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2016 wurde Dieter Schreck für sein Engagement beim ETV ausgzeichnet: Eimsbüttel wählte ihn zum „Held des Viertels”.
2016 wurde Dieter Schreck für sein Engagement beim ETV ausgzeichnet: Eimsbüttel wählte ihn zum „Held des Viertels”. Foto: Julia Haas
Magazin #41

Dieter Schreck: Der Mann mit den vielen Leben

Dieter Schreck lässt sich nicht unterkriegen. Er setzt sich ein – vor allem für andere.

Von Julia Haas

Es gibt Menschen, die aufstehen und weitermachen – den Hürden zum Trotz. Und dann gibt es Dieter Schreck. „Eigentlich dürfte ich nicht mehr hier sitzen“, sagt er und spielt auf seine erneute Krebserkrankung an. Doch er sitzt da – im Café des Universitätsklinikums Eppendorf, im Jackett, mit Krawatte. Es ist sein 86. Geburtstag. „Egal, wie das Wetter davor war – am 30. September scheint immer die Sonne“, sagt Schreck und blickt nach draußen. Der Himmel scheint ihm Recht zu geben.

Dieter Schrecks Leben hat viele Kapitel

Dieter Schreck hat viel erlebt und vieles bewegt. Die Gewissheit, dass am Ende alles gut wird, scheint sich wie ein roter Faden durch sein Leben zu ziehen – ob beim Fußball, im Beruf oder in seinem Körper.

Unternehmer, Veranstalter, SPD-Mitglied, Vereinsgründer, Fußballer, Platzwart – seine Biografie schmücken zahlreiche Kapitel. Wenn Schreck erzählt, springt er von Minigolfanlagen zu Besuchen bei Helmut Schmidt, von der Sturmflut 1962 zum Hamburger Derby, von Trainingsplätzen in Bergedorf zu Konzerten auf der Trabrennbahn Bahrenfeld. Dazwischen tauchen große Namen auf: Mick Jagger, Henning ­Voscherau, Vicky Leandros.

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Seine Verbindung zu Eimsbüttel

Mit Eimsbüttel verbinden ihn meh­­re­re Kapitel. Nach einer schweren Krebserkrankung kam Schreck 2009 zum ETV, wo er ehrenamtlich den Fußballplatz am Lokstedter Steindamm betreute – und bald zur Seele der Fußballabteilung wurde. Unter anderem setzte er sich für den Um- und Neubau der dortigen Anlagen ein.

Ein Neubau, der Dieter Schreck stolz macht: das ETV-Gebäude am Lokstedter Steindamm. 2016 wurde Dieter Schreck für sein Engagement beim ETV ausgzeichnet: Eimsbüttel wählte ihn zum „Held des Viertels”. Foto: Archiv Dieter Schreck
Ein Neubau, der Dieter Schreck stolz macht: das ETV-Gebäude am Lokstedter Steindamm. Foto: Archiv Dieter Schreck

2018 gehörte er zu den ­Gründern des Stadtteilvereins Eimsbüttel. „Man­che haben mich damals schon als sowas wie den Bürgermeister von Eims­büttel gesehen“, sagt Schreck schmun­zelnd. „Aber das ­wollte ich nie.“ Ein einziges Amt wäre für einen wie ihn wohl ohnehin zu wenig gewesen.

Kindheit in Bergedorf

Schreck wurde 1939 in Hamburg geboren, seine ersten Lebensjahre prägte der Krieg. Immer wieder rannte er mit seiner Mutter zum Bunker. Einmal, Anfang 1945, erinnert er sich, holte ihn seine Mutter aus dem Bett. Seinen kleinen Bruder legte sie in die Kinderkarre, er sollte hinterherrennen. Doch der rotglühende Himmel ließ ihn verharren. Als er am Bunker ankam, waren die Türen bereits verschlossen. Schreck rettete sich unter einen Metall-Müll­eimer, als die Bomben einschlugen. Als die Entwarnung kam, rannte er zum Bunker. Dort stand seine Mutter mit Tränen in den Augen. Ihr Sohn hatte es geschafft.

