Elterngeld: Das Warten findet kein Ende
Im letzten Sommer demonstrierten Eltern vor dem Bezirksamt Eimsbüttel, um auf die langen Wartezeiten beim Elterngeld aufmerksam zu machen. Was hat sich seitdem verändert?
Von Julia HaasSechs Monate. So lange wartete Michelle Bily nach der Geburt ihrer Tochter auf das Elterngeld. Sechs Monate ohne die finanzielle Unterstützung, mit der junge Familien fest rechnen. „Ohne Rücklagen lässt sich das nicht überbrücken“, sagt die 33-Jährige aus Eimsbüttel.
Bily hat zwei Kinder – einen dreieinhalbjährigen Sohn und eine acht Monate alte Tochter. Während das Geld nach der Geburt ihres ersten Kindes noch nach etwa drei Monaten kam, verging dieses Mal ein halbes Jahr.
Im vergangenen Sommer demonstrierten Eltern vor dem Bezirksamt Eimsbüttel gegen lange Bearbeitungszeiten. Sie berichteten von Wartezeiten von bis zu acht Monaten. Jetzt zeigt sich: Die Lage hat sich bislang kaum verbessert.
Wartezeiten bleiben lang
Nach Angaben des Hamburger Senats warteten Eimsbütteler Familien im zweiten Quartal 2025 durchschnittlich 80 Tage auf die Auszahlung. In den Monaten nach der Demonstration stieg die Dauer sogar weiter an – im dritten Quartal auf rund 92 Tage, zum Jahresende auf etwa 94 Tage.
Nur im Bezirk Altona lagen die Werte noch höher: Dort betrug die Bearbeitungszeit im ersten Quartal 109,6 Tage, im zweiten 96,44 Tage und im dritten 108,53 Tage.
Ursachen und Maßnahmen
Als Gründe nannte die Verwaltung im vergangenen Jahr die Einführung einer neuen Software sowie von „ElterngeldDigital“, die zu einem Rückstau geführt hätte. Hinzu seien ungeplante Vakanzen in den Ämtern und fehlende oder nachzureichende Unterlagen gekommen.
Inzwischen seien vakante Stellen besetzt und eine temporäre Unterstützungskraft eingestellt worden, teilt das Bezirksamt Eimsbüttel mit. Man gehe davon aus, dass sich die Bearbeitungszeiten in der zweiten Jahreshälfte verkürzen würden. IT-Probleme gebe es aktuell nicht mehr. „Die IT-Probleme konnten erfolgreich behoben werden, neue sind bisher nicht aufgetreten“, sagt Sprecher Kay Becker.
Ein Antrag mit Verzögerungen
Michelle Bily hatte sich noch vor der Geburt ihrer Tochter nach der aktuellen Bearbeitungsdauer erkundigt. „Man sagte, es würde jetzt nicht mehr so lange dauern“, erinnert sie sich.
Um Zeit zu sparen, füllte sie den Antrag bereits während der Schwangerschaft so weit wie möglich aus. Nach der Geburt wartete sie rund einen Monat auf die Geburtsurkunde, um ihn vollständig einreichen zu können. Zwei schriftliche Rückfragen der Behörde verlängerten das Verfahren zusätzlich. „Eine telefonische Klärung hätte das sicher verkürzt“, sagt sie.
Debatte um Überbrückungshilfen
Für Familien ohne finanzielle Rücklagen bleiben lange Wartezeiten ein Problem. Bily hält Überbrückungshilfen für sinnvoll.
Die SPD-Fraktion Eimsbüttel brachte im vergangenen Jahr ein Überbrückungsdarlehen nach Bremer Modell in die Bezirksversammlung ein. Dort wurden wegen langer Bearbeitungszeiten Übergangskredite eingeführt, die Eltern beantragen und innerhalb von zwei Tagen erhalten konnten.
Im September wurde jedoch bekannt, dass Hamburg eine solche Lösung nicht umsetzen will. Der zusätzliche bürokratische Aufwand und die Verwaltungskosten seien nicht zweckmäßig.
Bily wünscht sich zumindest ein einfacheres Verfahren – etwa eine App, die vorab prüft, ob alle notwendigen Dokumente vollständig eingereicht wurden. Vom Senat heißt es dazu: „Die für Familie zuständige Behörde setzt sich langfristig dafür ein, den Antragsprozess zu vereinfachen und vor allem das umfangreiche bundeseinheitliche Antragsformular zu verkürzen.“
Familien stehen in Deutschland verschiedene finanzielle Leistungen zu. Welche das sind und wie man sie erhält, ist jedoch oft schwer zu durchschauen. Eine Gruppe von Studierenden will das ändern – unter ihnen eine Lokstedterin.
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