Schnelsen-Süd: Integration am Tandoori-Ofen
Sevim Vural freut sich über den neuen Ofen. Er weckt bei ihr Kindheitserinnerungen. Foto: Leon Battran
Stadtteilentwicklung

Schnelsen-Süd: Integration am Tandoori-Ofen

Ein großer mobiler Tandoori-Ofen ist der neue Anziehungspunkt in der Sozialwohnsiedlung Schnelsen-Süd. Realisiert wurde das Projekt von der Lawaetz-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Lions Club Hamburg-Victoria. Es steht im Zeichen der Integration und Stadtteilentwicklung.

Die Bewohner von Schnelsen-Süd haben einen gemeinschaftlichen Tandoori-Ofen bekommen. Er kommt aus London, sieht aus wie ein breiter Metallschrank auf Rädern und ist die neueste Attraktion im Viertel. Am Mittwoch Abend wurde der Gasofen zum ersten Mal in Betrieb genommen. Die Bewohner haben Teig vorbereitet und sich ihr eigenes Brot gebacken.

Der Ofen findet Anklang

Die Bewohner freuen sich über den Ofen. Einige haben Teig vorbereitet, den sie ausrollen und mit Schafskäse und Petersilie befüllen. Zum Backen wird der Teig einfach an die Innenwand des Ofens geklatscht. Wenn der Ofen heiß ist, dauert es nur wenige Minuten, bis der Teig durchgebacken ist. Einmal in der Woche soll der Ofen nun angeheizt werden: “Mittwoch ist jetzt Ofentag.” Karin Robben verlässt sich auf die Mund-zu-Mund-Propaganda. “Solche Neuigkeiten machen hier sehr schnell die Runde.”

Die Anwohnerin Sevim Vural ist mit 17 Jahren aus der Türkei nach Hamburg gekommen. Sie freut sich sehr über den neuen Ofen, weil er sie an ihre Kindheit in der Türkei erinnert. “Mit acht Jahren habe ich das schon gemacht”, erzählt sie. Sie hatten damals eine Feuerstelle im Boden, die mit Lehm ausgekleidet war. Sie wurde mit Holz befeuert, um Brot zu backen und Fleisch zu grillen.

Auch Christian Mischke vom Stadtteilbüro der Lawaetz-Stiftung zieht eine positive Bilanz: “Der Ofen ist wie ein Multiplikator, man stellt sich hin und die Leute kommen.”

Ein langer Weg für den Tandoori-Ofen

Realisiert wurde die Anschaffung des Ofens von Karin Robben, Quartiersentwicklerin der Lawaetz-Stiftung, und Ulla Kutter vom Kinder- und Familienzentrum Schnelsen. Beide sind auch im Stadtteilbeirat aktiv. Hier treffen sich Bewohner, politische Vertreter und Mitarbeiter von Einrichtungen im Stadtteil. Sie befassen sich mit der Stadtteilentwicklung, verwalten städtische Gelder und planen soziale Projekte.

Schnelsen-Süd zählt etwa 2700 Einwohner. Im Zentrum des Stadtteils steht eine große Sozialbausiedlung der SAGA aus den siebziger Jahren. Hier leben viele Zuwanderer, die aus über 30 verschiedenen Ländern und Kulturräumen stammen.

Die Idee zu einem “Integrations-Ofen” kam Karin Robben bereits vor einiger Zeit. “Viele leben schon seit vielen Jahren hier, sind aber trotzdem noch nicht gut integriert”, erklärt die Quartiersentwicklerin. Von den Bewohnern hat sie gehört, dass sie den Geschmack von frisch gebackenem Brot vermissen und auch das soziale Zusammensein dabei. Eine offene Feuerstelle wurde jedoch aus Sicherheitsgründen nicht gestattet. So kam es zu der Idee mit dem Ofen.

Der britische Ofen wird gasbetrieben, ist groß, beweglich und sicher in der Handhabung. Karin Robben hat ihn via Ebay gekauft. Gesponsert wurde der 2000 Euro teure Ofen vom Lions Club Deutschland. Ein Hamburger Ableger des Vereins, der Lions Club Hamburg-Victoria, hatte sich um die Finanzierung bemüht. Der Vereinspräsident Thomas Guse war seinerseits Mitglied im Stadtteilbeirat in Schnelsen. Deshalb war ihm die “Ofenfinanzierungsproblematik” bekannt. Vizepräsidentin Ute Guse lobt das Projekt und das frische Brot: “Das ist gelebte Integration.”

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