Behördenwahnsinn: Studierende wollen Familien mit App entlasten
Familien stehen in Deutschland verschiedene finanzielle Leistungen zu. Welche das sind und wie man sie erhält, ist jedoch oft schwer zu durchschauen. Eine Gruppe von Studierenden will das ändern – unter ihnen eine Lokstedterin.
Von Julia HaasSie sind Anfang 20, studieren Jura und haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: den Behördenwahnsinn für Familien zu beenden. Fünf Studierende der Bucerius Law School in Hamburg haben eine App entwickelt, die Familien den Zugang zu staatlichen Leistungen erleichtern und bürokratische Hürden abbauen soll – ohne Papierkram und kompliziertes Behördendeutsch. So zumindest die Hoffnung.
App soll Familien unterstützen
Die Idee dazu kam Merit Lachmann beim Arzt. Während sie selbst im Wartezimmer saß, beobachtete sie eine schwangere Frau, die sich mit zahlreichen Formularen abmühte. „Viele kämpfen mit dem Papierkram für Elternzeit, Elterngeld oder Kindergeld“, sagt die 20-jährige Studentin. Sprachbarrieren oder fehlendes Wissen würden häufig dazu führen, dass Familien nicht das erhalten, was ihnen eigentlich zusteht.
Beim ersten „Hamburg Legal Hackathon“ versuchte Lachmann, für dieses Problem eine Lösung zu finden – und diese auch technisch umzusetzen. Innerhalb von zwei Tagen entwickelte sie gemeinsam mit ihrem Team „Bambini“; eine mobile Anwendung, die Eltern unterstützen soll.
„Hamburg Legal Hackathon“
Im Mai 2025 fand der erste „Hamburg Legal Hackathon“ an der Bucerius Law School statt. Studierende aus den Bereichen Recht, Informatik und Design kamen zusammen, um digitale Lösungen zu entwickeln, die Barrieren im Zugang zum Recht abbauen. Mit „Bambini“ belegte das Team den ersten Platz.
So funktioniert „Bambini“
Herzstück von „Bambini“ ist eine Webseite, die mögliche Leistungen für Familien übersichtlich macht. Das soll für Transparenz sorgen. Im ersten Schritt geben die Eltern den Namen ihres Kindes ein und laden die Geburtsurkunde hoch. Anhand weniger Angaben erkennt die Anwendung, welcher Fall vorliegt, und übersetzt den entsprechenden Antrag in eine Reihe einfacher Fragen. „Für einen Kindergeldantrag müssen Nutzende weniger als zehn Fragen beantworten“, sagt Michaela Idawain, ebenfalls Teil des Gründerteams. Üblicherweise bestehe ein solcher Antrag aus dutzenden Seiten juristischer Fachsprache.
Seit dem Hackathon sind mehrere Monate vergangen, in denen die Studierenden ihre Idee mit professioneller Unterstützung weiterentwickelt haben. Im Frühjahr soll „Bambini“ an den Start gehen – zunächst kostenlos.
Was sich noch ändern soll
Noch sind jedoch nicht alle Fragen geklärt. So fehlt bislang eine optimale Lösung für die Übermittlung der Daten. Eine direkte Schnittstelle zu den Behörden existiert nicht. Derzeit läuft es darauf hinaus, dass am Ende der digitalen Anwendung doch ein Ausdruck steht, der bei der zuständigen Stelle eingereicht werden muss.
Ganz zufrieden sind Lachmann und Idawain damit nicht. Dennoch zeigen sie sich optimistisch, weitere Wege zu finden, um Familien mit „Bambini“ langfristig umfassend zu entlasten.
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