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Die Projektleiterin des Mentoringprogramms “Yoldaş” Christiane Stahl.
Christiane Stahl ist Projektleiterin des Mentoringprogramms “Yoldaş”. Foto: Angela Woyciechowski
Engagement

Mentoren gesucht: Weggefährten für mehr Chancengleichheit

Aus einem skeptischen Jungen und seiner Mentorin wurden enge Freunde. Das Mentoringprogramm „Yoldaş“ der Bürgerstiftung macht solche Verbindungen möglich – und sucht dringend neue Ehrenamtliche.

Von Angela Woyciechowski

Als Elke Nádas ihren Mentee Talha zum ersten Mal sah, war er ein richtiger Störer. So beschreibt sie es heute. Er saß zu Hause auf der Couch und fragte immer wieder: „Was soll das?”

Am Anfang habe er nichts von ihr wissen wollen. Das ist nun eineinhalb Jahrzehnte her. Mittlerweile studiert Talha und die beiden sind enge Freunde. Dass solche Verbindungen entstehen, ermöglicht das Team „Yoldaş“ der Bürgerstiftung.

Für mehr Chancengleichheit

Es steht für mehr Chancengleichheit und bringt seit 2008 Erwachsene mit Kindern aus türkischsprachigen Familien im Rahmen eines Mentoringprogramms zusammen. „Yoldaş“ ist Türkisch und bedeutet „Weggefährte“. Die Mentoren und Mentorinnen des Projektes der Bürgerstiftung sollen sich als gute Begleiter verstehen.

Sie begleiten Mentees im Alter ab fünf Jahren für mindestens ein Jahr. Dadurch soll die Chancengleichheit der Kinder verbessert und der interkulturelle Dialog gefördert werden. Bislang sind bereits mehr als 300 Mentoring-Tandems entstanden.

Gemeinsam wachsen im Alltag

Mentee und Mentor treffen sich alle ein bis zwei Wochen für zwei bis drei Stunden. Dabei erkunden sie die Stadt, lesen Bücher, kochen und lernen gemeinsam Neues.

„Es ist kein klassisches Bildungstandem, sondern es geht darum, Lebenswelten kennenzulernen“, sagt Christiane Stahl, Projektleiterin von „Yoldaş“, und ergänzt: „Uns geht es darum, dass man zusammen Spaß hat, dass man zusammen Hamburg entdeckt, dass man Neues ausprobiert – und zwar beide Seiten.“ So können Stärken gestärkt und neue Interessen erkundet und gefördert werden.

Warum das wichtig ist

Das sei wichtig, weil viele Kinder aus türkischsprachigen Familien schlechtere Startbedingungen hätten als Kinder, die in einem deutschsprachigen Umfeld aufwachsen. „Wir sprechen von verschiedenen Belastungssituationen“, sagt Stahl. „Es kann die Sprachbarriere sein, eine Trennungs- oder Scheidungssituation sowie gesundheitliche oder berufliche Schwierigkeiten.“ Hier setzt „Yoldaş“ an und bietet dem Mentee eine erwachsene Bezugsperson, die im besten Fall auch zur Stärkung des Selbstbewusstseins des Kindes beiträgt.

Hamburg durch Kinderaugen

Nastassja Mendel begleitet ihren Mentee Melih nun seit acht Jahren. Als sie vor zehn Jahren nach Hamburg zog, suchte sie ein Ehrenamt. Schnell wurde sie bei „Yoldaş“ fündig. Ihr Interesse galt zunächst der Erkundung der neuen Stadt und der Vertiefung ihrer Kenntnisse der türkischen Kultur. Mit Melih hat sie Museen besucht, war auf dem Hafengeburtstag und bei Projekten der Bürgerstiftung wie dem Sommerpicknick. So hat sie Hamburg durch die Augen eines Kindes kennengelernt.

Vor einiger Zeit hatten die beiden eine Tandem-Reflexion bei der Bürgerstiftung. „Ein Moment, der mich sehr berührt hat, war, als Melih bei der Reflexion sagte, wie dankbar er für ‚Yoldaş‘ und auch für mich sei und dass er sich an sehr viele schöne Momente erinnern könne“, sagt Nastassja. „Ich habe festgestellt, dass es oft die kleinen Dinge sind, die viel Dankbarkeit auslösen können.“

Engagement gefragt

Zurzeit fehle es jedoch an Mentoren. „Wir haben aktuell zehn Mentees in Altona und Eimsbüttel, die auf einen Mentor oder eine Mentorin warten“, sagt Christiane Stahl. Der Bedarf sei sowohl in Eimsbüttel als auch in anderen Stadtteilen hoch. Wer Interesse an einem Mentoring hat, kann sich direkt an die Bürgerstiftung wenden.


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