Eine besondere Erinnerung, sagt Dieter Schreck: Er (rechts) als Kind mit seinem jüngeren Bruder. Foto: Archiv Dieter Schreck
Eine besondere Erinnerung, sagt Dieter Schreck: Er (rechts) als Kind mit seinem jüngeren Bruder. Foto: Archiv Dieter Schreck

Die Erinnerungen an seine frühe Kind­heit prägen Schreck bis heute. Als er durch das UKE zum nächsten Arzt­termin läuft, sagt er, der Krieg in der Ukraine und in Gaza bedrücke ihn. Das Laufen fällt ihm schwer. Um kurz durchzuatmen, setzt er sich auf ein Sofa. Seine Gedanken sind nicht im Kranken­haus. „Kein Mensch ­sollte im Krieg leben.” Die aktuelle Welt­situation bereite ihm Sorge. Es dürfe nicht sein, dass junge Menschen wieder im Krieg aufwachsen.

Freundschaft mit Helmut Schmidt

Einer, den er in solchen Momenten vermisst, ist Helmut Schmidt. „Gerade jetzt bräuchte es wieder jemanden wie ihn“, sagt Schreck.

Die beiden lernten sich 1962 kennen: Schmidt war Polizeisenator, Schreck eilte ins Rathaus, um bei der Flutkatastrophe zu helfen. Kurz darauf trat er in die SPD ein. Eine Freundschaft begann, die Jahrzehnte hielt. „Er war ein toller Mensch – aber vor allem war er lustig“, erinnert sich Schreck und legt die Hand auf seine schwarze ­Aktentasche. Ein Andenken, das er immer bei sich trage.

Unternehmer

Anfang der 1960er-Jahre machte sich Schreck selbstständig, gründete ein Freizeit- und Sportunternehmen und baute weltweit Minigolf- und Sportanlagen – unter anderem in Delhi und im ehemaligen Jugoslawien.

1963 war er an der Internationalen Gartenbauausstellung in Planten un Blomen beteiligt, wo er mit Attraktionen wie einer Oldtimer-Bahn, Elektro­booten und Abenteuerspielplätzen Besucher begeisterte. Später übernahm er die Horner Rennbahn und sorgte dafür, dass das traditionsreiche Hamburger Derby nicht nach Baden-Baden ab­wanderte.

1974 unterschrieb Dieter Schreck den Vertrag über die Nutzung der Horner Rennbahn. Foto: Julia Haas

Ab Mitte 1975 erhielt er den Auftrag vom Hamburger Rennclub, die jährliche Derby-Veranstaltung durchzuführen. Foto: Julia Haas

Die Minigolfanlage und Verkaufsgaststätte wurden zu seiner privaten Investition. Foto: Julia Haas

Schreck setzte sich außerdem für ein Spielhaus für Kinder bei der Rennbahn ein. Foto: Julia Haas

Auch wirkte er daran mit, dass an der Rennbahn ein Hotel gebaut wurde. Foto: Julia Haas

Aufgrund des maroden Zustands der Horner Rennbahn sollte das Derby von Hamburg nach Baden-Baden abwandern. Dieter Schreck begann zunächst selbstständig mit den Sanierungen und führte viele Gespräche mit der Hamburger Politik, um das Derby in Hamburg zu behalten – mit Erfolg. Foto: Julia Haas

Auf der Trabrennbahn Bahrenfeld organisierte er Großveranstaltungen mit Stars wie Bryan Adams, Depeche Mode, Udo Lindenberg, den Rolling Stones oder Robbie Williams. Das seien zwar nicht alle, aber wahrscheinlich die bekanntesten, sagt Schreck.

Dieter Schreck gibt nicht auf

Vom Ruhestand wollte Schreck nie etwas wissen. „Ich war überall immer dabei”, sagt er. Auch seine Krebserkrankungen bremsten ihn nicht aus – vielmehr boten sie ihm neue Horizonte. So leitete er im UKE eine Krebs-Selbsthilfegruppe und setzte sich in der Hospizbegleitung ein.

Aufgeben? Für Dieter Schreck war das nie eine Option.


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