Werden Mieter aus diesem Haus gedrängt?
Mieter in der Bismarckstraße und Roonstraße müssen ihre Wohnungen verlassen, weil das Haus saniert werden soll. Reicht das als Grund? Einige Mieter wehren sich.
Von Alexis MilneIm Wohnhaus an der Ecke Bismarckstraße/Roonstraße gehen abends immer weniger Lichter an – viele der Wohnungen stehen leer. Mehrere Mieter sind ausgezogen, weil ihre Mietverträge nicht verlängert wurden. Der Vermieter, KLIMIK Immobilien, wolle das Haus sanieren, wie aus einem Schreiben an die Mieter hervorgeht. Doch einige von ihnen haben unbefristete Verträge und wollen bleiben.
WG stellt sich gegen Rauswurf
Vonseiten mehrerer Mieter heißt es, KLIMIK Immobilien hätte schon mehrmals versucht, die Wohnungen zu leeren – ohne Erfolg. Auch Judith Brune und Minna Schumann erzählen das. Sie leben gemeinsam in einer WG in der Roonstraße 2, einer Hälfte der Immobilie. Sie sagen, in ihrem Teil des Hauses würden noch fünf Parteien wohnen.

Ihr Mietvertrag wurde nicht verlängert, eigentlich müssen sie demnach bis Anfang Februar ausziehen. Auf Empfehlung des Mietervereins werde Brune aber wohl vorerst bleiben. Der Grund: Die Beendigung des Mietverhältnisses sei so nicht rechtens und es sei schwierig, eine Wohnung mit einer ähnlich günstigen Miete zu finden.
Sanierung? Dem Bezirksamt liegen keine Anträge vor
Brune und Schumann zeigen im Interview ein Schreiben, das die Mieterinnen und Mieter im vergangenen Sommer erhalten haben sollen. Demnach würden ihre befristeten Verträge aufgrund der geplanten Sanierungsarbeiten nicht verlängert werden. Sanierungsarbeiten seien nur ein triftiger Grund, ein Mietverhältnis zu beenden, wenn sie kurzfristig bevorstünden, heißt es von Rolf Bosse vom Mieterverein zu Hamburg.
Für diese Sanierung liege aber noch kein entsprechender Antrag beim zuständigen Fachamt für Bauprüfung vor, wie Kay Becker, Pressesprecher des Bezirksamts Eimsbüttel, erklärt. Von Becker heißt es zudem, dass ein Wohnraumschutzverfahren gegen KLIMIK Immobilien laufe, das den bestehenden Leerstand in der Immobilie beheben soll.
Was machen die Altmieter?
Markus L. (Name redaktionell geändert) sagt gegenüber den Eimsbütteler Nachrichten, er fühle sich unsicher. Er sei einer von sechs oder sieben Altmietern mit unbefristeten Verträgen. Er lebt seit über 30 Jahren im Haus. „Sein Haus und sein Viertel“ seien sein Lebensmittelpunkt – wegziehen wolle er nicht.
Weil sein Mietvertrag unbefristet ist, werde er vom „Mietrecht geschützt und könne auch nicht durch irgendwelche Maßnahmen aus den Wohnungen gebracht werden“, sagt Bosse vom Mieterverein.
Mieter raus, Heizkosten rauf
Doch Markus L. sagt, er würde auch die Folgen der anderen Auszüge spüren – Brune und Schumann bestätigen das: Die leer stehenden Wohnungen seien kalt, weshalb auch ihre Wohnungen schneller auskühlen. Die Heizkosten würden dadurch steigen. Von Bosse heißt es dazu, die Mieterinnen und Mieter müssten die entstehenden Mehrkosten erstmal selbst tragen.
Bosse vermutet: „Die Hausverwaltung plant, hochwertige Eigentumswohnungen zu schaffen und dann lukrativ zu vermarkten. Da sind alle Mietparteien im Weg und es dürfte noch zu erheblichen Auseinandersetzungen auch mit den unbefristeten Vertragsparteien kommen.“
Auf wiederholte Anfragen der Eimsbütteler Nachrichten zu diesem Thema gab es von KLIMIK Immobilien keine Rückmeldung.
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