Asphalt statt Kopfsteinpflaster: Anwohner im Generalsviertel protestieren
Die Fernwärme-Baustelle hat die Tresckowstraße erreicht. Nach Abschluss der Arbeiten soll die Straße asphaltiert werden. Jetzt gibt es eine Petition, um das Kopfsteinpflaster zu erhalten.
Von Julia HaasOb auf dem Fahrrad oder im Auto, das Ruckeln gehörte in der Tresckowstraße bisher dazu. Das Kopfsteinpflaster habe den Verkehr entschleunigt, sagt Anwohner Michael Rosenthal. Gleichzeitig gehört es für ihn und andere Anwohnende zum Charme der historischen Straße, die viele Jugendstilfassaden zieren. Jetzt soll das Kopfsteinpflaster verschwinden. Die Bauarbeiten in der Straße laufen.
Rosenthal hat eine Online-Petition gestartet, um die historische Straßenoberfläche zu erhalten. Über 400 Menschen haben sie bisher unterschrieben. Dabei geht es auch um Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte.
Neuer Straßenbelag nach Bauarbeiten
Die Bauarbeiten in der Tresckowstraße rühren vom Ausbau der Fernwärmeleitung her. Das Bezirksamt Eimsbüttel will das nutzen, um die Oberfläche der Straße neu zu gestalten.
Letzteres war vielen Anwohnenden bis vor wenigen Tagen nicht bekannt. Als die Bauarbeiten begannen, habe Rosenthal bei den Hamburger Energiewerken nachgefragt, ob im Anschluss wieder der ursprüngliche Zustand hergestellt werde. In den meisten Fällen ist das so; in der Tresckowstraße jedoch nicht.

Bezirksamt: Viele Gründe sprechen für Asphalt
Nach Angaben des Bezirksamts Eimsbüttel befinde sich die Kopfsteinpflasterdecke in der Tresckowstraße zwischen Eichen- und Goebenstraße in einem „sehr schlechten Zustand“. In Schulnoten bedeute das eine 5. Es bestehe „dringender Sanierungsbedarf“, sagt Kay Becker, Sprecher des Bezirksamts. Regelmäßige Überprüfungen in den letzten Jahren hätten das ergeben.
Das Bezirksamt habe den Straßenabschnitt im Hinblick auf seine Verkehrssicherheit untersucht und ein neues Konzept aufgestellt. Das Ergebnis: Die Straße werde asphaltiert. Laut Becker habe das verschiedene Gründe.
Die Auswirkungen auf den Verkehr
Becker sagt, der schlechte Zustand der Straßenoberfläche habe dazu geführt, dass viele Radfahrende auf den Gehweg ausweichen. Dieser sei dafür aber zu schmal – auch wegen dort parkender Fahrzeuge. Die Folge: „ein erhebliches Konfliktpotential zwischen Fuß- und Radverkehr“.
Eine Lösung wäre, das Parken in der Straße neu zu gestalten. Im Rahmen des „Moratoriums Parken“ sei das aber abgelehnt worden. Also müssen die Radfahrenden zurück auf die Straße und dafür brauche es wohl Asphalt.
Glatter Kopfsteinpflaster? Im Weidenstieg geht das
Rosenthal wohnt seit 20 Jahren in der Tresckowstraße. Auch er weiß, dass Radfahrende immer wieder den Gehweg nutzen. Dass das zu Konflikten führe, könne er jedoch nicht bestätigen. Insgesamt herrsche wenig Auto- und Radverkehr in der Straße. Wenn sich doch mal Radfahrende und Fußgänger in die Quere kämen, wären alle sehr rücksichtsvoll. So zumindest sein Eindruck.
Dass die Straße ein Update vertrage, streitet er nicht ab. Dass es dafür eine Neuordnung der Parkplätze oder Asphalt brauche, sieht er jedoch nicht. Seine Idee: zurück zum Kopfsteinpflaster, aber ebener als bisher. Das könnte die Holperpartie für Radfahrende reduzieren. Beispiele dafür gibt es bereits in unmittelbarer Nachbarschaft. Im Weidenstieg wurden vor einigen Jahren die bisherigen Steine entnommen und so bearbeitet, dass die Oberfläche glatter wurde.

Eimsbüttel entsiegelt – hier nicht
Rosenthal weist zudem darauf hin, dass Asphalt wesentlich kurzlebiger als Kopfsteinpflaster sei und die Straße versiegeln würde. Das Gegenteil von dem, was die Stadt eigentlich erreichen möchte. Erst im vergangenen Jahr fand ein Wettbewerb statt, der dazu aufrief, Flächen zu entsiegeln.
Auch im Bezirksamt weiß man, dass unter gewissen Bedingungen bei Kopfsteinpflaster der Versickerungseffekt von Niederschlagwasser höher sein kann. Im Fall der Tresckowstraße scheinen aber andere Aspekte zu überwiegen. So sei das bisherige Natursteinpflaster nicht für den Wiederaufbau geeignet. Ein neues, hochwertigeres Material würde erheblich höhere Kosten für die Lieferung, den Einbau und die Unterhaltung gegenüber einer Asphaltdecke bedeuten.
Was ist mit dem Schutz der historischen Straße?
Und was ist mit dem historischen Charme der Straße? Im Rahmen der Online-Petition schreiben Menschen, eine der letzten Straßen mit historischem Pflaster müsste erhalten bleiben. Andere stimmen zu. Den Altbau-Charakter im Generalsviertel präge auch die historische Straßenbeschaffenheit.
Nach Angaben des Bezirksamts ergeben sich jedoch keine Ansprüche aus dem Denkmalschutz, das Kopfsteinpflaster zu erhalten. Das habe man prüfen lassen.
„Daher wurde von uns entschieden, auch diesen Bereich der Tresckowstraße zu asphaltieren.“ Gleiches ist bereits im Abschnitt zwischen Osterstraße und Eichenstraße passiert.
Anwohnende beklagen fehlende Information
Rosenthal kritisiert, dass die Anwohnenden in all diese Prozesse nicht einbezogen wurden. Die Behörde hätte „still und heimlich“ darüber entschieden. Nur durch einen Zufall erfuhr er davon – über die Plattform nebenan.de informierte er die Nachbarschaft. Schnell zeigte sich, dass viele Anwohnende seine Haltung teilen und sich den Erhalt des Kopfsteinpflasters wünschen. Das bestätigt auch ein Gespräch vor Ort: Immer wieder bleiben Menschen stehen und unterstützen Rosenthals Einsatz.
Das Bezirksamt Eimsbüttel hält an seinen Plänen fest. Eine Abstimmung mit den Anliegern sei regelhaft für so etwas nicht vorgesehen. Stattdessen sei die Information der Öffentlichkeit über die politischen Gremien erfolgt. Im Kerngebietsausschuss seien zunächst das Konzept und später die konkreten Entwürfe vorgestellt worden.
Am Donnerstag will sich Rosenthal mit seinem Anliegen in der Bezirksversammlung an die Eimsbütteler Fraktionen wenden.
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