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Ananda Rupasinghe engagiert sich ehrenamtlich bei der Tafel Norderstedt. Foto: Ella Schinkel
Ananda Rupasinghe engagiert sich ehrenamtlich bei der Tafel Norderstedt. Foto: Ella Schinkel
Magazin #43

Ein Mann, viele Ehrenämter

Ananda Rupasinghe ist Rentner – und sein Terminkalender ist voll. Zwischen Ehrenamt und inspirierenden Begegnungen.

Von Ella Schinkel

Wenn Ananda Rupasinghe von seinem Engagement bei der Tafel erzählt, lächelt er. Es sind die vielen Begegnungen bei der Ausgabestelle in Schnelsen, die ihn zum Strahlen bringen. Rupasinghe ist 75 Jahre alt und seit zehn Jahren bei der Norderstedter Tafel aktiv. Es ist eines von vielen Ehrenämtern, denen er während seiner Rente nachgeht. Einfach nichts zu machen, kam für ihn nicht infrage. „Ich wollte in den sozialen Bereich“, sagt er.

Früher war er Ingenieur, heute ist er die erste Ansprechperson für Men­schen, die die Tafel in Schnelsen besuchen. Rupasinghe registriert die Kun­dinnen und Kunden, bevor sie ihre Lebensmittel erhalten.

„Es kann jeden treffen“

Über 200 Menschen kommen regel­mäßig zur Ausgabestelle in Schnel­sen. Seit Jahren steigt die Zahl derer, die auf die Unterstützung angewiesen sind. Zwar öffnet die Tafel wöchentlich, die Besuchenden können jedoch nur im Zweiwochenrhythmus einkaufen. „Jede Woche für alle zu öffnen, können wir nicht leisten“, sagt Rupasinghe. Dafür seien es zu viele Kun­dinnen und Kunden.

Mit der Armut der Besuchenden konfrontiert zu sein, beschäftigt Rupasinghe – vor allem, dass es jeden treffen könne. Mehrere Jahre lang sei eine Frau mit einem Doktortitel in Biologie gekommen. Sie habe einfach keinen Job gefunden, erinnert sich Rupasinghe. Und ergänzt: „In Zeiten, in denen der Staat immer weniger Geld für Soziales ausgibt, sind ehrenamtliche Anlaufstellen umso wichtiger.“

Neugierig aufs Leben

Rupasinghe weiß aus eigener Erfahrung, dass viele Schicksale den Ehrenamtlichen nahegehen. Sie nach Schichtende einfach zu vergessen, ist oft nicht möglich. Das Team der Tafel gibt sich deswegen gegenseitig Halt. 25 Ehrenamtliche betreuen die Ausgabestelle in Schnelsen. „Alle halten eng zusammen“, sagt Rupasinghe. Viele kennen sich seit Jahren. Jeden Donnerstag gehen sie gemeinsam in die Kneipe gegenüber und besprechen den Tag.

Im Team treffen Menschen unterschiedlichen Alters aufeinander. Die älteste Ehrenamtliche ist 85 Jahre alt, die Jüngsten sind Anfang dreißig. Eine Mischung, die Rupasinghe schätzt. Es freue ihn, so vielen unterschiedlichen Menschen zu begegnen. „Man muss neugierig durchs Leben gehen“, sagt er.

Wichtig, miteinander zu sprechen

Wer Rupasinghe zuhört, merkt: Er nimmt die Dinge, die ihn stören, in die Hand. Deswegen engagiert er sich in verschie­densten Be­reichen – zum Beispiel auch bei der Ini­tiative „Hamburger Haus­besuch für Senio­rin­nen und Senioren“ im Bezirk Eims­büttel. Die Einsamkeit vieler älterer Menschen beschäftige ihn.

Die Initiative des Hamburger Se­nats verschickt an Seniorinnen und Senioren Gratulationskarten zum 80. Geburtstag, versehen mit einem Angebot: Wer es annimmt, bekommt Geburtstagsbesuch. Bei Eimsbüttelern steht dann immer wieder Rupasinghe vor der Tür. Es sei immer ein bisschen aufregend, an fremden Türen zu klopfen, sagt er.

Doch er spüre, wie wichtig solche Begegnungen sind. „Ich bin oft nur eine Stunde da, und trotzdem erzählen mir die Menschen ihre intimsten Geschichten.“ Vom Suizid der eigenen Kinder bis zur Demenzerkrankung des Partners – ein offenes Ohr für fremde Menschen zu haben, sei wichtig. „Wir Menschen müssen offen aufeinander zugehen und miteinander sprechen“, sagt er.

Mit dem Ehrenamt das Positive fest im Blick

Um langfristig etwas zu verändern, engagiert sich Rupasinghe im Vorstand des Seniorenbeirats Eimsbüttel, er ist stell­vertretender Vorsitzender des Lan­des­seniorenbeirats, Mitglied im Lan­des­integrationsbeirat und Vorstands­mitglied bei den Grünen in Eimsbüttel. All diesen Aufgaben geht er über die Woche hinweg nach – das Positive fest im Blick.

„Ich kann jeden nur ermutigen, ins Ehrenamt zu kommen“, sagt er. Besonders in der Rente ermögliche das neue Perspektiven und soziale Kontakte.

info

Tafel Norderstedt

Die Bezirksversammlung Eimsbüttel hat die Schnelsener Ausgabestelle der Norderstedter Tafel 2025 mit dem „Bürger*innenpreis“ ausgezeichnet.
Mehr Infos zur Tafel gibt es online unter www.tafel-norderstedt.de


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