Hamburger Busverkehr wird emissionsfrei
Ein emissionsfreier Plug-In-Bus wird an einer Ladestation geladen. Foto: HOCHBAHN
Innovative Technologien

Hamburger Busverkehr wird emissionsfrei

Die Stadt Hamburg hat mit den Hamburger Busunternehmen eine Absichtserklärung unterzeichnet. Darin ist festgelegt, dass ab 2020 nur noch emissionsfreie Busse in der Hansestadt gekauft werden dürfen. Die Buslinien 4 und 5, die durch Eimsbüttel führen, profitieren davon.

Ab 2020 sollen in Hamburg von den Verkehrsunternehmen nur noch emissionsfreie Busse angeschafft werden. Darauf haben sich Senat und Verkehrsbetriebe vertraglich geeinigt. Bereits jetzt testen die Hochbahn und die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) auf einigen Strecken neuen Technologien. Von den rund 950 Bussen der Hochbahn werden 50 Busse mit Brennstoffzellen, Batterien oder diesel-elektrisch angetrieben. Auch die VHH betreibt zwei elektrisch betriebene Midi-Busse; ein rein elektrischer Gelenkbus ist bereits in der Test- und Erprobungsphase und ein weiterer soll noch dazu kommen. 2017 sollen außerdem zwei weitere Elektrobusse folgen.

Die neuen Busse seien wesentlich leiser. Außerdem stärke der Einsatz emissionsfreier Busse die Attraktivität für mehr umweltbewusste Nutzer und sichere die Zukunftsfähigkeit des Busverkehrs, bei gleichzeitig wachsenden Anforderungen an die Luftqualität sowie bei sinkender Verfügbarkeit fossiler Treibstoffe. So steht es in dem “Letter of Intent” zur gemeinsamen Beschaffungsinitiative für emissionsfreie Linienbusse im ÖPNV. Mit der Übereinkunft der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), der HOCHBAHN, der VHH und zahlreicher weiterer Partner, soll ein Anreiz für die Industrie geschaffen werden, innovative Linienbusse zu produzieren.

Ist das Ziel realistisch?

FDP-Verkehrspolitiker Wieland Schinnenburg sieht die Umsetzung des Vorhabens, ab 2020 nur noch innovative Busse zu kaufen, kritisch. Aus der Antwort auf seine kleine Anfrage an den Senat geht hervor, dass für 2020 bis jetzt nur die Anschaffung von 72 innovativen Bussen für alle vier in Hamburg tätigen Busunternehmen HOCHBAHN, VHH, Jasper, Süderelbe-Bus GmbH (SBG) geplant ist. In den letzten Jahre hätten die Unternehmen aber teilweise fast doppelt so viele neue Busse benötigt, so Wieland Schinnenburg. Davon seien nur sehr wenige emissionsfrei gewesen. Außerdem sei gar nicht klar, ob die benötigte Produktionskapazität für solche Busse 2020 überhaupt vorhanden sein werde.

Die Hochbahn hat in den letzten Jahren durchschnittlich etwa 70 neue Busse pro Jahr gekauft. Man könne aber noch gar nicht genau sagen, wie viele Busse man in den nächsten Jahren anschaffen müsse, entgegnet der Pressesprecher der HOCHBAHN, Christoph Kreienbaum. Das hänge in jedem Jahr von dem Ersatzbedarf der Flotte ab. Der Bedarf für 2020 werde bis spätestens 2019 festgelegt, in jedem Fall werde man aber genug Busse anschaffen. Diese würden dann innovative Antriebe besitzen. Von der momentanen Zahl der schon mit innovativen Technologien fahrenden Busse sollte man nicht auf die Zahl für 2020 schließen.

Innovation aber günstig

Die bisherigen Busse mit neuen Antrieben der Verkehrsbetriebe Hamburg Holstein liefern der Hersteller Rampini und die Firma VanHool. Diese Modelle sind jedoch derzeit noch deutlich teurer als die Busse mit herkömmlichem Antrieb. Hochbahn und VHH gehen derzeit davon aus, dass Busse mit innovativen Antrieben künftig günstiger hergestellt werden können, wenn die Firmen nicht nur einzelne Testfahrzeuge entwickeln, sondern zur Massenproduktion übergehen.

Das heißt aber nicht, dass ab 2020 nur noch emissionsfreie Busse fahren werden. Die Absichtserklärung zielt lediglich auf die Anschaffung innovativer Busse ab. Die Busse der Hochbahn haben in der Regel eine Lebensdauer von 12 Jahren. Kreienbaum vermutet, dass der letzte Bus mit Dieselantrieb 2031 oder 2032 aus dem Betrieb scheiden wird. Die ausgemusterten Busse verkaufen die Unternehmen.

Der Senat bleibt optimistisch

In diesem Jahr treffen die beteiligten Unternehmen die Entscheidung, welche Technologien ab 2020 eingesetzt werden. Die diesel-elektrischen Hybridbusse sind dabei ab 2020 ausgeschlossen, da sie nicht vollständig emissionsfrei sind. Sie dienen momentan nur dazu, einzelne Fahrzeugkomponenten zu erproben. Bis dahin müssen aber noch einige andere aufwendige Veränderungen stattfinden. Die Verkehrsunternehmen beteiligen sich daran, Ladestationen und neue Betriebshöfe zu entwickeln. In Alsterdorf entsteht gerade der erste Betriebshof der Welt, der eine Flotte mit reinen Elektrobussen besitzen wird. Den Aufbau der benötigten Infrastruktur von zehn weiteren Elektro-Bussen fördert der Bund mit 1,7 Millionen Euro. Die Busse müssen die Busunternehmen aber aus eigenen Mitteln anschaffen. Den Strom für die Fahrzeuge liefert Hamburg Energie; er stammt aus 100 Prozent regenerativen Energien.

Der Pressesprecher der VHH, Martin Beckmann, meint: “So eine Umstellung, wie sie jetzt in den Unternehmen passiert, gab es in den letzten hundert Jahren nicht.” Auch der Senat hält an der Umsetzung fest: “Wir sind sehr zuversichtlich, das gesetzte Ziel zu erreichen, auch wenn es für die Verkehrsunternehmen durchaus mit beachtlichen Herausforderungen verbunden ist.”

Wer die neuen Busse schon ausprobieren möchte, kann das auf der Innvovationlinie 109 der HOCHBAHN oder auf der Linie 48 in Blankenese und ab diesem Jahr der Metrobuslinie 3 der VHH. Auf den vielbefahrenen Strecken der 5er und 4er Linien in Eimsbüttel werden die Busse vereinzelt auch schon eingesetzt.

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