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Elfie Buth hat ihr gesamtes Leben in Eimsbüttel verbracht: Foto: Cordula Kropke/ VSA-Verlag

Ein Leben in Eimsbüttel

Elfie Buth ist Eimsbüttel. Seit 86 Jahren. Nie hat sie woanders gelebt. Jetzt hat sie ein Buch veröffentlicht. „Was ich euch erzählen will. Meine Kindheit und Jugend im Hamburger Arbeiterviertel Eimsbüttel“.

Von Alicia Anker

„Willi, sie kommen!“ Mai 1933. Luruper Weg. Elfie hat Keuchhusten. Sie hört den einen Satz ihrer Mutter, dann wird ihr Vater, KPD-Mitglied, verhaftet und mitgenommen.

Es sind Erinnerungen wie diese, die Journalist Martin Kempe für Elfie Buth zu Papier gebracht hat. Der Ort ist immer derselbe: Eimsbüttel. Die Zeit ist die des Nationalsozialismus und der Nachkriegsjahre. Die Ereignisse und Erlebnisse sind Elfies ganz persönliche Kindheits- und Jugenderinnerungen. Und sie sind Alltagsgeschichte. Das Buch erzählt vom spärlichen Leben in einem  Arbeiterstadtteil, von den Anstrengungen ihrer zeitweise alleinerziehenden Mutter und vom Großwerden in Kriegszeiten und schafft so eine Ahnung vom damaligen Leben der Menschen in Eimsbüttel.

Murmel-Spiele und Schneehöhlen

„Wandsbek, Rahlstedt, das war für uns ja halbes Ausland.“ Mai 2013. Sillemstraße. „Da waren wir mit unseren Eltern nie. Das war viel zu weit weg und die Straßenbahn war auch zu teuer.“ Elfie Buth und Martin Kempe stellen ihr Buch in der Galerie Morgenland vor. Die 86-Jährige wirkt sehr präsent und erfreut über so viel Interesse an ihren Erinnerungen. Die kleine Galerie platzt aus allen Nähten. Elfie spricht auch an diesem Abend viel von früher.

Die Kinder der Mendelssohnstraße Ende der 20er Jahre.  Elfie ist die Jüngste, ganz links auf dem Arm ihrer neun Jahre älteren „Tante Carla“, Foto: aus Privatbesitz
Die Kinder der Mendelssohnstraße Ende der 20er Jahre. Elfie ist die Jüngste, ganz links auf dem Arm. Foto: Privatbesitz

Schließlich geht es in ihrem Buch um die Vergangenheit. Sie erzählt von Murmel-Spielen auf der Straße und Schneehöhlen, in die die Jungs sie nicht gelassen haben. Sie spricht  über ihren Vater und seine Entlassung aus Gefängnis und KZ zwei Jahre nachdem er verhaftet worden war.

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Aber sie spricht auch von heute, von der Gegenwart. Elfie lebt in einem Mehrgenerationenhaus, zusammen mit Familien aus Syrien und Afghanistan. „Die Kinder haben alle irgendwann in der Schule die Zeit des Nationalsozialismus. Und die Eltern sagen dann immer: Ich kann dir nichts dazu sagen, frag doch mal Elfie, die weiß bestimmt was.“ Und was sie weiß, das erzählt sie gerne.

So ist auch das Buch überhaupt erst entstanden. Martin Kempe, Autor und aufmerksamer Zuhörer in vielen Gesprächen mit Elfie, ist ebenfalls ein Nachbar. Er konnte in einer vertrauensvollen, nachbarschaftlichen Atmosphäre ein persönliches Buch über Elfie Buth und den Mikrokosmos Eimsbüttel schreiben. Elfie Buth gelingt es, als Zeitzeugin die Erinnerung an diese Zeit lebendig zu halten und weiterzugeben. Auch über die Grenzen Eimsbüttels hinaus.

Zum Buch:

Elfie Buth mit Martin Kempe:
Was ich euch erzählen will
Meine Kindheit und Jugend im Hamburger Arbeiterviertel Eimsbüttel
Herausgegeben von der „Galerie Morgenland / Geschichtswerkstatt Eimsbüttel“
96 Seiten, EUR 9.80
ISBN 978-3-89965-563-6
VSA: Verlag Hamburg 2013

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