Erster MOOC an der Uni Hamburg
An der Uni Hamburg ist der erste kostenlose Online-Kurs gestartet. Das Modell verspricht eine Öffnung der Lehre. Ein Gespräch mit einem der MOOC-Macher zum Start des Projektes.
Von Nele DeutschmannEimsbütteler Nachrichten: Was ist ein MOOC und wie spricht man es überhaupt aus?
Michael Sartor: Man spricht es „Muhk“ aus. Muh, wie die Kuh, nur mit einem k am Ende. MOOCs sind „Massive Open Online Courses“. Massive, weil sehr viele Menschen an diesen Kursen teilnehmen können. Der Durchbruch war eine Stanford-Vorlesung von Sebastian Thrun mit 160.000 Teilnehmern. Das sind natürlich viel mehr, als man sonst in einen Hörsaal reinkriegt. Das macht diese Veranstaltungen zu etwas Besonderem.
Das erste O steht für open. Jeder kann darauf zugreifen. Auch Studenten, die nicht an der Uni eingeschrieben sind. Das ist natürlich für besonders die Menschen interessant, die keinen Zugang zu den Top-Unis wie Havard, Stanford oder eben Hamburg haben – ohne uns da in eine Reihe stellen zu wollen.
Das zweite O steht für online. Man muss nicht an der Uni sein und die Inhalte sind immer im Netz verfügbar. Das Video ist da, man kann es anhalten, wieder abspielen, nochmal von vorn anschauen. Und Course ist eben der Kurs.
Eimsbütteler Nachrichten: Für euch sind die Vorteile dieser Lehrform also die breite Streuung, die Möglichkeit, dass viele drauf zugreifen können?
Michael Sartor: Neben der Verbreitung bietet auch die Form Vorteile: Man kann die Inhalte, die man sonst nur durch Powerpoint-Präsentationen im Hörsaal präsentiert, für das Internet ganz anders aufbereiten. Was wir nicht machen, sind abgefilmte Vorlesungen. Wir produzieren die Inhalte der Online-Kurse direkt neu.
Eimsbütteler Nachrichten: Am Dienstag ist der erste Online-Kurs gestartet. Wie ist er in Hamburg angelaufen?
Michael Sartor: Die meisten der Leute kommen gar nicht aus Hamburg. Wir haben mehr als 11.000 angemeldete Studenten in dem Kurs und davon kommt ein knappes Prozent aus Hamburg. Hamburger sind also relativ wenig dabei.
Eimsbütteler Nachrichten: Wie viele Videos sind schon abgedreht?
Michael Sartor: Die Hälfte der Videos sind schon produziert und die andere Hälfte müssen wir noch drehen, während der Kurs läuft. Wir sind also immer noch dabei.
Eimsbütteler Nachrichten: Das Projekt konnte dank Stiftungsgeldern finanziert werden. Wie geht es nun weiter?
Michael Sartor: Generell ist es natürlich so, dass die produzierten Videos immer wieder ins Netz gestellt werden können. Die Arbeitszeit, die wir da investiert haben, geht also nicht verloren. Man kann dann auch leichter neue erstellen, als wenn man von Null an startet.
Eimsbütteler Nachrichten: Die Form wollt ihr also weiterführen und vielleicht auch ausbauen?
Michael Sartor: Erstmal werden wir nun die Resonanz abwarten und schauen, wie der Kurs ankommt. Aber die ersten Erfahrungen, die wir damit gemacht haben, sind durchweg positiv. Wir können uns also vorstellen, das Projekt weiterzuführen. Ob in der jetzigen Form wissen wir noch nicht so genau. Eine Möglichkeit wäre, einen sogenannten Flipped Classroom zumachen. Die Idee: Man zeigt den Studenten die Lehr-Videos. Diese können sie sich dann selbstständig angucken. Die Zeit im Hörsaal wird dann nur noch für Diskussion genutzt. Das Konzept könnten wir uns auch ganz gut vorstellen.
Eimsbütteler Nachrichten: Geht bei dieser Art der Lehre nicht vielleicht auch etwas verloren, wenn der Student hauptsächlich allein vor dem Bildschirm arbeitet und Fragen nur noch in den begleitenden Seminaren gestellt werden können?
Michael Sartor: Wir wollen die klassische Vorlesung nicht ersetzen. Der Kurs ist beispielsweise nicht als Mittel geplant, um Kosten einzusparen. Im Gegenteil: Die Produktion ist viel aufwändiger als für eine normale Vorlesung.
Wir sehen die MOOCs als Ergänzung zu dem an, was die Uni bietet. Und man hat die Möglichkeit, Vorlesungsstoff anders zu präsentieren. Die Studenten erarbeiten sich den Stoff selbst. So kann der Lehrende die Zeit, die er für die Studenten zu Verfügung hat, viel intensiver für Fragen und Betreuung nutzen.
Michael Sartor ist Doktorand am Institut für anorganische und angewandte Chemie der Universität Hamburg und Projektpartner von Frank Hoffmann. Unter Hoffmanns Leitung produzieren sie die Online-Kurse zum Thema „Faszination Kristalle und Symmetrie“. Die Kurse werden auf Englisch gehalten.
