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Anja Paschen koordiniert die Geprächsgruppen des Vereins "Verwaiste Eltern und Geschwister"
Anja Paschen koordiniert die Gesprächsgruppen des Vereins "Verwaiste Eltern und Geschwister". Foto: Christiane Tauer
Trauerbegleitung

Verwaiste Eltern: Wie Gespräche Betroffenen helfen

Der Tod eines Kindes ist für viele etwas Unfassbares. Beim Verein „Verwaiste Eltern und Geschwister“ an der Bogenstraße können sich Angehörige austauschen.

Von Christiane Tauer

Triggerwarnung: Dieser Artikel thematisiert den Tod von Kindern.

Anja Paschen schiebt den Vorhang zur Seite. An der Wand hängen Bilder, die lachende Kinder und junge Erwachsene zeigen. Sie stehen mitten im Leben, ihre Blicke sind voller Leichtigkeit.

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Wenn Gesprächsgruppen im Raum sind, bleibt der Vorhang häufig zu. Nicht alle Teilnehmer ertragen die Bilder. Es kommen zu viele Erinnerungen hoch an die, die nicht mehr sind.

„Verwaiste Eltern und Geschwister“ bieten Gespräche an

23 Gruppen zählt der 1990 gegründete Verein „Verwaiste Eltern und Geschwister Hamburg e.V.“, der seit 2004 in der Bogenstraße beheimatet ist. Die Themen, nach denen die Gruppen aufgeteilt sind, klingen so unfassbar wie die Todesarten den Hinterbliebenen häufig noch Jahre später erscheinen: Krebs, Unfall, Medikamentenmissbrauch, Suizid oder Gewaltverbrechen.

Warum musste er sterben? Wieso hat sie es nicht geschafft? Die Gespräche, die die Eltern, Brüder oder Schwestern der Verstorbenen unter dem Dach des Vereins führen, spenden da Trost, wo aller Trost verloren scheint.

Verein ist keine kirchliche Einrichtung

Obwohl das Gebäude des Vereins direkt neben der evangelisch-lutherischen St. Andreas-Kirche liegt, ist der Verein keine kirchliche Einrichtung. Es gibt aber Kooperationen mit der Kirche.

„Wir arbeiten prozessbegleitend und nicht lösungsorientiert“, sagt Anja Paschen. Trauer lasse sich nunmal nicht therapieren. Das heißt, die Gruppen sollen den Betroffenen helfen, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Die Gespräche bieten Unterstützung in einer Phase, in der viele nicht weiter wissen. Denn die Trauer um ein Kind, so schreibt der Verein auf seiner Internetseite, hat für viele oft eine andere Dimension als wenn die Eltern oder Großeltern sterben.

„Man muss die Geschichten der anderen ertragen können“

14 ausgebildete Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter gehören zum Verein. Ihr Einsatz wird von Anja Paschen koordiniert. Die Trauerbegleiter leiten die Gesprächsgruppen und vermitteln bei Bedarf auch an andere Kontaktpersonen weiter.

Ob die Gesprächsgruppe zu einer betroffenen Person passt, stellt der Verein in einem Erstgespräch fest. Dieses Erstgespräch dauert im Schnitt eine Stunde und gibt etwa darüber Klarheit, ob der Verlust nicht vielleicht noch zu frisch ist. „Man muss auch die Geschichten der anderen ertragen können.“ Ihre Trauer und ihre Verzweiflung.

„Verwaiste Eltern und Geschwister“: Angebot auch für Sternenkinder

Die 53-Jährige weiß, wovon sie spricht. 1997 verlor sie ihr Baby in der 37. Schwangerschaftswoche. Unter anderem mithilfe von Gesprächen hat sie es geschafft, ihre Trauer zu überwinden. Zum Verein kam sie, um dem Tod ihres Babys einen Sinn zu geben und anderen Ratsuchenden beizustehen.

Speziell für Sternenkinder – das sind Babys, die entweder kurz vor oder kurz nach ihrer Geburt sterben – gibt es vier Gesprächsgruppen bei den „Verwaisten Eltern und Geschwistern„. Zehn bis zwölf Teilnehmende sind in jeder Gruppe.

Abschiedsfeier auf dem Öjendorfer Friedhof

Für die Sternenkinder organisiert der Verein zudem viermal im Jahr eine Abschiedsfeier auf dem Öjendorfer Friedhof. Die Gewichtsgrenze der Babys liegt bei 1000 Gramm. Sobald diese Grenze überschritten ist, müssen die Angehörigen eigenständig eine Bestattung organisieren.

Vor 2004 habe die Regelung für die Sternenkinder noch nicht gegolten, berichtet Anja Paschen. „Damals wurden die Kinder einfach mit dem Klinikmüll entsorgt.“ Erst mit der Änderung des Bestattungsgesetzes wurde festgelegt, dass die Babys hygienisch einwandfrei eingeäschert werden müssen.

Manchmal kommt die Trauer Jahre später

Viele Angehörige nehmen etwa ein bis zwei Jahre an den Gesprächsgruppen teil. Dann ist die größte Trauer überstanden und man hat einen Weg für sich gefunden.

Doch auch andere Verläufe sind möglich. Eine Gruppe richtet sich zum Beispiel an Trauernde, denen erst nach längerer Zeit bewusst wird, dass sie den Verlust eines lieben Menschen nicht verarbeitet haben. Auch sie können in Gesprächen Unterstützung finden.


Wie Anja Paschen den Weg aus ihrer eigenen Trauer um ihr verlorenes Baby gefunden hat.


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