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Ab dem Isebekkanal bis zur Kippingstraße gilt auf der Bundesstraße ab sofort Tempo 30. Foto: Dennis Imhäuser
Geschwindigkeitslimit

Tempo 30: Pro und Contra

Anlässlich der Verkehrsministerkonferenz Ende April in Hamburg fordert der ADFC flächendeckend Tempo 30 für Hamburg. Wie sinnvoll ist diese Forderung? Zwei Experten stellen sich in einem Kommentar die Frage, ob eine gedrosselte Geschwindigkeit auf allen Eimsbütteler Hauptverkehrsstraßen sinnvoll wäre.

Von Fabian Hennig

Der ADFC hat Bürgermeister Olaf Scholz und Verkehrssenator Frank Horch aufgefordert, flächendeckend Tempo 30 anzuordnen. Stefanie Miczka vom ADFC Hamburg appelliert an den Senator: „Sorgen Sie endlich für bessere Luft und mehr Verkehrssicherheit in Hamburg.“

Laut Innenbehörde reduziert Tempo 30 den Lärm für Betroffene im selben Umfang wie eine Halbierung des Verkehrsaufkommens. Das Argument von Senator Horch, dass durch mehr Tempo 30 die Wohngebiete wieder stärker belastet würden, teile der Fahrradclub nicht. „Die Verkehrsführung in Wohngebieten sollte so ausgelegt sein, dass dort kein Durchgangsverkehr möglich ist«“, argumentiert Miczka. Dies könne etwa durch Einbahnstraßen, Sackgassen oder ähnliche  Maßnahmen erreicht werden.

Dem ADFC zufolge sind in Eimsbüttel besonders stark betroffen: Bundesstraße, Kieler Straße und Schäferkampsallee.

Pro Tempo 30

Christine Stecker, Nachhaltigkeitsreferentin aus Eimsbüttel

Der Verkehr trägt mit einem Viertel zu den klimaschädlichen Emissionen bei. Ein Großteil der privaten PKW-Fahrten in den Städten besteht aus Kurzstrecken unter fünf Kilometern. Sie könnten zugunsten von Zufußgehen, Radfahren und der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel vermieden werden. Viele Fahrzeuge wären somit unnötig. Dennoch präsentiert sich gefühlt jede Hamburger Straße mit der einheitlichen Tristesse parkender Autos.

Lärm und Schadstoffe machen krank. Doch es gibt Lösungsansätze, zu denen Tempo 30 als eine von vielen Maßnahmen zählt. Laut Umweltbundesamt ist Tempo 30 zur Lärmreduzierung nicht nur in Wohngebieten sinnvoll, sondern auch auf städtischen Hauptverkehrsstraßen. Zum Vergleich: Aktuell sind in Berlin 17 Prozent des Hauptstraßennetzes geschwindigkeitsreduziert. Das Umweltbundesamt konnte positive Wirkungen auf Lärm und Luftschadstoffe nachweisen. Feinstaubemissionen sinken, wenn sie in ihrer Gesamtwirkung betrachtet werden, d.h. nicht nur motorenbedingt. Verdrängungseffekte in Nebenstraßen waren nicht auffällig.

Da in Hamburgs Wohngebieten vielfach bereits 30er-Zonen eingerichtet sind, entfällt das Argument des Ausweichverkehrs, wenn – ja wenn man im Gesamtkontext denkt. Mit einer im gesamten Hamburger Stadtgebiet geltenden Basisgeschwindigkeit von 30 km/h, wie sie auch der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordert, würde nur an ausgewählten Hauptverkehrsachsen ein ausgeschildertes Tempo 50 gelten. Das Prinzip der Beschilderung wird so umgedreht und viel hässliches Metall könnte aus dem Stadtbild verschwinden. Das Gelingen hängt nicht unerheblich davon ab, ob und wie die Geschwindigkeit angezeigt und kontrolliert wird, Ampelschaltungen intelligent zugeschaltet oder durch Kreisverkehre ersetzt werden. Dann fließt im Übrigen auch der Wirtschaftsverkehr.

