Von wegen eitel Sonnenschein
In einer ruppigen Partie gewann der FC Eintracht Norderstedt verdient mit 3:0 (1:0) gegen die Gäste aus Hamburg. Das Team vom SC Victoria brauchte eine Halbzeit, um die Strapazen der zwanzigminütigen Anreise abzustreifen und konnte nur phasenweise mithalten.
Von Gast
Das Derby zwischen Eintracht Norderstedt und dem SC Victoria Hamburg kann man nicht mit Fußball unter Freunden beschreiben. Schon vor dem Spiel setzte es kleine Spitzen aus der Vorstadt. „Es ist schade, dass nicht weitere Mannschaften aufsteigen können, dafür aber Vicky zum zweiten Mal in Folge nicht absteigen würde“, kommentierte Eintracht-Coach Thomas Seeliger vor dem Spiel im Hamburger Abendblatt die Tatsache, dass Vicky Platz 17 höchstwahrscheinlich zum Klassenerhalt reichen wird.
1. Halbzeit: Vicky wirkt lustlos
Auch der 2. Vorsitzende von Eintracht Norderstedt scheint Vicky den Klassenerhalt nicht zu gönnen. Im Stadion-Heft schrieb er: „Ganz herzlich begrüßen wir natürlich auch unsere Gäste … seit dem vergangenen 32. Spieltag steht fest: Vicky steigt ab in die Oberliga Hamburg“, so Thomas Hochmuth. Hochmut kommt vor dem Fall, mochte man dem offensichtlich fehlinformierten Verantwortlichen zurufen, doch Victoria präsentierte sich in der ersten Halbzeit tatsächlich wie ein Absteiger. Das Team von Trainer Lutz Göttling wirkte lustlos, kam zu spät in die Zweikämpfe und zeigte kaum Bewegung ohne Ball.

Bei strahlendem Sonnenschein bewahrten Glück und ein wieder einmal hervorragender Torhüter die Gäste aus Hamburg bis zur 45. Minute vor einem Rückstand. Bis dahin hatte Norderstedt vor 352 Zuschauern fünf hochklassige Torchancen herausgespielt.
Gleich in der siebten Minute hielt Tobias Grubba einen Schuss von Juri Marxen, der nach Vorlage von Deran Toksöz aus acht Metern vergab. Den anschließenden Eckball hätte Jan-Marc Schneider beinahe per Kopf im Tor untergebracht, Kutay Keklikci klärte auf der Linie.
1:0 durch Freistoß
Bevor Linus Meyer ins Tor traf, vergab er in der 18. Minute aus 13 Metern mit einem Drehschuss. Sein Treffer nur vier Minuten später wurde aber nicht anerkannt. Toksöz hatte zuvor Grubba geprüft und Meyer stand beim Nachschuss im Abseits.
Wiederum nur zwei Minuten später prüfte Steffen Heinemann SCV-Keeper Grubba mit einem Kopfball aus fünf Metern. Als die Victoria-Fans schon glaubten, ihr Team käme ungeschoren davon, traf Philipp Koch per Freistoß. Der Kapitän schlenzte das Spielgerät aus halblinker Position vor dem Strafraum in den linken oberen Torwinkel.
Kutay Keklikci belebt Vicky Spiel

Das blutleere Auftreten der Gäste wurde mit nur einem Gegentreffer bestraft und so musste selbst der neutrale Beobachter ein Desaster für die zweite Hälfte befürchten. Doch es kam anders. Norderstedt nahm sich im Auftreten zurück, stellte das aggressive Pressing, das Vicky in der ersten Hälfte nicht gut genug umspielte, ein.
Die Gäste wiederum legten eine Schippe drauf und aus der zuvor einseitigen Partie wurde ein ausgeglichenes Spiel. Vicky kam sogar zu Chancen. Die Stunde des Kutay Keklikci hatte geschlagen. Der Außenverteidiger suchte immer wieder den Weg mit nach vorne und belebte die linke Seite mit dem nun aktiveren Steven Lindener zum Leben.
In der 49. Minute fand eine Keklikci-Flanke von der Grundlinie den Kopf von Lindener, der den Ball aber nicht platzieren konnte. Nach Zusammenspiel mit Keklikci kam dann Lindener zum Flanken. Die butterweiche Hereingabe hätte Vincent Boock nur einzudrücken brauchen, doch er bewarb sich für eine Übungswoche am Kopfballpendel (50.). Dann war wieder die Norderstedter an der Reihe, die nun auf Konterfußball setzten. Marxen verpasste nach perfekter Hereingabe von Meyer sechs Meter vor dem Tor (62.).

Das 2:0 und das 3:0
Kutay Keklikci mit einer verunglückten Flanke und Vincent Boock nach tollem Zusammenspiel mit Tim Grundmann vergaben weitere Chancen für die Gäste. Auf der anderen Seite scheiterten Jan Lüneburg und Deran Toksöz aus bester Lage allein vor Grubba.
Eine weitere Standardsituation sorgte dann für das vorentscheidende 2:0. Toksöz hatte einen Freistoß von der linken Flanke an den langen Pfosten gegeben, wo Jan Lüneburg gegen den indisponierten Grubba per Kopf treffen konnte (84.).
In der 90. Minute besorgte Jürgen Tunjic den Endstand der Partie per Strafstoß. Noel Below hatte Toksöz im Sechzehner von den Beinen geholt und dafür die Gelb-Rote-Karte gesehen. Weder die Stimmen im Vorfeld des Spiels noch das ruppige Auftreten beider Teams während der Partie hatten dafür gesorgt, dass an diesem Nachmittag neue Freundschaften geknüpft wurden.

Vicky muss nun auf Platz 17 hoffen
Victoria hofft weiterhin darauf, dass der 17. Tabellenplatz zum Klassenerhalt reichen wird. Da der SV Eichede aber sein Heimspiel gegen Braunschweig II in der Nachspielzeit mit 1:0 gewinnen konnte, ist Vicky nun Tabellenletzter. Für das Erreichen des 17. Platzes muss Vicky im letzten Heimspiel gegen BSV SW Rehden mehr Punkte holen als Eichede im Auswärtsspiel in Oldenburg.
Nach dem Auftreten in Norderstedt fehlt für berechtigte Hoffnung jeder Funken. Vielleicht kann sich das Team von Lutz Göttling diesen Funken von der zweiten Mannschaft des eigenen Clubs holen. Vicky II stieg am Sonntag nach einem dramatischen 2:1-Sieg in Poppenbüttel in die Landesliga auf.

Eintracht Norderstedt – SC Victoria Hamburg 3:0 (1:0)
Norderstedt: Johannes HÖCKER – Steffen HEINEMANN, Marin MANDIC, Mike EGLSEDER, Dane KUMMERFELD – Philipp KOCH – Jan-Marc SCHNEIDER, Linus MEYER, Marius BROWARCZYK, Juri MARXEN, Deran TOKSÖZ.
Victoria Hamburg: Tobias GRUBBA – Sergej SCHULZ, David EYBÄCHER, Noel BELOW, Kutay KEKLIKCI – Vincent BOOCK, Benny BAMBUR, Benny HOSE, Kerim CAROLUS, Steven LINDENER – Tim GRUNDMANN.
1:0 Philipp Koch (45.), 2:0 Jan Lüneburg (84.), 3:0 Jürgen Tunjic (90.)
Zuschauer 352
Gastautor: Michel Massing
