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Eine "gesellige Bank" steht am Kaiser-Friedrich-Ufer. Foto: Julia Haas
Eine "gesellige Bank" steht am Kaiser-Friedrich-Ufer. Foto: Julia Haas
Meinung

Gesellige Bänke in Eimsbüttel – Aufruf zur Bankfreundschaft

„Gesellige Bänke“ laden zur Begegnung in der Nachbarschaft ein. Gedanken über die grünen Bänke in der Nachbarschaft.

Von Julia Haas

Für mich schmeckt der Sommer nach Spaghettieis. Als es vor Kurzem endlich wieder warm in Eimsbüttel wurde, zog es mich direkt zur Eisdiele. Mit dem gepressten Vanilleeis in der Hand spazierte ich am Isebekkanal entlang – und wunderte mich, warum ausgerechnet eine Bank noch frei war. Sogar die schönste und offensichtlich neueste. Fast so, als hätte sie auf mich und mein Spaghettieis gewartet. Drumherum saßen einzelne Personen auf moosigen, ehr­licherweise eher modrigen Bänken. Seltsam.

Direkt vor der Bank löste sich das Rätsel: „Gesellige Bank“. Ach so, dachte ich. Also doch nicht frei. Reserviert. Irgendwie jedenfalls. Oder doch nicht?

„Gesellige Bänke“ in Eimsbüttel

Die „geselligen Bänke“ sind eine Initiative vom „Zuhör-Kiosk“ und dem Bezirksamt Eimsbüttel. Sie sollen Menschen ins Gespräch bringen. Auf der Lehne steht: „Setzen Sie sich gerne dazu.“ Eine leise, unaufdringliche Einladung – und trotzdem scheint es vielen schwerzufallen, sie auszusprechen oder anzunehmen.

Ich setzte mich mit meinem Eis dorthin, ohne die Einladung zu verdecken. Denn auch das geht: Man kann sich einfach vor den Schriftzug setzen. Dann wird aus der „geselligen Bank“ eine ganz gewöhnliche. Zu mir gesetzt hat sich niemand. Vielleicht kamen nur überzeugte Gegner von Spaghettieis vorbei – Menschen, die nicht nachvollziehen können, warum man Vanilleeis und Erdbeersauce wie ein Pastagericht anrichten sollte.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir verlernt haben, miteinander zu sprechen. Oder uns nicht mehr trauen – aus Angst, uns am Ende doch einem Spaghettieis-Gegner erklären zu müssen.

Mehr echte Nachbarschaft

Dabei lohnt es sich vielleicht genau deshalb. Was kann schon passieren? Im besten Fall treffen wir Menschen mit ähnlichen Gedanken. Oder wir lernen andere Sichtweisen kennen. Vielleicht sind es am Ende auch einfach nur zehn Minuten weniger Handyscrollen, weniger Alleinsein – und ein bisschen mehr echte Nachbarschaft. Ich jedenfalls möchte künftig öfter auf „geselligen Bänken“ sitzen. Vielleicht geht es anderen ja genauso.

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Schwelle niedrig halten

Nach Angaben der Initiatoren sind die Bänke im Sinne „einfühlsamer Zurückhaltung“ gestaltet. Die Bänke sind weder spektakulär gestaltet noch besonders prominent platziert. Die Hemmschwelle, sich auf eine der Bänke zu setzen, soll möglichst niedrig gehalten werden. Das zeigt sich auch bei der Namensgebung: Statt für Zuhör- oder Plauderbank habe man sich für den Namen „gesellige Bänke“ entschieden. Es muss nicht zwangsläufig ein Gespräch entstehen, es gibt keine Verpflichtungen – Freundlichkeit genügt.

Eine „gesellige Bank“ steht übrigens nicht nur im Isebekpark, sondern bald auch wieder am Weiher. Letztere war beschädigt worden, soll aber zeitnah ersetzt werden. Auch im Wehbers Park gibt es eine.

In Zukunft sollen weitere folgen. Christoph Busch vom „Zuhör-Kiosk“ sagt, dass sich insbesondere alte, eher marode Bänke eignen. Der Grund: Jede Umwandlung zur „geselligen Bank“ geht mit einer Auffrischung einher. Das Holz wird abgeschliffen und die Bänke moosgrün gestrichen. Die Arbeiten übernimmt der Verein „Ama“.

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Aufruf zur Bankfreundschaft

Wer Ideen hat, welche Bank ein Update vertragen könnte und sich gleichzeitig als „gesellige Bank“ anbietet, kann diese einbringen. Christoph Busch vom Zuhörkiosk freut sich über Vorschläge. Diese können per Mail an das-ohr@gmx.de gesendet werden.


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