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fullscreen Freifunker in Eimsbüttel: Gratis-WLAN aus Überzeugung
Alexander Bernhardt ist seit einem Jahr Freifunker. Foto: Tim Eckhardt

Freifunker in Eimsbüttel: Gratis-WLAN aus Überzeugung

Alexander Bernhardt teilt seinen Internetanschluss mit Unbekannten. Er ist davon überzeugt, dass es überall in Hamburg einen freien Zugang zum Internet geben sollte. Seit mehr als einem Jahr ist er Freifunker – ganz ohne kommerzielle Hintergedanken.

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Alexander Bernhardt ist Technikfan, Besitzer einer IT-Firma und seit einem Jahr Freifunker. Foto: Tim Eckhardt
Alexander Bernhardt ist Technikfan, Besitzer einer IT-Firma und seit einem Jahr Freifunker. Foto: Tim Eckhardt

In Eimsbüttel fehlt etwas. Um genau zu sein: nicht nur in Eimsbüttel, sondern in ganz Hamburg. Noch korrekter wäre ganz Deutschland. Mangelware sind freie Internetzugänge. An einigen öffentlichen Plätzen wie Cafés, Flughäfen oder Restaurants lassen sich WLAN-Hotspots zwar gelegentlich unentgeltlich nutzen, stehen in der Regel jedoch nur Kunden zur Verfügung. Alexander Bernhardt will dies ändern.

Er ist Teil der Hamburger Freifunk-Community, deren Ziel die Verbreitung freier und kostenloser Netzwerke, die Demokratisierung der Kommunikationsmedien und die Förderung lokaler Sozialstrukturen ist. Auf den regelmäßigen Treffen versammeln sich „überwiegend Nerds, die alle Klischees erfüllen“, bemerkt Alex. Er weiß, wovon er redet, denn er ist selbst „Technikfreak“ der ersten Stunde und tüftelte früher mit Gleichgesinnten und seinem Atari ST an Mailboxes, einem serverähnlichen Netzwerk, das zum Datenaustausch genutzt wurde.

Gegen die Störerhaftung

Einen Verein oder vergleichbare Institutionen im Hintergrund gibt es nicht. Dafür einen klaren Gegner: die Störerhaftung. Diese ist im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert und sorgt dafür, dass der Besitzer eines Internetanschlusses dafür verantwortlich ist, was über seinen Zugang passiert – selbst wenn sich ohne sein Wissen ein Dritter auf seinen Router einloggt. „Das ist doch bescheuert“, sagt Alex, „es wird ja auch nicht Lichtblick dafür verantwortlich gemacht, wenn jemand deren Strom für illegale Sachen nutzt“. Doch wie soll ein freies, firmenunabhängiges Internet ohne finanzielle Mittel für Netzausbau und Infrastruktur funktionieren?

Die Lösung ist simpel: In Alex‘ Wohnung in der Gutenbergstraße stehen zwei Router. Ein gängiger von seinem Netzanbieter und ein Freifunk-Router. Von außen nicht erkennbar, arbeitet auf dem Gerät eine spezielle Firmware, die die Community gemeinsam entwickelt hat. Das Herzstück von Freifunk. Sie sorgt dafür, dass zwischen den rund 400 Knotenpunkten in Hamburg ein Netzwerk entsteht und dass – falls mal ein Router ausfällt – nicht gleich alle ohne Internet sind. Das Rückgrat des Netzwerks sind die Gateways. Sie tunneln den Datenverkehr und leiten ihn über die Niederlande um. Die Störerhaftung wird dadurch umgangen. Alle Personen im Freifunk-Netz surfen mit einer niederländischen IP und sind durch zusätzliche Verschlüsselungsmechanismen weitestgehend anonym.

Das Internet mit Fremden teilen

Theoretisch kann also jeder, der will, auf Kosten des Datenvolumens eines Fremden illegal Filme ziehen, ohne große Angst davor haben zu müssen, belangt zu werden. „Von solch konstruierten Fällen halte ich nichts“, meint Alex. Das Freifunk-Netz sei viel zu langsam, um professionellen Saugern Spaß zu machen. Außerdem können Anschlussinhaber den Umfang des Datenvolumens, den sie für andere freigeben wollen, limitieren. Niemand ist verpflichtet, seine ganze Bandbreite zur Verfügung zu stellen, „und im Notfall lässt sich immer noch der Stecker ziehen“.

Aber auch in der idealistischen Freifunk-Community gibt es schwarze Schafe. Ein Spamer in Berlin nutzte vor einiger Zeit die Anonymität des Netzwerks aus, um Malware zu verschicken. Der betroffene Router wurde daraufhin „weggeklemmt“. Für Alex ist das Zensur, die sich nicht vermeiden lasse. Normalerweise werde der Datenverkehr jedoch in keiner Form überwacht und alle Dateien diskriminierungsfrei übermittelt. Netzneutralität ist den Freifunkern ebenso wichtig wie Unabhängigkeit.

Der Freifunk-Router unterscheidet sich von anderen Geräten durch die Software. Foto: Tim Eckhardt
Der Freifunk-Router unterscheidet sich von anderen Geräten durch die Software. Foto: Tim Eckhardt

Mit Letzterer ist es genau genommen aber nicht weit her, denn schließlich sind es reguläre Internetanschlüsse, die die Freifunker untereinander teilen. Das Netzwerk ist also alles andere als unabhängig. Der einzelne Nutzer hingegen schon. „Wenn ich zum Beispiel Ärger mit O2 habe und die mir mit der Abschaltung des Internets drohen, dann ist mir das sehr egal“, sagt Alex. E-Mails checken und surfen kann er auch über Freifunk. Und je mehr Leute in der Umgebung Freifunker sind, desto unabhängiger und zuverlässiger wird das Netzwerk. Ideal sei das Konzept daher für ländliche Gegenden, in denen nur ein Teil der Gemeinde Zugang zu schnellem Internet hat. Mithilfe der Freifunk-Router und einer zusätzlichen Richtantenne lasse sich der regionale Netzausbau aus Bürgerhand finanzieren.

Einsam im Netz

Viel Technikverständnis brauche man zum Mitmachen nicht. Interessierte können sich einfach im Humanist Lab in Altona einen Router mit der Freifunk-Firmware holen. Rund 30 Euro fallen als Kosten für das Gerät an. Zu Hause muss der Router dann nur noch angeschlossen werden und schon ist man Teil der Community. Fühlt sich allerdings nicht als Teil selbiger, sagt Alex.

Für gewöhnlich erfährt man nicht, wenn jemand den eigenen Internetanschluss genutzt hat, und es besteht auch keine Möglichkeit, Danke zu sagen. Eine Identifizierung der Nutzer würde dem Anonymisierungswunsch vieler Freifunker entgegenlaufen. Alex glaubt, dass dieser Umstand es weniger technikaffinen Nutzern schwierig mache, sich für Freifunk zu begeistern. Allerdings stört dies nicht jeden in der Community: „Einige von den Techies wollen gar nicht, dass andere an dem Projekt teilhaben“, erklärt Alex. Er hält diese Einstellung für falsch. „Wir müssen Freifunk viel bekannter machen und mehr darüber reden.“ Er wünscht sich „mehr Gamification“, Trophäen und Infokarten: „Die könnte man einfach Café-Besitzern in Eimsbüttel auf den Tresen legen und sagen: ‚Ich hätte hier gerne Freifunk genutzt.‘“ Nur so könne man irgendwann das Ziel erreichen, durch die Osterstraße zu laufen und die ganze Zeit über WLAN zu surfen.

Zur Karte aller Freifunk-Hotspots 

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