Wohnungslose Frauen suchen vermehrt Schutz bei „Kemenate“
Immer mehr wohnungslose Frauen sind in Hamburg auf die Unterstützung des „Kemenate-Tagestreffs“ angewiesen. Die Einrichtung schlägt Alarm.
Von Aaron MüllerDass immer mehr Frauen ohne festen Wohnsitz in Hamburg auf niedrigschwellige Unterstützungsangebote angewiesen sind, zeigt sich beim Kemenate-Tagestreff. Anlässlich des 33-jährigen Bestehens der Einrichtung boten Mitarbeiterinnen und Unterstützerinnen im Rahmen eines Informationsabends Einblicke in die aktuelle Lage und die wachsenden Herausforderungen.
Ein alarmierender Trend
Ob jung oder alt, in Notunterkünften lebend oder ohne Schlafplatz: Die Frauen, die den Tagestreff aufsuchen, kommen aus sehr unterschiedlichen Lebenslagen. Was sie verbindet, ist die zunehmende Not.
In den letzten drei Jahren gab es einen deutlichen Zuwachs bei den Nutzerinnen des Tagestreffs – vor allem bedingt durch den prekären Wohnungsmarkt, erklärt Sozialarbeiterin Davina Kronshage von der Kemenate.
Für sie ist klar: Ohne strukturelle Veränderungen wird dieser Trend weitergehen. Deshalb fordert sie ein festes Kontingent an Wohnungen für wohnungslose Frauen sowie eine Ausweitung der bestehenden Angebote.
Wie besiegt man Obdachlosigkeit?
Kronshage betont, dass Hamburg mehr Wohnungen schaffen und diese schneller zugänglich machen müsse. Eine funktionierende Prävention könnte Einrichtungen wie die Kemenate langfristig überflüssig machen – ein Ziel, das sich die Mitarbeiterinnen seit langem wünschen, aktuell aber kaum realistisch scheint.
Auch Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer war zum Informationsabend in die Kemenate gekommen. Sie sagte, dass es das Ziel des Senats sei, Obdachlosigkeit bis 2030 zu beenden. Dazu müssten mehr Wohnungen geschaffen, bestehende Einrichtungen gestärkt und das Housing-First-Prinzip weiter ausgebaut werden.
Mehr Raum für den Tagestreff
Bereits 2022 hatten die Unterstützerinnen der Kemenate größere Räumlichkeiten gefordert. Doch seitdem hat sich nichts verändert. Der Staat stelle keine Räume bereit und es gäbe keine passenden Orte, erklärt Kronshage.
Mehr Räumlichkeiten würden für mehr Ausweichmöglichkeiten sorgen. So könnte die Kemenate ihre Wohlfühlatmosphäre behalten und gleichzeitig dem stärker werdenden Andrang mit mehr Angeboten gerecht werden. Derzeit müssen die Mitarbeiterinnen abwägen, ob sie den Ruheraum an manchen Tagen zur medizinischen Pflege oder etwa zum Haareschneiden nutzen.
Ein wichtiges Kriterium für neue Räume ist außerdem, dass sie barrierefrei sind.
Das Projekt „Frauenwohnung“ zeigt Erfolg
Vor 11 Jahren ging aus dem Kemenate-Tagestreff das Projekt „FrauenWohnung“ hervor, in der heutigen Form gibt es dieses seit 2019. Es begleitet und unterstützt Frauen sowohl bei der Suche nach einer Wohnung als auch nach dem Einzug in ihr neues Zuhause.
Allein in diesem Jahr konnte das Projekt 11 Frauen in Wohnungen vermitteln. Die Quote derer, die langfristig in den Wohnungen bleiben, sei hoch. Dies zeige, dass es Menschen in sozioökonomisch schwierigen Verhältnissen mit etwas Unterstützung sehr gut gelinge, mit eigenem Wohnraum umzugehen und diesen verantwortungsvoll zu nutzen, sagt Kronshage.
Der Artikel wurde am 19.11.2025 um 8:28 Uhr aktualisiert.
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