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Antrag der Stadt Hamburg gehalten von betroffenen Vater. Foto: Nina Freier
Elias S. hat Anträge an die Stadt Hamburg dabei. Foto: Nina Freier
Familie

Stau im Bezirksamt: Eimsbütteler warten ein Jahr auf Elterngeld

Bei der Eimsbütteler Elterngeldstelle stauen sich Hunderte Anträge. Die Wartezeiten sind für viele Familien kaum noch tragbar. Eine betroffene Familie hat sich an die Eimsbütteler Nachrichten gewandt und berichtet von ihren Erfahrungen und den daraus resultierenden Konsequenzen.

Von Nina Freier

741 offene Elterngeldanträge stauen sich derzeit im Bezirksamt Eimsbüttel. Schon seit Jahren klagen Eltern über lange Wartezeiten bei der Elterngeldstelle. 2025 demonstrierten Betroffene deshalb vor dem Bezirksamt Eimsbüttel, doch auch ein Jahr später scheint sich an der Situation wenig geändert zu haben.

Existenzbedrohnende Wartezeiten

Eine dieser Eimsbütteler Familien ist die von Elias S.*: Vor 13 Monaten bekamen seine Frau und er ihr zweites Kind. Seit zwölf Monaten warten sie auf ihr beantragtes Elterngeld. Bis heute fehlt ihnen nicht nur das Geld, sondern auch eine Rückmeldung der Elterngeldstelle. 

Mittlerweile gehe es um ungefähr 15.000 Euro, die der Familie fehlen, sagt Elias S. gegenüber den Eimsbütteler Nachrichten. Die bisher ausgebliebenen Zahlungen konnten sie bislang mit finanziellen Rücklagen überbrücken, doch auch diese seien mittlerweile nahezu aufgebraucht. Ein finanzieller Puffer, der nicht jeder Familie zur Verfügung steht. „Also für andere Familien wäre das jetzt absolute Existenzbedrohung gewesen“, sagt Elias S.

12 Monate Funkstille

Besonders zäh sei die fehlende Kommunikation mit der Elterngeldstelle. Weder auf E-Mails noch auf Anrufe, um den aktuellen Bearbeitungsstatus zu erfragen, habe es eine Rückmeldung gegeben. Elias S. berichtet von 12 Monaten Funkstille. Dies sei nicht nur finanziell schwierig, sondern auch mental anstrengend, sagt der Vater. Auch die Zweifel am eigenen Antrag wüchsen: „Haben wir da eigentlich jetzt alles richtig gemacht, haben wir diesen Anteil abgeschickt? Ja, haben wir, okay.“

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Elterngeld

Laut dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) haben Eltern für die ersten 14 Monate Lebenszeit ihres Kindes den Anspruch auf Elterngeld. Dabei handelt es sich um eine staatliche Leistung zur Unterstützung von Eltern, die ihre Kinder betreuen und dadurch beruflich kürzer treten. Die auszuzahlenden Beträge können je nach Einkommen und Partnerschaftssituation variieren und bei maximal 1.800 Euro im Monat liegen. Ausgeschlossen vom Elterngeld sind Haushalte, in denen das Jahreseinkommen bei über 175.000 Euro liegt.

Wenn aus Ungewissheit Konsequenzen werden

Mit jedem Monat ohne Rückmeldung wachse die Ungewissheit der Familie. Für Elias S. gibt es nur zwei Erklärungen: „Entweder ist das Ding verloren gegangen oder sie schaffen es einfach gar nicht. Beides wäre dramatisch.“ 

Mittlerweile ziehen die Eltern Konsequenzen: Sie haben Dienstaufsichtsbeschwerde beim Bezirksamtsleiter eingelegt und prüfen eine Untätigkeitsklage beim Sozialgericht. Ein Schritt, den viele betroffene Familien aus Scheu vor dem bürokratischen und finanziellen Aufwand gar nicht erst wagen könnten.

Alle Stellen besetzt – doch keiner geht ran

Auf Anfrage der Eimsbütteler Nachrichten erklärt das Bezirksamt, bereits Maßnahmen ergriffen zu haben, um besser erreichbar zu sein. So sei im Juni 2026 ein Eingangsbereich für das Soziale Dienstleistungszentrum als Anlaufstelle eröffnet worden. Zudem verweist das Bezirksamt auf telefonische Erreichbarkeit. Auch personell sei die Elterngeldstelle vollständig besetzt: Alle 8,58 Stellen der Elterngeldstelle seien derzeit vergeben. 

An der Realität der Familie ändert das jedoch nichts: Das fehlende Elterngeld nehme Planbarkeit. „Ohne das Geld würdest du ja auch nicht so die Elternzeit nehmen. Wenn du weißt, du kriegst kein Geld, dann machst du das anders“, sagt Elias S. Für eine Berücksichtigung der finanziellen Lage der Familien sei die Elterngeldstelle jedoch nicht verantwortlich. Dafür seien andere Behörden wie das Jobcenter oder die Sozialbehörde zuständig, so ein Sprecher des Bezirksamts Eimsbüttel.

36 Tage laut Amt – 365 Tage in der Realität

Während Elias S. von einem Jahr Bearbeitungsdauer berichtet, heißt es auf Anfrage vom Bezirksamt, die Bearbeitungszeiten seien auf 36 Tage gesenkt worden. Dies sei eine „erfreuliche Entwicklung“. Doch nicht nur Elias S. selbst ist von langen Wartezeiten betroffen: Bekannte aus seinem Umfeld würden von Wartezeiten zwischen drei und fünf Monaten berichten. Ein Nachbar habe ebenfalls 13 Monate auf sein Elterngeld gewartet.

Digitaler Antrag zum Ausdrucken 

Kritik gibt es auch an der Entwicklung des Antragsverfahrens selbst. Elias S. und seine Frau hätten zwei Abende mit der Beantragung des Elterngeldes verbracht. Sie haben sich dabei durch die 34 Seiten des Elterngeldantrags gearbeitet. In Hamburg gibt es auf Landesebene Bemühungen, den Antragsprozess zu digitalisieren und zu vereinfachen.

Gerade in der ersten Zeit nach der Geburt, in der junge Eltern ohnehin stark gefordert sind, sei ein so umfangreiches Formular eine große Hürde. Auch die Art der Antragstellung werfe Fragen auf, berichtet Elias S. Zunächst hätten sie den Antrag digital ausfüllen können. Um ihn am Ende einzureichen, hätten sie ihn dann allerdings ausdrucken müssen.

Der Wunsch nach Transparenz

Trotz der belastenden Situation äußert Elias S. Verständnis für die Lage der Behörden: „Es liegt sicherlich an irgendwelchen digitalen Verfahren und der Bundesgesetzgebung.“ Ihm sei die Komplexität der Verwaltungssysteme, der verschiedenen Schnittstellen, Behörden und Vorgaben bewusst.

Seine Bitte: mehr Transparenz im Bearbeitungsprozess. „Eine Antwort der Elterngeldstelle mit einem Eingeständnis über lange Wartezeiten und aktuelle Probleme der Bearbeitung sowie grobe Prognosen über eine weitere Bearbeitungsdauer würden bereits helfen.“

*Auf Wunsch des Protagonisten hat die Redaktion seinen Namen geändert.



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