Geschwindigkeitsreduzierungen führen nachweislich zu weniger Verkehrsunfällen, bei denen Menschen schwer oder tödlich verletzt werden. Die gefühlte Sicherheit steigt bei allen Verkehrsteilnehmern, mit dem Effekt, dass rücksichtsvoller gefahren, geradelt und gegangen wird.

Bundesverkehrsminister Dobrindt hat eine beherztere Einrichtung von Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen angemahnt, an denen Zugänge zu Schulen und Kindergärten liegen. Die Änderung der Straßenverkehrsordnung zugunsten von Tempo 30 ist beschlossene Sache und muss nur noch vom Bundesrat verabschiedet werden. Viele Metropolen weltweit haben erkannt, dass sie mitten im Verkehrskollaps stehen und wagen die urbane Transformation, z.B. New York, San Francisco, Singapur, Paris, London, Wien, Bordeaux uvm. Städte bestehen zuvorderst aus Menschen, die in ihnen wohnen. Für die Güterlogistik müssen nachhaltige Lösungen gefunden werden, doch vorher muss man nach ihnen suchen wollen. Worauf warten wir also noch?

Contra Tempo 30

Hans Duschl, ADAC Hamburg

Tempo 30 ist aktuell bereits die Regelgeschwindigkeit in Hamburg – und das ist gut so. Auf 70 Prozent der 4.000 Straßenkilometer gilt das Tempolimit. So paradox es auch klingen mag: Tempo 50 auf Hauptverkehrsstraßen dient nicht nur dem Verkehrsfluss, sondern auch der Verkehrssicherheit und der Umwelt. Würde auf den Hauptverkehrsachsen auch Tempo 30 herrschen, würden sie ihre wichtige Bündelungsfunktion verlieren. Ein Teil der Autofahrer würde auf Nebenstraßen in Wohngebiete ausweichen, da sie die vermeintlich schnellere Alternative darstellen. Für die Verkehrssicherheit, die Lärm- und Schadstoffbelastung hätte die Zunahme des Verkehrs in den Quartieren negative Konsequenzen.

Tempo 30 ist kein geeignetes Mittel, um die Schadstoffbelastung zu reduzieren. Da bei dieser Geschwindigkeit in einem niedrigeren Gang gefahren wird, arbeiten die Motoren ineffizient. Weder die CO2-, noch die NOx-Werte sinken. Im Gegenteil: Eine Studie der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg hat festgestellt, dass bei Tempo 30 nicht nur mehr Sprit verbraucht wird, sondern auch die ausgestoßenen Schadstoffe ansteigen.

Auch der Straßenlärm verringert sich nicht durch die Reduzierung des Tempolimits. Denn laut mehreren Untersuchungen, beispielsweise durch die Stadt Berlin, unterscheidet sich der Lärmpegel bei Tempo 30 im Vergleich zu Tempo 50 nur um maximal zwei Dezibel, ein kaum wahrnehmbarer Unterschied. Unter Tempo 50 hat das Motorengeräusch den größten Einfluss auf die Lärmemission. Bei höheren Tempi werden die Motorengeräusche von den Ablaufgeräuschen der Reifen überlagert. Dagegen wird bei Tempo 30 zwar langsamer gefahren, doch abhängig vom Fahrstil und der Getriebeübersetzung kann das Fahrzeug lauter sein als bei Tempo 50. Gerade für LKW trifft dies zu.

Auf Hauptverkehrsstraßen sollte daher weiterhin Tempo 50 gelten. Wo nötig, könnte der Verkehrsfluss durch geeignete Maßnahmen wie z.B. intelligente Ampelanlagen verbessert werden. Tempo 30 ist ein geeignetes Mittel, um in Wohngebieten oder in sensiblen Bereichen, z.B. vor Schulen und Kindertagesstätten, das Tempo zu drosseln. Wenn aber überall Tempo 30 gilt, verliert das Limit seine besondere Schutzfunktion.

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