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Die Glaskästen stehen seit über zehn Jahren leer. Doch wer ist Schuld? Foto: Sarah Jaskulski
Die Glaskästen stehen seit über zehn Jahren leer. Foto: Sarah Jaskulski
Stadtentwicklung

Glaskästen verfallen weiter – Wer ist Schuld?

Seit Jahren sollen die Glaskästen in Stellingen abgerissen und das Areal neu bebaut werden. Doch noch immer gibt es keinen Zeitplan. Über die Gründe für den Stillstand herrscht Uneinigkeit.

Von Sarah Jaskulski

Wer von der A7 ins Hamburger Zentrum fährt, wird am Ortseingang in Stellingen von einer Ruine empfangen. Die geplanten Wohnungen, Grünanlagen und Gewerbeflächen bleiben bislang nur Vorstellung.

Die „Glaskästen“ an der Kreuzung Kieler Straße/Volksparkstraße stehen seit über zehn Jahren leer. Immer wieder wurden Fristen gesetzt und Pläne für den Abriss sowie die Neubebauung des Areals vorgestellt. Doch auch in diesem Jahr verfällt das ehemalige Einkaufszentrum weiter. Wie es weitergeht, bleibt ungewiss, denn auch der ursprünglich für April 2026 angekündigte Funktionsplan ist bislang nicht erschienen.

Wer oder was für die Verzögerungen verantwortlich ist, bleibt umstritten. Der NDR berichtete im Frühjahr über einen Konflikt innerhalb der Eimsbütteler Koalition bezüglich der Bebauungshöhe, der maßgeblich für den Stillstand verantwortlich sein soll.

Projekt bleibt in der Planungsphase 

Auf Anfrage der Eimsbütteler Nachrichten teilt das Bezirksamt Eimsbüttel mit, derzeit sei nicht abzuschätzen, wann der Funktionsplan fertiggestellt werden könne. Die Abstimmungen zwischen den beteiligten Stellen seien noch nicht abgeschlossen.

Das Projekt befinde sich damit weiterhin in der Planungsphase. Einen festen Starttermin für die Bauarbeiten gebe es nicht. Zunächst müssten der Angebotsbebauungsplan erstellt und das Bebauungsplanverfahren abgeschlossen werden. Erst anschließend könnten die weiteren erforderlichen Genehmigungen für einen Abriss in Betracht gezogen werden, so ein Sprecher des Bezirksamts.

Ziel des Verfahrens sei es, einen verbindlichen Rahmen für die bauliche und sonstige Nutzung des Areals zu schaffen. Die Pläne sehen eine Mischung aus Wohnungen, Grünflächen und Gewerbe vor. Grundlage ist ein städtebauliches Konzept, das 2024 im Rahmen eines Architekturwettbewerbs entwickelt wurde. Zwei Architekturbüros gewannen den Wettbewerb mit ihrem gemeinsamen Entwurf für das gesamte Areal.

Was sagen die Fraktionen?

Nach Angaben der SPD-Fraktion in der Bezirksversammlung Eimsbüttel seien im Rahmen des Architekturwettbewerbs zunächst zwölf Geschosse diskutiert worden. Der Investor fordere hingegen fünfzehn Geschosse. Das sei aus Sicht der SPD-Fraktion für den Stadtteil zu hoch. Dabei spiele auch die Akzeptanz der Anwohnenden eine Rolle.

Zum jetzigen Zeitpunkt seien Abriss und Neubau für die SPD weiterhin denkbar. Die Fraktion könne nachvollziehen, dass der Investor aus finanziellen Gründen eine höhere Bebauung bevorzuge. Allerdings erreiche das Gebäude bereits mit zwölf Geschossen etwa die doppelte Höhe der bisherigen Glaskästen.

CDU wollte Hochpunkt erschaffen

Die CDU-Fraktion bezeichnet den derzeitigen Zustand der Glaskästen als „gruselig“, nennt aber andere Gründe für den aktuellen Stillstand. Nach Angaben der CDU habe sie sich gemeinsam mit den Grünen während ihrer Koalition auf eine Geschosszahl von achtzehn verständigt. Ziel dabei sei gewesen, einen Hochpunkt zu erschaffen. Doch nun gebe es innerhalb der grün-roten Koalition unterschiedliche Vorstellungen von der Höhe. Die SPD wolle zwölf Geschosse und die Grünen weiterhin achtzehn.

