Nach Projektstopp und jahrelanger Planung: Beiersdorf-Quartier soll doch gebaut werden
Nach Jahren der Planung und einem zwischenzeitlichen Projektstopp nimmt eines der größten Wohnungsbauvorhaben des Bezirks konkrete Formen an: Rund 850 Wohnungen, neue Wegeverbindungen und Investitionen von etwa 700 Millionen Euro sind geplant – auf dem ehemaligen Beiersdorf-Areal soll ein neues Stadtquartier entstehen.
Von Ella SchinkelGroß, urban und eng mit dem Stadtteil verzahnt: So beschreiben die Verantwortlichen ihre überarbeiteten Pläne für das neue Quartier. Auf dem früheren Beiersdorf-Areal zwischen Unnastraße und Quickbornstraße sollen rund 850 Wohnungen entstehen, ergänzt durch Gastronomie, Einzelhandel, soziale Einrichtungen und großzügige Freiflächen.
Ein Quartier, das sich zur Nachbarschaft öffnet
„Wir wollen nicht irgendein Wohnungsbauprojekt in Eimsbüttel realisieren“, sagt Carsten Wilmsen, Bauingenieur und Senior Vice President im Bereich Corporate Real Estate der Beiersdorf AG. Stattdessen solle ein lebendiges Stadtquartier entstehen, das sich bewusst zur Nachbarschaft öffnet.
Fußgänger und Radfahrerinnen sollen das bislang abgeschlossene Werksgelände künftig erstmals direkt zwischen Unnastraße und Quickbornstraße durchqueren können. Die Verantwortlichen kündigten während einer Pressekonferenz auf dem Beiersdorf-Campus an, die weiteren Planungsschritte transparent und im engen Austausch mit Politik, Nachbarschaft und Öffentlichkeit voranzutreiben.
Lange Bauphase geplant
Die Abrissarbeiten sollen nicht vor Mitte des kommenden Jahres beginnen. Anschließend müssten sich die Eimsbütteler auf rund acht Jahre Bauzeit einstellen. Derzeit befinde sich das Vorhaben noch in den letzten Planungsschritten. Die ersten Wohnungen sollen ab 2031 bezugsfertig sein, die Gesamtfertigstellung ist für 2035 vorgesehen.
Rund 700 Millionen Euro plane die TROMA Alters- und Hinterbliebenenstiftung als Eigentümerin des Grundstücks in die Entwicklung des Wohn- und Stadtquartiers zu investieren.
Wohnen, Arbeiten und neue Freiräume
Mit überwiegend fünf bis acht Geschossen soll sich die Bebauung an ihrer Umgebung orientieren. Zwei Hochpunkte mit zwölf beziehungsweise 14 Geschossen sollen dem Quartier zugleich ein markantes Gesicht geben. „Wir wollen da etwas Großes aufbauen“, sagt Astrid Herrmann, Vorstandsvorsitzende der TROMA-Stiftung und Finanzvorständin der Beiersdorf AG. Das Projekt stehe zugleich für die enge Verbundenheit des Unternehmens mit seinem Heimatstandort. Der Beiersdorf-Campus sei weiterhin „das Herzstück unseres Unternehmens“, betont Herrmann.
Im Mittelpunkt steht ein Wohnkonzept für unterschiedliche Lebensphasen und Haushaltsformen. Geplant sind klassische Familienwohnungen ebenso wie Wohnangebote für Studierende, Auszubildende und sogenannte Clusterwohnungen mit privaten und gemeinschaftlich genutzten Flächen. Hinzu kommen gemeinschaftliche Dachterrassen, Mobilitätshubs und flexibel nutzbare Stellplätze. 20 Prozent der Wohnungen sollen öffentlich gefördert werden.

Nach Projektstopp: Beiersorf nimmt neuen Anlauf
Dass das Projekt nun wieder Fahrt aufnimmt, galt lange als unsicher. Vor rund drei Jahren hatte Beiersdorf den Bau des Wohnquartiers gestoppt. Damals hätten sich die Rahmenbedingungen in der Immobilienbranche erheblich verändert, sagte Herrmann. Nach einer erneuten wirtschaftlichen Prüfung sei das Vorhaben nun jedoch tragfähig und eine langfristig sinnvolle Investition für die Stiftung.
Neuer Anlauf, alte Pläne: Der Großteil der bisherigen Planungen sei wieder aufgenommen worden, erklärt Wilmsen. Die grundlegende Idee für das Quartier bleibe damit erhalten.
Die TROMA-Stiftung
Die TROMA Alters- und Hinterbliebenenstiftung ist die Pensionskasse der Firma Beiersdorf. Sie wurde 1915 von Oscar Troplowitz und Otto Hanns Mankiewicz gegründet. Ziel der Stiftung war es, Mitarbeitenden des Unternehmens Übergangs- und Ruhegeld sowie den Hinterbliebenen dieser Mitarbeitenden Witwen- und Waisengeld zu gewähren.
Bezirk begleitet weitere Planung
Auch die Bezirkspolitik steht dem Vorhaben grundsätzlich positiv gegenüber. Der Eimsbütteler Bezirksamtsleiter Christian Zierau betonte die Bedeutung einer engen Einbindung der politischen Gremien und kündigte an, die weiteren Planungen gemeinsam mit Fraktionen und Ausschüssen zu begleiten.
Schließlich werde das Projekt zahlreiche Fragen aufwerfen, die gemeinsam beantwortet werden müssten – von der Verkehrsanbindung über die Gestaltung der Freiräume bis hin zur Einbindung in den bestehenden Stadtteil.
lokal. unabhängig. unbestechlich.
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