Grundschule in Lokstedt: So sollen Elterntaxis fernbleiben
Nicht mit dem Auto, sondern zu Fuß zur Schule: In Lokstedt gibt es jetzt einen „Schulexpress“. Wie das Projekt aussieht.
Von Julia HaasSie meinen es gut, machen die Verkehrssituation in der Regel aber schlimmer: Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto vor der Schule absetzen. Sogenannte Elterntaxis sorgen für volle und oft unübersichtliche Straßen. In Lokstedt soll sich das nun ändern. An der Grundschule Vizelinstraße ist heute ein „Schulexpress“ gestartet, um den Autoverkehr an der Schule zu reduzieren.
Zu Fuß statt mit dem Auto
Hinter dem „Schulexpress“ steht die Idee, dass sich Schülerinnen und Schüler an festen Treffpunkten verabreden, um gemeinsam zur Schule zu laufen. Rund um die Grundschule Vizelinstraße wurden acht Haltestellen definiert – zum Beispiel in der Julius-Vosseler-Straße oder im Veilchenweg.

So sollen Kinder ermutigt werden, den Schulweg eigenständig in Gruppen zurückzulegen. Gleichzeitig soll das Verkehrsaufkommen unmittelbar vor der Schule sinken. Familien, die weiter weg wohnen, können eine der Haltestellen mit dem Auto anfahren – von dort geht es für Schülerinnen und Schüler entlang festgelegter Routen zu Fuß weiter.
Am Mittwochmorgen zog der „Schulexpress“ erstmals offiziell durch die Straßen. In den ersten Tagen des Projekts begleiten Eltern in Warnwesten die Schülerinnen und Schüler. Polizeibeamte unterstützen in der Anfangszeit an heiklen Verkehrspunkten.

Schulwege: Gefährliche Stellen gemeldet
Im Vorfeld hatten Eltern die Schulwege ihrer Kinder und mögliche Gefahrenstellen dokumentiert. Darauf basierend wurden die Haltestellen und Routen des „Schulexpresses“ erstellt.
Besonders kritische Stellen seien bei den zuständigen Behörden und bei der Polizei gemeldet worden. „Die Schule hofft, dass diese Hinweise dazu beitragen, die Verkehrssituation für Kinder langfristig sicherer zu gestalten.“ Dabei geht es um Überquerungen in der Julius-Vosseler-Straße, im Veilchenweg und im Lohkoppelweg.
Bewusstsein nimmt zu
Das Konzept „Schulexpress“ kommt aus Bremen. Verena Nölle entwickelte es, um den Autoverkehr vor Schulen zu reduzieren, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und gleichzeitig die Selbstständigkeit der Kinder zu stärken. Inzwischen wird es bundesweit von mehr als 200 Schulen umgesetzt.
Zum Auftakt in Lokstedt ist auch Nölle gekommen, die die Schule und Eltern bei der Umsetzung beraten und begleitet hat. Ihr Eindruck sei, dass die Thematik in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen habe. Das Bewusstsein für die Sicherheit auf Schulwegen nehme zu; immer mehr Menschen würden etwas ändern wollen.
Was kostet ein „Schulexpress“?
Etwa 5.000 Euro hat die Einführung des „Schulexpresses“ in Lokstedt gekostet. Für rund die Hälfte kamen Sponsoren auf, den Rest übernahm die Schule selbst.
Weitere Projekte sollen folgen
Yvonne Dannenberg, die die Grundschule Vizelinstraße leitet, stand am Mittwochmorgen am Eingang und begrüßte die eintrudelnden Schülergruppen. Neben mehreren Eltern hat sie sich für den „Schulexpress“ eingesetzt. Sie sei sicher, dass das Konzept nicht nur die Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler fördere, sondern auch Eltern dabei unterstütze, zu lernen, loszulassen.
Eltern und Schulleitung hoffen, dass in Zukunft weitere Projekte folgen, die die Verkehrssicherheit im Schulumfeld erhöhen – zum Beispiel eine Schulstraße. Auch Aktionstage und ein „Bici Bus“ – eine organisierte Fahrradkolonne, die Kinder auf dem Weg einsammelt – seien in Planung. Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatten Eltern und Schüler mit einer Fahrraddemonstration auf die Verkehrssituation rund um die Grundschule Vizelinstraße aufmerksam gemacht.
lokal. unabhängig. unbestechlich.
Eimsbüttel+

Mit Eimsbüttel+ hast du Zugriff auf alle Plus-Inhalte der Eimsbütteler Nachrichten. Zudem erhältst du exklusive Angebote, Deals und Rabatte von unseren Partnern.
