Ladensterben in der Osterstraße
Erst Corona und nun seit mehr als zwei Jahren eine Dauerbaustelle direkt vor der Tür: Händler an der Osterstraße berichten von massiven Umsatzeinbußen – einige schließen nun ihre Läden.
Von Angela WoyciechowskiDer Mode- und Lifestyle-Laden „Stan And Lovely” macht dicht. Mitte Juli zieht das Geschäft aus seinen Räumen an der Osterstraße aus. Die Gründe dafür sind vielfältig, sagt Inhaberin Julika Schulz. Einerseits gehe es um die generelle Entwicklung im Einzelhandel, da viele nur noch online einkaufen würden, andererseits um die aktuelle wirtschaftliche Lage.
„Es kommen viele Dinge zusammen, die den Umsatz eingeschränkt haben – bei gleichbleibenden Kosten”, sagt sie. „Alleine im Weihnachtsgeschäft 2025 hatten wir Umsatzeinbußen von rund 50 Prozent.” Auch die Baustellensituation sei dafür verantwortlich.
„Stan And Lovely” ist eines von mehreren Geschäften, die in den kommenden Wochen schließen. Im Gespräch mit den Eimsbütteler Nachrichten haben verschiedene Betreiber über das Ladensterben in der Osterstraße gesprochen.
Osterstraße nicht mehr attraktiv
Auch für das Modelabel „Derbe” ist in der Osterstraße bald Schluss. Sie müssen im Mai die Reißleine ziehen, sagt Tanja Müller, die im Laden arbeitet. Die Osterstraße sei nicht mehr attraktiv. Und: „Die Osterstraße war einmal so eine schöne Straße – ich finde es schade, dass sie nun so heruntergewirtschaftet wird.”
Außerdem beklagt sie, dass die Initiativen, die es derzeit gibt, zu spät kommen. „Das Kind ist in den Brunnen gefallen”, sagt sie. Ihrer Meinung nach hätte man das alles vorher abwenden können.
„Wir werden allein gelassen”
Das Café „Matcha Era”, das seit Juni letzten Jahres in der Osterstraße ansässig ist, habe es ebenfalls hart getroffen. Inhaber King Paschen berichtet von Investitionen im fünfstelligen Bereich. Nun sei er – auch durch die Baustellensituation – in eine finanzielle Schieflage geraten. Er habe damit gerechnet, dass die Baustelle bis Herbst 2025 fertiggestellt ist. Doch die Bauarbeiten verzögerten sich – und die Kunden blieben aus, erzählt er.
Er habe viel Hoffnung in das Osterstraßenfest gesetzt. Dass dieses nicht stattfinde, sei fatal, so der Inhaber. Um eine Insolvenz komme man wohl nicht mehr herum, sagt er und moniert, dass es keine finanzielle Entlastung oder Unterstützung der Behörden gibt. „Wir werden komplett allein gelassen.” Die Leute würden infolgedessen in andere Stadtteile gehen, die attraktiver seien, wodurch immer mehr Läden an der Osterstraße bedroht seien.
Die Absage des Osterstraßenfestes „hat uns den Boden unter den Füßen weggerissen”, sagt auch die Inhaberin des „Kilo-Ladens”. Dieser war seit 2022 an der Osterstraße ansässig. Nun trenne man sich schweren Herzens von diesem Standort. „Die Osterstraße war einmal eine tolle Straße, aber gerade ist es dort wirtschaftlich schwierig”, sagt Miriam Avci, die einen weiteren Laden am Hauptbahnhof betreut.
Laufkundschaft fehlt
Laut Tom Klee, Inhaber des gleichnamigen Ladens, fehle schlichtweg die Laufkundschaft. „Es fehlen hochgerechnet 10.000 Kunden, die hier durchfahren oder -laufen.” Er habe dadurch 20 bis 30 Prozent weniger Umsatz im Monat als früher.
Die Osterstraße sei für ihn nicht mehr attraktiv. Er überlege, ob es noch Sinn mache, den Laden weiterzubetreiben. Er komme nun ins 17. Jahr seit der Gründung. In all der Zeit habe er nie einen Lokalpolitiker vor Ort gesehen, der sich um die Probleme gekümmert hätte. „Meine Wut ist schon vorbei, es ist nur noch Resignation”, sagt er.
Nico Hutzfeldt von „Carlos Coffee” hat nach 25 Jahren entschieden, den Laden zu verkaufen. Er sagt: „Die Grenze ist längst erreicht.” Dennoch seien es bei ihm persönliche Gründe, den Laden aufzugeben.
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