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Das Herz der Lenzsiedlung

Die Lenzsiedlung ist ein markanter Ort mitten in Eimsbüttel, der immer noch mit Vorbehalten zu kämpfen hat. Ein Besuch lohnt sich, denn die Siedlung hat einiges zu bieten.

Von Nora Helbling
Die Lenzsiedlung Foto: Nora Helbling

Die Lenzsiedlung Foto: Nora Helbling

Ralf Helling, Geschäftsführer des Vereins Lenzsiedlung e.V., blinzelt in die Sonne. „Hier könnte man den ganzen Tag sitzen und schnacken.“ Das Café Veronika neben dem Bürgerhaus hat einen kleinen Außenbereich mit einer Wiese und die Sonne meint es auch mal gut. Im Hintergrund hört man einen Singkreis „Hey Jude“ von den Beatles singen. Hier kommt weniger das Gefühl von Mittagspause als von Sommerferien auf.

Wie eine Festung

Außerhalb der Lenzsiedlung scheint es so zu sein: Entweder man kennt sie nicht. Oder aber es heißt: Ach ja, das Ghetto. Mitten in Eimsbüttel steht die Lenzsiedlung wie eine Festung. Auf dichtem Raum leben hier mehr als 3.000 Menschen aus rund 60 Nationen. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 14,8% (Hamburg 7,3 %). Ein Drittel der Menschen leben von Transferleistungen. Der Anteil an Kindern und Jugendlichen ist mit 26,3% im Vergleich zum Rest der Stadt (15,6%) sehr hoch.

Seit drei Jahren ist Ralf Helling beim Verein Lenzsiedlung e.V., der wiederum schon seit 35 Jahren existiert. Ziel des Vereins ist es, Bewohner aus der Siedlung in ihren Lebenssituationen zu unterstützen und zu fördern. Es gibt ein Jugendhaus, einen Kinderclub und ein Bürgerhaus mit einem breiten Angebot: offene Treffs, Bildungs- und Beratungsangebote für Familien, Schwangere oder Schuldner, Tango- und PC-Kurse. Seit diesem Jahr gibt es außerdem einen Seniorentreff und den „LenzTreff“, ein Beratungsangebot für jedes denkbare Anliegen. Bei der Gestaltung der Räumlichkeiten sowie  des inhaltlichen Angebots unterstützen die Bewohner den Verein tatkräftig.

Für Ralf Helling ist eines besonders wichtig: „Es geht darum, Freiräume zu schaffen. Dass man ein Haus, einen Ort und eine Zeit aufmacht für alle möglichen Anliegen, gerne auch generationsübergreifend.“ Einen Raum zu schaffen, ist für Ralf Helling eine gesellschaftliche Notwendigkeit: „In Zeiten, in denen alles verwaltet und strukturiert wird, ist es schwierig, ebendiese Freiräume aufrecht zu erhalten. Aber ohne diese kann der Mensch sein kreatives Potential nicht freisetzen“, davon ist er überzeugt.

Die Finanzierung wackelt

Ein großes Problem ist – wie so oft – die Finanzierung. Die Lenzsiedlung wurde im Jahr 2000 in das Förderprogramm „Soziale (später Aktive und Integrierte) Stadtteilentwicklung” aufgenommen. Es wurde viel saniert und aufgebaut und mit Beteiligung der Bewohner gestaltet. Über die Jahre regnete es buchstäblich Preise für die Siedlung und die Arbeit des Vereins. Doch das Programm lief 2012 aus. Die Etablierung und Aufrechterhaltung der Projekte benötigen jedoch weiterhin Mittel. Besonders hart waren die Kürzungen des Senats in der „Offenen Kinder- und Jugendarbeit“ (OKJA), die 2013 in Kraft getreten sind. Für Ralf Helling und sein Team sind diese Einschnitte ernüchternd. Trotzdem wollen sie alles daran setzen, auch weiterhin Frei(-Räume) zu ermöglichen.

Ralf Helling Foto: Anne Eickenberg

Ralf Helling Foto: Anne Eickenberg

Der Verein ist gut vernetzt, es gibt Kooperationen mit interessierten Bürgern und Institutionen. Gerade vor kurzem wurde ein Theaterstück im 12. Stock eines der Hochhäuser aufgeführt. Eine ausgefallene Location.

Die Hochhaussiedlung kämpft noch mit einem anderen Problem: Das Stigma.

Damals in den 70ern, als die Siedlung von der SAGA gebaut wurde, war die Bauweise schick. Es ging um Urbanität durch Dichte, die Entstehung eines städtischen und bunten Lebens. Das hat sich geändert: Einfamilienhäuser und Altbauwohnungen werden wieder bevorzugt und die Hochhaussiedlung hat einen schlechten Ruf bekommen. Das markante Gebäude sorgt für zweierlei: Die Siedlung sticht heraus, ist unübersehbar. Sie wirkt aber auch isoliert. Zwischen Eimsbüttel und der Lenzsiedlung scheint es wenig Kontakt zu geben, von beiden Seiten. Vielleicht macht man sogar einen kleinen Bogen um sie herum, wenn sie auf dem Weg liegt. Das sollte man nicht. Jedenfalls nicht bei der Lenzsiedlung.

Nicht gefährlicher als auf der Osterstraße

Natürlich, sagt Ralf Helling, gebe es auch soziale Schwierigkeiten. Die bündeln sich in einem dicht bewohnten Hochhauskomplex zwangsläufig. „Befürchten muss man hier aber nichts.“ Es sei hier nicht gefährlicher als beispielsweise auf der Osterstraße.

Mittlerweile schlendern Mitarbeiter der anliegenden Firmen über die Wiese zum Café Veronika, für eine Mittagspause. Immer wieder kommen Leute von außerhalb zur Siedlung, für den Mittagstisch, den Spielplatz oder einfach nur mal gucken. Das freut Ralf Helling und die Mitarbeiter der Lenzsiedlung, denn nur so können Vorbehalte abgebaut werden. „Meistens“, erzählt Ralf Helling, „sagen sie dann: Ist ja gar nicht so schlimm hier. Ist ja eigentlich ganz schön.“

So bleibt die Lenzsiedlung auch im Kopf. Als schöner und doch ziemlich normaler Ort.

 

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