen der Siedlung sind laut SAGA GWG sehr beliebt und viele Bewohner nehmen die Siedlung nicht als Problemviertel war, sondern wohnen gerne dort, wie wir beispielsweise in unserer Sonderausgabe #2 ausführlich berichteten. Der Umstand, dass dort 3.000 Menschen aus 60 Nationen wohnen und ein Drittel der Bewohner Sozialleistungen nach dem SGBII (zum Beispiel Hartz IV) bezieht, sorgt jedoch für die rote Farbe im Sozialmonitoring. Dieses Beispiel zeigt, dass die Studie nur bedingt eine Aussage darüber trifft, inwieweit das Zusammenleben in einem Gebiet funktioniert. Es werden eben nur quantitative Faktoren untersucht.

Gesamtindex / Screenshot: Sozialmonitoring Integrierte Stadtteilentwicklung, Bericht 2015
Gesamtindex / Screenshot: Sozialmonitoring Integrierte Stadtteilentwicklung, Bericht 2015

 

RISE-Fördergebiet in Eidelstedt

In Eidelstedt wird auf Basis der Ergebnisse des Sozialmonitorings nun gehandelt. Die rot-grüne Regierungskoalition im Hamburger Senat hat sich dafür entschieden, den Stadtteil in das sogenannte RISE-Programm aufzunehmen. Mithilfe des Rahmenprogramms Integrierte Stadtentwicklung (RISE) sollen Gebiete mit besonderem Entwicklungsbedarf gefördert werden. Axel Vogt gibt an, dass die Überlegungen des Senats direkt mit den bestehenden und geplanten Flüchtlingsunterbringungen in Verbindung stehen. Am Duvenacker und Hörgensweg soll es Wohnungen für Flüchtlinge geben, die bis zu 3.000 neue Bewohner nach Eidelstedt bringen werden – wir berichteten.

Das bisher einzige RISE-Fördergebiet in Eimsbüttel befindet sich momentan in Niendorf, im Bereich um die U-Bahnstation Niendorf-Nord. In Eidelstedt nennt Axel Vogt den Rübenstückenkamp und den Eidelstedter Platz als potenzielle Fördergebiete: “Zunächst müssen wir im Zentrum die lokale Ökonomie zusammen mit den Gewerbetreibenden stärken. Zudem muss das Bürgerhaus dringend saniert werden.” Das beste Beispiel für die Misstände sei das Eidelstedt-Center, dort gebe es viele freie Flächen und keinen “Branchenmix”. Die nördlich gelegene Lohkampstraße zeichne sich vor allem durch Billigläden aus. Vogt führt auch die angrenzende Eisenbahnersiedlung als Beispiel an. Dort gebe es kaum soziale Infrastruktur und wenig öffentliche Freiflächen wie Spielplätze.

Das RISE-Programm ist auf sieben Jahre ausgelegt, ein Gebietsentwickler soll in dieser Zeit mit Kommunalpolitikern, Gewerbetreibenden und Bewohnern entscheiden, welche Projekte gefördert werden. Die Gelder für RISE finanzieren der Bund (ein Drittel) und die Stadt (zwei Drittel). Ihre Höhe legt der Bund jährlich pro Bundesland fest. In den Jahren 2014 bis 2017 erhält Hamburg rund zehn Millionen Euro Bundesmittel, die es mit Landesmitteln gegenfinanziert. Wie viel Geld nach Eidelstedt fließt, ist noch unklar. Ausreichen werden die Mittel Vogt zufolge allerdings nicht: “Was wir an sozialer Infrastruktur benötigen, kann nicht allein durch das RISE-Programm geleistet werden. Für Schulen und Kitas brauchen wir mehr Mittel.” 

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