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„Ultra-Treff“ in Eimsbüttel: Was klingt, wie eine Polizeimeldung vom letzten Fußball-Wochenende, war in Wirklichkeit ein Kinoerlebnis der anderen Sorte.
Sarah Kuttner (links) und Stefan Niggemeier während ihres Live-Auftritts. Neben Filmen und Serien unterhielten sie sich auch über TikTok, Pferde und ihre Hunde. Foto: Jasper Karin
Kino

Ultras im Filmraum: Eine Hand wäscht die andere

„Ultra-Treff“ in Eimsbüttel: Was klingt, wie eine Polizeimeldung vom letzten Fußball-Wochenende, war in Wirklichkeit ein Kinoerlebnis der anderen Sorte.

Von Jasper Karin

Wer hereinkommt, steht direkt vor der Leinwand. Der Filmraum in der Müggenkampstraße ist beschaulich: Die alten Sessel schimmern rot, im Hintergrund ploppen Maiskörner in der Popcornmaschine. Doch statt für einen Film sind die Kinogäste an diesem Montag aus ganz Deutschland für einen Liveauftritt des Podcasts „Das kleine Fernsehballett“ angereist.

Die Podcaster Sarah Kuttner und Stefan Niggemeier sitzen auf einem knautschigen Sofa und trinken schwarzen Kaffee. Seit zehn Jahren tauschen sich die beiden über Filme, Serien und ihr Privatleben aus – und nehmen sich dabei auf. Eigentlich wohnen die beiden in Berlin, doch im Filmraum in Eimsbüttel fühlen sie sich wohl: „Der Filmraum ist klein, gemütlich und etwas durcheinander – wie wir“, sagt Kuttner mit einem Schmunzeln.

Ultras aus Hannover, Frankfurt und Bonn

Ihr heutiger Gastgeber ist Behzad Safari. Seit etwa elf Jahren schafft der Betreiber des Filmraums den „Spagat zwischen kleinen Autorenfilmen und größeren Produktionen“ – finanziell ist das nicht immer einfach.

Die Idee, die Podcaster einzuladen, kam von Dieter Niemerszein. Als Hörer des Podcasts und Fan des Filmraus stellte er den Kontakt her. „Heute werden alle glücklich: der Filmraum, der Podcast und die Ultras“, sagt Kuttner. Niggemeier fügt hinzu: „Eine Hand wäscht die andere.“

Podcast-Fan Sylvie Röttgen (links) mit Filmraum-Betreiber Behzad Safari. Safari sagt: „Von diesen Aktionen leben wir.“
Podcast-Fan Sylvie Röttgen (links) mit Filmraum-Betreiber Behzad Safari. Safari sagt: „Von diesen Aktionen leben wir.“ Foto: Jasper Karin

Als „Ultras“ werden die Hörerinnen und Hörer bezeichnet, die den Podcast mit einer bezahlten Mitgliedschaft unterstützen. Sie kommen aus Hannover, Frankfurt oder Bonn. Unter ihnen ist auch Sylvie Röttgen. „Ich bin seit zehn Jahren Fan der beiden“, erzählt sie. Auf den Podcast gekommen sei sie durch ihr Interesse an Filmen, geblieben sei sie wegen des familiären Gefühls.

„Ich hätte jetzt Lust, hier einen Film zu schauen“

Sie und die anderen Zuschauerinnen und Zuschauer hören an diesem Nachmittag Kuttner und Niggemeier beim Quatschen zu. Erst geht es um den letzten Urlaub auf dem Bauernhof, dann um Tiktok-Videos. Schließlich reden sie über Fernsehen. Dabei kommen Kuttner und Niggemeier ohne gestelzte Filmkenner-Vokabeln aus und erzählen frei heraus. Statt „dramaturgischer Träge ohne Progression“ war die Serie „halt einfach zu langweilig“.

Nach einer Tour durch Filme, Serien und die letzte Krimi-Dinner-Erfahrung Kuttners verabschieden sich die Podcaster wieder. „Von mir aus, kommen wir gerne wieder“, sagt Niggemeier zum Abschied. Kuttner fügt hinzu: „Ich hätte jetzt richtig Lust, hier einen Film zu schauen.“

Zukunft des Filmraums vage

Der Filmraum scheint bei den Gästen aus Berlin Eindruck gemacht zu haben. Ob es ihn in einiger Zukunft noch geben wird, kann Betreiber Safari nicht sagen. „Wir leben von solchen Aktionen“, meint er. Sie schaffen Aufmerksamkeit für den kleinen Filmraum in der Müggenkampstraße.


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