Dieter Schreck: Der Mann mit den vielen Leben
Dieter Schreck lässt sich nicht unterkriegen. Er setzt sich ein – vor allem für andere.
Von Julia HaasEs gibt Menschen, die aufstehen und weitermachen – den Hürden zum Trotz. Und dann gibt es Dieter Schreck. „Eigentlich dürfte ich nicht mehr hier sitzen“, sagt er und spielt auf seine erneute Krebserkrankung an. Doch er sitzt da – im Café des Universitätsklinikums Eppendorf, im Jackett, mit Krawatte. Es ist sein 86. Geburtstag. „Egal, wie das Wetter davor war – am 30. September scheint immer die Sonne“, sagt Schreck und blickt nach draußen. Der Himmel scheint ihm Recht zu geben.
Dieter Schrecks Leben hat viele Kapitel
Dieter Schreck hat viel erlebt und vieles bewegt. Die Gewissheit, dass am Ende alles gut wird, scheint sich wie ein roter Faden durch sein Leben zu ziehen – ob beim Fußball, im Beruf oder in seinem Körper.
Unternehmer, Veranstalter, SPD-Mitglied, Vereinsgründer, Fußballer, Platzwart – seine Biografie schmücken zahlreiche Kapitel. Wenn Schreck erzählt, springt er von Minigolfanlagen zu Besuchen bei Helmut Schmidt, von der Sturmflut 1962 zum Hamburger Derby, von Trainingsplätzen in Bergedorf zu Konzerten auf der Trabrennbahn Bahrenfeld. Dazwischen tauchen große Namen auf: Mick Jagger, Henning Voscherau, Vicky Leandros.
Seine Verbindung zu Eimsbüttel
Mit Eimsbüttel verbinden ihn mehrere Kapitel. Nach einer schweren Krebserkrankung kam Schreck 2009 zum ETV, wo er ehrenamtlich den Fußballplatz am Lokstedter Steindamm betreute – und bald zur Seele der Fußballabteilung wurde. Unter anderem setzte er sich für den Um- und Neubau der dortigen Anlagen ein.

2018 gehörte er zu den Gründern des Stadtteilvereins Eimsbüttel. „Manche haben mich damals schon als sowas wie den Bürgermeister von Eimsbüttel gesehen“, sagt Schreck schmunzelnd. „Aber das wollte ich nie.“ Ein einziges Amt wäre für einen wie ihn wohl ohnehin zu wenig gewesen.
Kindheit in Bergedorf
Schreck wurde 1939 in Hamburg geboren, seine ersten Lebensjahre prägte der Krieg. Immer wieder rannte er mit seiner Mutter zum Bunker. Einmal, Anfang 1945, erinnert er sich, holte ihn seine Mutter aus dem Bett. Seinen kleinen Bruder legte sie in die Kinderkarre, er sollte hinterherrennen. Doch der rotglühende Himmel ließ ihn verharren. Als er am Bunker ankam, waren die Türen bereits verschlossen. Schreck rettete sich unter einen Metall-Mülleimer, als die Bomben einschlugen. Als die Entwarnung kam, rannte er zum Bunker. Dort stand seine Mutter mit Tränen in den Augen. Ihr Sohn hatte es geschafft.

Die Erinnerungen an seine frühe Kindheit prägen Schreck bis heute. Als er durch das UKE zum nächsten Arzttermin läuft, sagt er, der Krieg in der Ukraine und in Gaza bedrücke ihn. Das Laufen fällt ihm schwer. Um kurz durchzuatmen, setzt er sich auf ein Sofa. Seine Gedanken sind nicht im Krankenhaus. „Kein Mensch sollte im Krieg leben.” Die aktuelle Weltsituation bereite ihm Sorge. Es dürfe nicht sein, dass junge Menschen wieder im Krieg aufwachsen.
Freundschaft mit Helmut Schmidt
Einer, den er in solchen Momenten vermisst, ist Helmut Schmidt. „Gerade jetzt bräuchte es wieder jemanden wie ihn“, sagt Schreck.
Die beiden lernten sich 1962 kennen: Schmidt war Polizeisenator, Schreck eilte ins Rathaus, um bei der Flutkatastrophe zu helfen. Kurz darauf trat er in die SPD ein. Eine Freundschaft begann, die Jahrzehnte hielt. „Er war ein toller Mensch – aber vor allem war er lustig“, erinnert sich Schreck und legt die Hand auf seine schwarze Aktentasche. Ein Andenken, das er immer bei sich trage.
Unternehmer
Anfang der 1960er-Jahre machte sich Schreck selbstständig, gründete ein Freizeit- und Sportunternehmen und baute weltweit Minigolf- und Sportanlagen – unter anderem in Delhi und im ehemaligen Jugoslawien.
1963 war er an der Internationalen Gartenbauausstellung in Planten un Blomen beteiligt, wo er mit Attraktionen wie einer Oldtimer-Bahn, Elektrobooten und Abenteuerspielplätzen Besucher begeisterte. Später übernahm er die Horner Rennbahn und sorgte dafür, dass das traditionsreiche Hamburger Derby nicht nach Baden-Baden abwanderte.
Auf der Trabrennbahn Bahrenfeld organisierte er Großveranstaltungen mit Stars wie Bryan Adams, Depeche Mode, Udo Lindenberg, den Rolling Stones oder Robbie Williams. Das seien zwar nicht alle, aber wahrscheinlich die bekanntesten, sagt Schreck.
Dieter Schreck gibt nicht auf
Vom Ruhestand wollte Schreck nie etwas wissen. „Ich war überall immer dabei”, sagt er. Auch seine Krebserkrankungen bremsten ihn nicht aus – vielmehr boten sie ihm neue Horizonte. So leitete er im UKE eine Krebs-Selbsthilfegruppe und setzte sich in der Hospizbegleitung ein.
Aufgeben? Für Dieter Schreck war das nie eine Option.
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