Nachbarschaft geht gegen „Schandmauer“ am Tierpark Hagenbeck vor
Anwohnende der Tierparkallee starten eine Initiative gegen den Tierpark Hagenbeck. Denn: Sie fühlen sich durch Lärm, Gestank und Licht belastet. Wie der Zoo reagiert.
Von Alexis MilneDas Dröhnen einer Maschine schallt über die Straße. Es kommt aus einem schmutzig-weißen Gebäude. Dort werden die Becken von Eisbären, Walrossen und Pinguinen gereinigt.
Henrik Neudecker, Manijeh Komeili sowie ihre Nachbarinnen und Nachbarn wünschen sich weniger Lärm und eine schönere Aussicht. Sie wohnen in der Tierparkallee in Stellingen – gegenüber der Rückseite der Eismeer-Anlage vom Tierpark Hagenbeck.
Ihre Nachbarschaftsinitiative kritisiert: Die Eismeer-Anlage sei „seit Jahren völlig vernachlässigt, veralgt und betrübt das Straßenbild“.
Nachbarschaft kritisiert Tierpark Hagenbeck
Hinzukomme, dass bei der Reinigung der Becken Dieselaggregate eingesetzt werden, die über lange Zeiträume durchdringend brummen würden. Die Initiative fordert, dass für die Reinigung ein Elektroanschluss verwendet werden soll.
Neudecker sagt gegenüber den Eimsbütteler Nachrichten, er habe in der Vergangenheit mehrfach versucht, Kontakt zum Tierpark aufzunehmen, mit dem Ziel, das Dieselaggregat woanders hinstellen zu lassen. Der Tierpark habe mit dem Angebot von Jahresfreikarten reagiert, als die Aggregate auch nachts liefen. An der Situation habe sich jedoch nichts geändert.
Zudem fordern die Nachbarn, dass der Tierpark die Fassade in Richtung Straße optisch aufbessert. Sie sagen, sie hätten dem Tierpark Hagenbeck entsprechende Vorschläge geschickt, die Reaktion sei jedoch „ausweichend“ gewesen, so Neudecker.
Kunst für die Fassade?
Für die Fassade seien aktuell keine Maßnahmen vorgesehen und die Reinigungsgeräte würden auf Alternativen geprüft. Eine Sprecherin des Tierparks bestätigt das auf Anfrage.
Neudecker sagt, er gebe sich Mühe, konstruktiv und verständnisvoll zu sein. So habe er vorgeschlagen, dass Künstlergruppen aus den Schulen oder Jugendtreffs des Viertels die Fassade bemalen könnten. Das sei ebenfalls abgelehnt worden.
Das sagen die Behörden
Die Nachbarn aus der Tierparkallee haben sich auch an das Bezirksamt Eimsbüttel gewandt. Auf Anfrage heißt es von der Pressestelle des Amtes, die Nutzung des Dieselaggregats befände sich noch in der Prüfung. Zu der Fassade heißt es, die Anlage würde das Ortsbild nicht mitbestimmen. Somit könnten keine Anforderungen an die Gestaltung gestellt werden.
Ein Verstoß gegen das Immissionsschutzrecht läge nicht vor, so das Bezirksamt weiter. Der Tierpark Hagenbeck sei planungsrechtlich als „private Grünfläche Tierpark“ ausgewiesen.
Somit würden die Regelungen nicht für das Gelände des Tierparks gelten – insbesondere zeitliche Betriebsbeschränkungen.
Keine Veränderung an der Tierparkallee?
Von der Tierpark-Sprecherin heißt es, dass die Geräuschentwicklung bereits vor mehreren Jahren von Neudecker aufgebracht worden sei. Damals hätte der Tierpark im Interesse einer harmonischen Nachbarschaft allen Bewohnern des betroffenen Hauses Jahreskarten angeboten.
Der Tierpark sei zu einem konstruktiven Austausch bereit, bitte aber um Verständnis dafür, dass „mögliche Forderungen und gewünschte Maßnahmen stets auf einer nachvollziehbaren Grundlage beruhen und in einem angemessenen Verhältnis stehen müssen“.
Lärm, Gestank und Licht
Komeili sagt auch, sie habe sich wegen der Lichter bei Nacht beschwert – sie würden zu hell in ihre Wohnung leuchten. Vonseiten des Tierparks sei die Beleuchtung daraufhin abgedimmt worden, nur um kurze Zeit später wie zuvor zu laufen.

Von den Anwohnenden heißt es zudem, dass regelmäßig früh morgens ein LKW auf der Straße vor dem Eismeer halten würde. Dieser trage zur Lärmbelastung bei und blockiere die Straße, auf der regelmäßig Busse, Schülerinnen und Schüler sowie Polizei und Feuerwehr fahren sollen.
Mehrere Nachfragen der Eimsbütteler Nachrichten zu den Lichtern und LKWs wurden vonseiten des Parks bis Redaktionsschluss nicht beantwortet.
Was erhofft sich die Nachbarschaft?
Das Problem seien nicht die Tiere, sagt Neudecker. Er, seine Nachbarinnen und Nachbarn würden sich lediglich wünschen, dass vermeidbare Belastungen für die Anwohnenden vom Park reduziert würden.
Komeili ergänzt, sie wünsche sich mindestens einen Zeitplan vonseiten des Tierparks. Damit könne sie sich zumindest darauf einstellen, wenn Reinigungsarbeiten durchgeführt werden oder der Laster morgens vor dem Haus steht.
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