Die CDU betont zudem, dass der Investor bereits seit drei Jahren bauen wolle und den Abriss bereits bewilligt habe. Für den hinteren der beiden Glaskästen seien aufgrund des Fluglärmschutzgesetzes nur temporäre Wohnungen möglich, wie ein Hotel oder ein Studentenwohnheim. Auch die CDU sehe kein Problem darin, die restlichen Stockwerke bei einer niedrigeren Bebauung auf dem Nachbargrundstück zu bauen.

Dabei vermute die Fraktion, dass sich die Koalition am Ende auf fünfzehn Stockwerke einigen werde.

Konflikt zwischen Verwaltung und Investor?

Auch die Bezirksfraktion der Grünen äußert sich zu dem Konflikt. Ihrer Auffassung nach handele es sich jedoch nicht – wie berichtet wurde – um eine Uneinigkeit innerhalb der Koalition, sondern um einen Konflikt zwischen der Verwaltung, welche auf den städteplanerischen Aspekt konzentriert sei, und dem Investor, wobei dort vor allem das schnelle Bauen im Zentrum stehe. Der Konflikt bezüglich der Gebäudehöhe sei zudem auf Missverständnisse zurückzuführen. Es habe zwar unterschiedliche Ansichten bezüglich der Höhe gegeben, jedoch habe sich die Koalition auf fünfzehn Stockwerke geeinigt.

Dabei könne man sich laut dem Fraktionsvorsitzenden Ali Mir Agha vorstellen, die restlichen zwei Stockwerke, die der Investor fordere, an einer anderen Stelle zu bauen. Mir Agha teilt den Eimsbütteler Nachrichten außerdem mit, ihm sei nicht klar, warum die Verwaltung den Investor bislang nicht zum Stadtplanungsausschuss eingeladen habe.

info

 Vom Einkaufszentrum bis zum Abriss 

Ursprünglich waren die Gebäude Teil des Einkaufszentrums Stellingen. Der Architekt Werner Kallmorgen entwarf sie 1963. Erste Entwürfe für eine Neubebauung des Areals lagen bereits 2018 vor. Die Pläne scheiterten jedoch am damaligen Planrecht. 2020 wurde deshalb ein neues Bebauungsplanverfahren eingeleitet. In den darauffolgenden Jahren wurden die Pläne weiterentwickelt.

Umweltprüfung statt politischem Streit?

Auf eine Anfrage der Eimsbütteler Linksfraktion heißt es auch vom Bezirksamt, dass die Verzögerung nicht auf Uneinigkeiten innerhalb der Koalition zurückzuführen sei. Laut Bezirksamt liege das stattdessen an geänderten rechtlichen Rahmenbedingungen. Aufgrund dieser Veränderung sei eine Umweltprüfung im beschleunigten Verfahren erforderlich. Deshalb sei das Verfahren seit November 2024 im Ausschuss nicht formell weiter vorangetrieben worden. Zuletzt wurde am 4. September erneut geprüft, welche Auswirkungen das Vorhaben auf die Umwelt haben könnte.

Auch im Stadtplanungsausschuss am 22. September wurde die notwendige Umweltprüfung angekündigt.

Neue Pläne für das Areal 

Einen Termin für die Vorlage des Funktionsplans gebe es derzeit nicht. Denn: Die relevanten Auswirkungen würden noch geprüft und abgestimmt. Zudem müssten sich die betroffenen Behörden und Träger öffentlicher Belange noch miteinander abstimmen.

Nach Angaben von Johannes Gerdelmann, Dezernent für Wirtschaft, Bauen und Umwelt im Bezirksamt Eimsbüttel, hänge die Umsetzung jedoch auch von der Zustimmung der privaten Eigentümer ab. Diese hätten sich bereits 2023 grundsätzlich mit den Plänen und einer Kooperation mit der Stadt einverstanden erklärt.

Investor sieht Politik in der Verantwortung

Ein Sprecher des Investors Köhler & von Bargen (KvB), der seit Jahren zu den Eigentümern des Areals gehört, erklärte auf Anfrage, er habe gemeinsam mit der Verwaltung ein gutes Konzept entwickelt, das „zügig umgesetzt“ werden solle. Dafür fehle jedoch die mehrheitliche Zustimmung der Politik.

Ein Streitpunkt seien laut KvB die geforderten Sozialwohnungen. Deren Umfang sei in der geplanten Form nicht finanzierbar. Der Investor warnt deshalb davor, dass eine weitere Verzögerung am Ende dazu führen könnte, dass überhaupt kein Wohnraum entstehe.


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