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Fall Yagmur: Bezirksamt nimmt Stellung

Nach dem tragischen Tod der dreijährigen Yagmur aus Hamburg-Billstedt hat Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke Stellung genommen. Er hat in seiner Behörde eine Task Force zur Untersuchung des Falls eingesetzt.

Von Ada von der Decken
Die Pressekonferenz war kurzfristig angesetzt worden. Foto: Ada von der Decken
Die Pressekonferenz war kurzfristig angesetzt worden. Foto: Ada von der Decken

„Es soll eine Aufklärung ohne falsche Rücksichtnahme folgen“, sagte Sevecke am Freitagmorgen in einer Pressekonferenz. Laut Prüfbericht der Jugendhilfeinspektion habe das Jugendamt Eimsbüttel zwei Fehler gemacht: Einer Verletzung der kleinen Yagmur sei höchstwahrscheinlich nicht gründlich genug nachgegangen worden. Zudem sei in einer Beratungsrunde unter Mitarbeitern eine folgenschwere Entscheidung getroffen, die aus kritischer Distanz nicht hätte fallen dürfen: Es wurde beschlossen, das Mädchen zu ihren leiblichen Eltern zurückzugeben.

Task-Force im Bezirksamt

Der SPD-Mann will nun eine Task-Force einrichten, die binnen einer Woche bisher noch offene Fragen des Falls klären soll. Unter anderem sollen Gespräche mit den Teilnehmern der Beratungsrunde geführt werden.

Der  Jugendhilfeausschuss, das Kontrollorgan des Jugendamts, wird sich in einer Sondersitzung in der kommenden Woche mit dem Thema befassen. Aktuelle Fälle, in denen es um Kindeswohlgefährdung geht, sollen erneut überprüft werden, so Sevecke weiter.

Das Jugendamt Eimsbüttel sei personell und finanziell gut ausgestattet gewesen, sagte dessen Leiter Holger Requardt. Seine Mitarbeiter sind in der Regel für 50 bis 70 Fälle zuständig. Yagmurs Betreuerin war nach Aussage des Jugendamtsleiters eine erfahrene und langjährige Mitarbeiterin. Sie sei aktuell beurlaubt.

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Prüfbericht erhebt Vorwürfe

Das Medieninteresse an der Untersuchung des Falls ist groß. Foto: Ada von der Decken
Das Medieninteresse an der Untersuchung des Falls ist groß. Foto: Ada von der Decken

Der Prüfbericht hatte schwere Vorwürfe gegen die Sachbearbeiterin erhoben: Sie kannte die Familie, und hatte noch im Frühjahr festgestellt, dass die Eltern in Belastungssituationen nicht zuverlässig seien. Dennoch habe sie nichts unternommen, als eine Jugendrichterin im Sommer zuließ, dass Yagmur dauerhaft zu ihren Eltern kommt. Dazu Sevecke: „Eine Sozialarbeiterin verlässt sich womöglich auf die Aussage einer  Richterin.“ Künftig sind die Sozialarbeiter im Jugendamt Eimsbüttel verpflichtet,  in Fällen, bei denen das Jugendgericht eingebunden ist, juristische Beratung im Rechtsamt einzuholen. Bislang war das freiwillig.

Nach ihrer Geburt war Yagmur bei einer Pflegefamilie untergebracht worden, hatte aber Kontakt zu ihren leiblichen Eltern. Weil der Verdacht bestand, dass sie bei ihren Besuchen dort misshandelt wurde, hatte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen.

Yagmur starb am 18. Dezember an inneren Verblutungen in Folge eines Leberrisses. Das Mädchen muss ein Martyrium durchlitten haben: Die Obduktion ergab Armbrüche, schlecht verheilte Rippenbrüche. Zudem war der gesamte Körper mit Hämatomen übersät.

Yagmurs Vater soll ihr die Verletzungen zugefügt haben. Die Mutter habe nichts gegen die Misshandlungen unternommen. Die Eltern sitzen in Untersuchungshaft.

Der Prüfbericht zum Fall Yagmur ist der erste Untersuchungsbericht der neu eingerichteten Hamburger Jugendhilfeinspektion. Die Aufsichtsstelle ist an die Sozialbehörde angedockt, arbeitet laut Behörden aber unabhängig. Die Jugendhilfeinspektion wurde nach dem tragischen Tod des Mädchens Chantal, das an einer Methadon-Vergiftung starb, vor zwei Jahren eingerichtet.

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