Sind die Bezirksämter überlastet?
Zahlen des Senats zeigen, wie die Stellen der Bezirksämter besetzt sind. Warum Eimsbüttel mit vielen Überlastungsanzeigen auffällt.
Von Nina FreierDer Senat hat auf eine kleine Anfrage aus der Hamburgischen Bürgerschaft Daten dazu veröffentlicht, wie die Stellen der Hamburger Bezirksämter besetzt werden. Der Senat gibt in seiner Antwort Auskunft über die Stellenzahl der Ämter und deren Leerstellen sowie zu Überlastungen und Überstunden in den Abteilungen im ersten Halbjahr 2026.
Leerstellen im Eimsbütteler Bezirksamt
Die sieben Bezirksämter Hamburgs weisen unterschiedliche Zahlen an Stellen auf: Sie liegen zwischen rund 630 und 1460. Das Bezirksamt Eimsbüttel verfüge über 983,74 Stellen, davon seien 902,14 besetzt. 8,29 Prozent der Stellen seien demnach offen.
Im Vergleich zu den anderen Ämtern sei der Wert durchschnittlich. Die höchsten Quoten an Fehlstellen würden die Ämter Bezirksamt Mitte (12,79 Prozent) und in Wandsbek (11,3 Prozent) aufweisen.
Leerstelle sei nicht gleich Leerstelle
Nach einer Anfrage der Eimsbütteler Nachrichten an die Finanzbehörde ließe sich die Belastungssituation nicht aus der Zahl der unbesetzten Stellen ableiten. Dafür seien differenzierte Betrachtungen einzelner Aufgabenbereiche erforderlich.
Es hieße, dass nicht jede rechnerisch unbesetzte Stelle gleichzeitig eine offene, ausgeschriebene Stelle sei. Zu berücksichtigen gelten dabei Arbeitszeitreduzierungen, Freihaltungen für Rückkehrende aus Beurlaubungen und bereits abgeschlossene Auswahlverfahren. Es gäbe auch vorgehaltene Stellen für Beamtinnen oder Tarifbeschäftigte.
Gebündelte Überlastungsanzeigen
Im Bezirksamt Eimsbüttel wurden innerhalb des ersten Halbjahres 2026 insgesamt 57 Überlastungsanzeigen erstattet – davon 32 im Fachamt „Grundsicherung und Soziales“. Dabei handelt es sich um Beschwerden des Personals über Arbeitsbedingungen oder Aufwände. In den anderen Bezirksämtern lagen die Anzeigen bei maximal 26 Stück, außer im Bezirksamt Wandsbek – es komme bei 1365 Mitarbeitenden auf 44 Anzeigen.
Auf Anfrage heißt es von der Pressestelle des Bezirksamts Eimsbüttel, dass bei diesen Auflistungen nur abgeschlossene Fälle, sogenannte Rückstandsanzeigen, angegeben werden dürfen. Überlastungsanzeigen seien zwar ein sinnvoller Indikator für bestehende Schwierigkeiten. Da aber auch Beschwerden gesammelt würden und eine Meldung von mehreren Personen kommen könne, sei die Zahl der Anzeigen keine Erfassung isolierter Ursachen.
Falsche Zahlen bei Überstunden?
In der ursprünglichen kleinen Anfrage fielen Überstundenzahlen im Eimsbütteler Bezirksamt auf: Es hieß fälschlicherweise, dass in zwei Abteilungen des Bezirksamts Eimsbüttel über 100 Überstunden geleistet wurden.
Auf Anfrage der Eimsbütteler Nachrichten stellten sie sich allerdings nur als ein Übertragungsfehler heraus, der zuvor nicht aufgefallen sei. Die Überstunden im Personalservice lägen bei 9,89 und im Personentstandswesen bei 4,95. Diese tatsächlichen Angaben an Überstunden entsprächen eher dem Durchschnitt.
Hilfe des Senats für Bezirksämter
Überforderte Mitarbeitende wolle der Senat entlasten, indem neue Stellen besetzt werden. Im Vergleich zu den Vorjahren seien auch die Mittel erhöht worden.
Zusätzlich sei eine Zulage für bürgernahe Dienste eingeführt worden, um die Mitarbeitenden mehr wertzuschätzen.
Angestrebte Reformprozesse
Nach Angaben der Finanzbehörde seien neue Eckpunkte für eine Bezirksverwaltungsreform überlegt worden, die in weitere Reformprozesse einfließen sollen. Im Mittelpunkt dieser Überlegungen stünden Modernisierung und Optimierung von Organisationsstrukturen und Rechtsvorschriften. Ebenso wichtig seien die Vereinfachung von Prozessen und eine Vertiefung der Bürgerbeteiligung vor Ort. Die letzte Bezirksverwaltungsreform läge mittlerweile schon 20 Jahre zurück, jetzt solle gehandelt werden.
„Vieles funktioniert bereits gut und wird bewegt, doch gut allein reicht nicht. Gerade bei Leistungen wie Elterngeld, Wohngeld oder dem Kita-Gutschein gibt es noch Verbesserungspotenzial. Mit den vorgelegten gemeinsamen Eckpunkten wollen wir aus gut besser machen. Für starke Bezirke braucht es jetzt mutige Schritte in der Organisation. Eimsbüttel wird sich intensiv in den nun beginnenden Prozess einbringen“, sagt Christian Zierau, Bezirksamtsleiter in Eimsbüttel, auf Anfrage.
Kritik der Linken
Die Anfrage gegenüber dem Senat stammt von den Abgeordneten Marco Hosemann und David Stoop (Die Linke). Es stünden einige Fragen im Raum, um Transparenz bezüglich der Unterbesetzung in den Bezirksämtern zu schaffen. Diese transparent zu machen, sei laut Anfrage der Linken sehr wichtig, um eine ausreichende und gute Personalausstattung zu gewährleisten. Ebenso wichtig sei die Verdeutlichung von Belastungen der Ämter. Sie sähen eine große Not der Bezirksämter Hamburgs, viele unbesetzte Stellen und große Unzufriedenheit. Sie kritisieren die Eingriffe des Senats – sie seien nicht ausreichend.
„Mit einer kleinen Lohnzulage für bürgernahe Dienstleistungen wird dieser Personalnotstand nicht zu beheben sein. Gerade für die Bezirksämter brauchen wir eine tragfähige Lösung, die die Belastung der verbliebenen Beschäftigten reduziert und echte Anreize für Neueinstellungen bietet. In den Bezirksämtern ist der Senat nicht in der Lage, die sowieso schon zu niedrig angesetzte Personalabdeckung überhaupt zu erreichen“, sagt David Stoop, Sprecher für den öffentlichen Dienst der Linksfraktion.
Marco Hosemann, bezirkspolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke, sagt: “Der Hintergrund für den Personalmangel ist dabei nicht, dass es keine Fachkräfte gibt. Sie bewerben sich nur nicht, weil sie sich vom Gehalt das Leben in Hamburg nicht leisten können.“ Um die personelle Deckung der Bezirksämter zu gewährleisten, seien weitere Maßnahmen erforderlich.
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