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Portrait der Künstlerin Ulrike Willenbrink
Die Eimsbütteler Künstlerin Ulrike Willenbrink in ihrem Atelier am Langenfelder Damm 23. Foto: Fabian Sigurd Severin
Künstlerszene

Ulrike Willenbrink: „Linien sind mein Lebenselixier“

Farbige Linien können laut Ulrike Willenbrink sprechen. Wie die Eimsbütteler Künstlerin durch simple Linien zum eigenen Atelier im Langenfelder Damm kam.

Von Fabian Sigurd Severin
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Ulrike Willenbrink streicht eine grellgelbe Linie mit einem Pinsel auf eine dunkelblaue Leinwand. Im Hintergrund läuft erst Elektro, dann deutscher Rock. Für ihre Collage malt die Hamburger Künstlerin bis zu dreißig krachige Farbschichten übereinander und klebt Zeitungsausschnitte aus fernen Ländern auf.

Mal visualisiert die 57-Jährige in ihren Werken ihre alltägliche Umgebung, mal Ereignisse aus ihrer Kindheit. Hin und wieder setzt sie auf eine freundliche, zugleich aber ironische Weise sogar ein politisches Statement.

Gestreiftes Outfit und klare Konturen

Alles beginnt jedoch mit einer einzigen farbigen Linie, die letztlich in einer Form mündet. Als Orientierung dienen Willenbrink die klaren Grundformen des Bauhauses: Kreise, Dreiecke und Quadrate. Selbst während des Malens trägt die Künstlerin immer ein gestreiftes T-Shirt. Warum das so ist, weiß sie selbst nicht: „Ich habe schon immer in Streifen gemalt, bis mir jemand sagte, Picasso malte doch auch in Streifen.“

Köpfe benutzt Willenbrink als Spiegel des inneren Ichs. Foto: Fabian Sigurd Severin

Willenbrinks Lieblingsmotiv ist ein Kopf mit geschlossenen Augen. Er taucht immer wieder in ihren Werken auf und sei bewusst nur skizziert, damit sich jeder in ihm wiederfinden könne. Wer sich mit ihren Kunstwerken beschäftigt, erschaffe in seinem Kopf individuelle Geschichten. Als Anregung liefert Willenbrink ihren Betrachtern gelegentlich versteckte Hinweise. Sie arbeitet viel mit Wortspielen und schreibt philosophische Gedanken in Spiegelschrift auf ihre Werke.

„Ich kann mir ein Leben ohne Kunst nicht vorstellen. Ich lebe, ich liebe und ich atme Kunst.“ – Ulrike Willenbrink

Als Tochter zweier Textilunternehmer wuchs Willenbrink in einem kreativen Umfeld auf. Farbige Stoffe und extravagante Muster prägten ihren künstlerischen Werdegang. Anfang der achtziger Jahre studierte sie Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Dann verschlug es Willenbrink von Nordrhein-Westfalen kurzzeitig nach Florenz an die Accademia di Belle Arti.

Von Essen über Florenz bis nach Hamburg

Inspiriert vom Licht sowie dem Duft von Espresso und Pinien entstanden ihre ersten Gemälde. Ihr erstes Geld mit der Kunst verdiente sie, indem sie Modelle für Architekten zeichnete. Rund ein Jahr später schloss die Künstlerin ihren Diplom-Studiengang in Deutschland ab und arbeitete zunächst als Artdirektorin in verschiedenen Hamburger Agenturen. Anfang der neunziger Jahre machte sie sich schließlich als freie Künstlerin selbstständig.

Willenbrinks Portraitreihe „Nachbarn“ zeigt in der Küche ihres Ateliers typische Menschen
aus ganz Hamburg. Foto: Fabian Sigurd Severin

Ausgestattet mit viel theoretischem Wissen und einem Aquarellkasten aus dem Studium, malte Willenbrink zunächst in Gartenhäusern, Kirchengemäuern und sogar ihrem Schlafzimmer. Vor sieben Jahren erfüllte sich dann ihr langjähriger Traum eines eigenen Ateliers in Eimsbüttel. Rund 100 Quadratmeter dienen ihr heute als Rückzugsort und Arbeitsplatz. Trotzdem sei es nicht leicht, von der Kunst zu leben, erklärte die Künstlerin.

Kunstevents wecken Kreativität

In ihrem Atelier finden neben Vernissagen daher auch Kunstevents statt. In ihren Workshops fordert sie Teilnehmende auf, mit knalligen Farben und Abstraktionen ihre Komfortzone zu verlassen und persönliche Grenzen zu sprengen. Willenbrink zieht vor den Teilnehmenden rasch aber gekonnt eine geschwungene neonrote Linie auf eine unbemalte Leinwand. Die genialsten Kunstwerke entstünden ohne langwierige Vorüberlegungen, denn letztlich gilt: „Alles fällt zusammen. Alles soll zusammenfallen.“

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