Versteckte Schufa-Anfragen beim HVV? Das steckt hinter den Schlagzeilen
Wer Fahrkarten kauft, riskiert seinen guten Schufa-Score. Das vermitteln Medienberichte. Die Hochbahn widerspricht und erklärt die Hintergründe.
Von Alexis MilneDie Nutzung einer App des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) soll den Schufa-Score verschlechtern. So berichtete es zuerst die Bild.
Die FDP-Fraktion Eimsbüttel warf dem Hamburger Senat daraufhin vor, er lasse „Verbraucher im Regen stehen“. Die Fraktion schreibt, die Hinweise über Schufa-Abfragen seien in den Geschäftsbedingungen versteckt. Stimmt das?
Hochbahn: Schufa-Anfragen in HVV-Switch-App möglich
Es geht um die HVV-Switch-App, sagt Hochbahn-Sprecher Andreas Ernst auf Anfrage. Die Hamburger Hochbahn entwickelt und verwaltet die digitalen Angebote des HVV. Die reguläre HVV-App und einzelne Ticketkäufe seien von Bonitätsprüfungen nicht betroffen, sagt er. Unter gewissen Vorasussetzungen könne es bei der Anmeldung in der HVV-Switch-App aber dazu kommen.
Hintergrund sei, dass über die HVV-Switch-App auch Leistungen mit variablen Preisen gebucht werden können, wie E-Scooter- und Autofahrten.
Wann werden Anfragen durchgeführt?
Der Preis werde nach der Fahrt auf Basis der Nutzungsdauer berechnet und vom hinterlegten Zahlungsmittel abgezogen. “Leider mussten wir schon die Erfahrung machen, dass die Bonität nicht immer vorhanden gewesen ist”, sagt Ernst.
Bei der Hinterlegung von “risikobehafteten Zahlungsmitteln” wie Kreditkarten oder SEPA-Lastschriften komme es dewesegen zu einmaligen Bonitätsprüfungen.
Bonitätsprüfung bei HVV-Switch? So funktioniert es
Ernst erklärt: Für Nutzerinnen und Nutzer der HVV-Switch-App werde bei dem Dienstleister Logpay ein Konto angelegt, wenn sie sich registrieren und ein Zahlungsmittel hinterlegen. Bei der Anlage dieses Kontos werde einmalig eine Bonitäts‑, Identitäts‑ und Risikoprüfung durchgeführt – sofern eine der risikobehafteten Zahlungsmethoden (Kreditkarte oder SEPA-Lastschrift) hinterlegt wurde. Die Nutzer würden darauf explizit hingewiesen.

Weitere Schufa-Anfragen gebe es nicht – auch dann nicht, wenn zu einem späteren Zeitpunkt die hinterlegte Kreditkarte gewechselt würde. Grund dafür sei die personenbezogene Anmeldung.
Wenn sich Kundinnen und Kunden in der App registrieren, ohne eine dieser Zahlungsmethoden einzustellen, werde keine Prüfung durchgeführt.
Sinkt dann der Schufa-Score?
Eine solche Anfrage fällt bei der Schufa unter die Kategorie „Anfragen außerhalb des Bankbereichs“. Wenn die Schufa einen Score berechnet, wird dabei in dieser Kategorie erfasst, wie viele entsprechende Anfragen in den letzten zwölf Monaten durchgeführt wurden. Zu dieser Kategorie gehören laut der Schufa „Anfragen aus den Branchen (Online)-Handel, Telekommunikation und (Finanz)-Dienstleistungen“.
Eine einzelne Anfrage verschlechtere den Wert nicht. Zwei Anfragen können dazu führen, dass der Score um 28 Punkte sinkt. Ab vier Anfragen sinke er um 99 Punkte – ein Zehntel des Maximalwerts.

Allein durch die Anmeldung bei der HVV-Switch-App sinkt der Schufa-Score demnach nicht. Bei mehren Anfragen in dieser Kategorie kann der Score jedoch betroffen sein; sowie durch die elf weiteren Kriterien, die die Schufa mit einberechnet.
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