Anzeige
Aktualisiere Standort ...
Standort konnte nicht ermittelt werden. Aktiviere deine Standortfreigabe.
Standort wurde erfolgreich ermittelt.
Die Erfahrung eines trans* Mannes wirft Fragen über die Preisgestaltung für Haarschnitte auf. Foto: Alexis Milne
Die Erfahrung eines trans* Mannes wirft Fragen über die Preisgestaltung für Haarschnitte auf. Foto: Alexis Milne
Gender Pricing

Männer- und Frauenpreise beim Friseur: Ist das noch zeitgemäß?

Viele Friseursalons unterscheiden bei ihren Preisen zwischen Männern und Frauen. Ein Eimsbütteler sagt: Das ist veraltet.

Von Alexis Milne

Bei seinem letzten Friseurbesuch im Heußweg sollte Aris K., trans* Mann aus Eimsbüttel, 35 Euro zahlen – den Frauenpreis für einen Kurzhaarschnitt. Er habe sich dazu gedrängt gefühlt, sich vor den Mitarbeitenden des Salons BoostX zu outen.

Daraufhin hätten die Mitarbeitenden darauf bestanden, dass es sich um einen Damenschnitt handele. Aris K. sagt im Interview, er habe das Geld für den entsprechenden Herrenschnitt und Trinkgeld für den Friseur gezahlt.

Die Situation sei Aris K. unangenehm gewesen und habe bei ihm die Frage aufgeworfen, wie mit trans* Menschen umgegangen werde: „Muss ich jetzt immer vorher durchs ganze Publikum schreien: Ich bin ein Mann, kann ich auch den Männerpreis zahlen?“

Gender Pricing beim Friseur

Unabhängig von seiner persönlichen Erfahrung findet Aris K., dass „Gender Pricing“ nicht mehr zeitgemäß sei. Für die gleiche Leistung sollte kein Aufschlag für das (wahrgenommene) Geschlecht erhoben werden, sagt Aris K. Andernfalls würde das Antidiskriminierungsgesetz verletzt.

info

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz soll Menschen in Deutschland vor Diskriminierung aufgrund des Alters, des Geschlechts, einer chronischen Erkrankung oder Behinderung, der Religion, der sexuellen Identität oder aus rassistischen oder antisemitischen Gründen schützen. Es gilt bei der Arbeit, bei Alltagsgeschäften und bei der Wohnungssuche, so die Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

„Wenn man darauf angesprochen wird und nichts ändert, ist das für mich Ignoranz, sie stellen sich dagegen“, sagt Aris K., „das finde ich tragisch.“

Was sagt die Handwerkskammer dazu?

Auf eine Anfrage der Eimsbütteler Nachrichten zur Preisgestaltung wollte sich die BoostX-Filialleiterin nicht äußern.

Eine Sprecherin der Handwerkskammer Hamburg sagt auf Anfrage zum Gender Pricing: „Die Preisgestaltung im Friseurhandwerk ist Sache der einzelnen Betriebe. Sofern gewünscht, unterstützt die Handwerkskammer ihre Mitgliedsbetriebe bei der Preisgestaltung. Um Gender Pricing zu vermeiden, empfehlen wir, die Preise transparent und leistungsbezogen nach objektiven, nachvollziehbaren Kriterien zu staffeln (z. B.: Haarlänge, technische Ausführung, tatsächlicher Zeit- und Arbeitsaufwand usw.).“

Wie läuft es in anderen Salons?

Wir haben bei anderen Friseursalons nachgefragt, wie sie ihre Preise gestalten – und wieso:

Friseuralleswirdgut in der Methfesselstraße: „Wir haben unterschiedliche Preise, weil Männer meist schon wissen, was sie wollen, regelmäßiger kommen und pragmatischer sind. Im Gegensatz dazu kommen viele Frauen nicht regelmäßig, vor allem langhaarige, und müssen wie in einer Beziehung das Gefühl von Vertrauen bekommen. Meist haben Frauen auch spezielle Vorstellungen.“

I love hair im Heußweg: „Wir haben tatsächlich nur Preise nach zeitlicher Staffelung, sprich kurz/mittel/lang. Wir hatten bis vor einigen Jahren noch nach Damen- und Herrenpreisen getrennt, wobei der Unterschied schon immer der Zeitaufwand gewesen ist und nicht das Geschlecht. Das ist auch der Grund, wieso Kinderhaarschnitte so viel kosten wie andere Kurzhaarschnitte, weil es derselbe Zeitaufwand in der Kalkulation ist.“

Männer- und Frauenpreise?

Prime Cut & Beauty am Langenfelder Damm: „Wir haben unterschiedliche Preise, weil es sich bei Männern und Frauen um unterschiedliche Bereiche handelt.“

Cut in Cut out am Eppendorfer Weg: „Wir haben fast gleiche Preise, weil sie von der Länge abhängig sind. Wenn die Haare länger sind, ist es teurer.“

Elbhaar Friseur in der Fruchtallee: „Wir rechnen nach dem Materialverbrauch und dem Zeitaufwand ab – egal ob Mann oder Frau. Bei Herren kann es schneller gehen als bei Frauen.“

10er-Friseur in der Osterstraße: „Wir haben gleiche Preise, weil wir die Dienstleistung berechnen. Dabei bezahlen Männer und Frauen den gleichen Preis für Waschen und Schneiden sowie bei dem Trockenschnitt. Unterschiede gibt es, wenn es ums Stylen mit dem Föhn geht.“

Memo-Friseursalon in der Kieler Straße: „Wir haben unterschiedliche Preise, weil es sich um einen anderen Haarschnitt handelt.“

Schnitt & mehr am Eppendorfer Weg: „Wir haben gleiche Preise, weil wir es noch nie anders gemacht haben. Zudem brauchen Herren genau so lange wie Frauen, also warum sollten Frauen mehr bezahlen?“

Redaktionelle Mitarbeit: Sarah Jaskulski


lokal. unabhängig. unbestechlich.

Eimsbüttel+

Eimsbüttel+ Mitglied werden:

Mit Eimsbüttel+ hast du Zugriff auf alle Plus-Inhalte der Eimsbütteler Nachrichten. Zudem erhältst du exklusive Angebote, Deals und Rabatte von unseren Partnern.


Eimsbüttel+

Weiterlesen

Sanierungsarbeiten am Tonali-Campus: Der zentrale Kulturstandort in Eimsbüttel soll bis Ende 2027 barrierefrei werden.

Es war ein besonderer Abend für die HEBC-Vereinsgeschichte: Am Dienstagabend traf das Eimsbütteler Team im Volksparkstadion auf den BVB.

Damit Plattdeutsch nicht ausstirbt, trifft sich im Kreativhaus wöchentlich ein „Plattdüütsch Krink“.

Tchibo möchte mitten in Eimsbüttel ein neues Kaffeebar-Konzept ausprobieren. Zum Auftakt wurden die Scheiben beschmiert.

-
Neu im Stadtteilportal
KUNSTKLINIK

Martinistraße 44 a
20249 Hamburg

Eimsbüttel+

Stromtarif-Banner

Gratis für 1 Jahr

Lese ein Jahr gratis Eimsbüttel+ beim Wechsel zu Eimsbüttel Strom.*

*Nur für Neukunden Wechseln und Prämie sichern