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Tagebuch Freitag Fenster Kissen Fernglas Pappenheimer Hamburg Eimsbuettel
Foto: Martin Busche
Glosse: Elfter Teil

Corona-Tagebuch: Bruce Lee wohnt hier nicht – ich kenne meine Pappenheimer

Martin Busche zählt mit uns allen die Tage, die uns Corona stiehlt und führt ein öffentliches Tagebuch: subjektiv, ehrlich, schonungslos. Bis Corona uns hoffentlich scheidet.

Von Martin Busche

Freitag, 3. April

Erwischt, meine Nachbarin hat Besuch, von einem fremden Mann. Der gehört da nicht hin, nie gesehen. Gerade jetzt, im Moment, Freitag, 12.30 Uhr. Mansteinstraße, 20253 Hamburg. Das muss ich melden. Ihr Mann ist das nicht, die hat keinen. Das weiß ich. Wer aussieht, wie Bruce Lee, darf sich nicht wundern, wenn er negativ auffällt. Das darf nur Bruce Lee, der wohnt hier aber nicht. Ich kenne meine Pappenheimer.

Sapperlot, jetzt schlägts echt 13, wie man in meiner Generation und so noch so sagt. Zwei Fußgänger sind dazu gekommen, stehen vorm Haus, alle vier quatschen. Die Delinquenten auf dem Balkon stehen viel zu nah nebeneinander, pfeifen wohl auf das Abstandsgebot. Vier Halblegale auf einem Haufen sind auf jeden Fall mehr als zwei. Und zu viel. Das wird teuer: Selber schuld. Da rufe ich sofort an: Ordnungsamt, Bezirk Eimsbüttel. 040/428… Die Nummer weiß ich auswendig…

Früher habe ich gleich die 110 angerufen, ist ja ein Notfall. Das mach ich jetzt nicht mehr. Seitdem Jan Fedder nicht mehr ist, ist die Polizei auch nicht mehr das, was sie mal war. Viele Neue arbeiten da jetzt, kennt man gar nicht alle, die sind wohl auch nicht von hier. Ich helfe ihnen trotzdem gerne. Sogar die Koordinaten fürs Navi habe ich mir für die gemerkt. Die Mansteinstraße an sich liegt: 53 Grad Nord und 9 Grad Ost. Die Nummer der Nachbarn knapp daneben. Das wird sich doch wohl finden lassen.

Trotzdem ist die Streife fast nie gekommen. Und wenn, dann viel zu spät. Unfassbar, warum tue ich das alles? Natürlich habe ich dann nochmal angerufen, mich beschwert.

Bis sie mich verwarnt haben, sogar eine Geldbuße sollte ich zahlen, wenn ich sie weiter nerve. Meine Adresse hätten sie ja. Dabei war der Fall ganz klar: Ein roter LKW hatte mitten im Parkverbot geparkt. Genau vor meinem Fenster, ich konnte nichts mehr sehen. Der musste da weg. Der Polizei war das egal. Zeiten sind das. Früher war alles anders, besser und auf den Schutzmann noch Verlass.

Nicht dass da jetzt Missverständnisse entstehen. Ich bin kein Spanner, keineswegs. In meinem Alter sind ja viele sowieso schon aus dem Gröbsten raus.

Als besorgter Bürger nehme ich meine Verantwortung ernst. Pass auf, dass die Nachbarn sich vernünftig verhalten. So wie Merkel das gestern nochmal gesagt hat. Einer muss das ja tun hier bei uns in der Straße. Da wohnt viel junges Volk, die schlagen gerne mal über die Strenge.

Oft merken die das aber gar nicht. Meine Nachbarin von oben. Ich hab sie gestern nur gebeten, mir kurz zu sagen, wo sie hingeht. In Zeiten der Kontaktsperre. Nur das wichtigste halt: wann, wohin, mit wem, wann wieder da. Das fand sie schon nicht witzig. Als ich dann noch wissen wollte, ob denn der Hund unbedingt mit müsse, wurde sie echt sauer. Die Antwort auf meine Frage nach dem Mundschutz für den Hund habe ich nicht mehr verstanden. Sie war aber recht laut. Irgendwas mit Blockwart oder so. Komisch…

Wir lesen uns Montag, sonntags bleibt das Tagebuch zu.


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