Zerstörte Läden in der Osterstrasse: Das sagen die Betroffenen
Jamie arbeitet in der Boutique "Maison de Paris" in der Osterstraße – und war die erste, die nach den G20-Krawallen den verwüsteten Laden vorfand. Foto: Alisa Pflug
Nach G20-Krawallen in Eimsbüttel

Zerstörte Läden in der Osterstrasse: Das sagen die Betroffenen

Bei den G20-Krawallen demolierten gewalttätige Demonstranten auch die Geschäfte kleiner Einzelhändler in Eimsbüttel. Was die Betroffenen dazu sagen und wie es nun für sie weiter geht. Drei Protokolle.

Maike Kelle: “Wir alle waren wirklich wie im Schock”

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Maike Kelle arbeitet im Dertour Reisebüro in der Osterstraße. Foto: Alisa Pflug

“Die Polizei hat unseren Chef Herrn Möller Freitagnacht angerufen und über die Zerstörungen informiert. Er hat dann auch die Nacht hier verbracht. Es wusste ja keiner, ob die wiederkommen und das Ganze Ding kaputt machen und dann hier drin randalieren. Wir haben nachts noch von unserem Chef eine WhatsApp bekommen. Er war völlig fertig.

Wir hoffen, dass die Versicherung zahlt. Wir sind hier zur Miete und haben das jetzt unserem Vermieter mitgeteilt. Die Versicherung zahlt zwar für die Scheiben, aber für alles andere natürlich nicht. Wir wollten am Freitagmorgen noch arbeiten, aber das war nicht möglich. Das war eine ständige Unruhe. Auch als die Nachricht mit der Kita in der Schwenkstraße kam (Anm. d. Red.: Einige Kindertagesstätten in Eimsbüttel mussten am Freitag Eltern darum bitten, ihre Kinder abzuholen, da die Polizei nicht mehr für deren Sicherheit garantieren konnte.). Wir alle waren wirklich wie im Schock. Damit habe ich nicht gerechnet.

Viele Eimsbütteler sind gekommen und haben nachts noch mit aufgeräumt. Was ich auch ganz großartig finde, sind die Menschen, die hier rein kommen und sagen ‘Mensch, das tut uns Leid, dass es Sie getroffen hat’. Von einer Kundin haben wir einen Kuchen bekommen mit einem ganz süßen Schreiben. Wirklich toll. Ich glaube eine Großstadt muss damit leben, dass solche Großdemos hier stattfinden. Es gab so tolle Veranstaltungen drum herum.”

Kursat Koc: “Das war einfach nur ein Grund, um Sachen kaputt zu machen”

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Kursat Koc arbeitet im “My Mobile Shop” in der Osterstraße. Foto: Alisa Pflug

“Bei uns sind nur die Scheiben beschädigt worden. Der Filialleiter wurde ein paar Stunden, bevor wir den Laden aufgemacht haben, angerufen. Er hatte Frühschicht, ich hatte Spätschicht. Also hab ich’s erst später erfahren.

Ich finde das unnötig. Man kann ja gegen etwas demonstrieren, aber deswegen muss man doch nicht die Sachen von anderen Leuten kaputt machen oder die Autos verbrennen. Ich finde das ist keine Demo, das war einfach nur ein Grund, um Sachen kaputt zu machen.

Es gab schon nette Menschen hier, die Blumen gebracht haben. Draußen auf dem Boden war ja auch was geschrieben. Die Schäden hatten keine Auswirkungen auf den Betrieb, das Geschäft ging am nächsten Tag ganz normal weiter. Und es ist sicher, dass die Versicherung zahlt.”

Jamie: “Irgendwie muss die Stadt ja dafür gerade stehen”

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Jamie arbeitet als Verkäuferin in der Boutique “Maison de Paris” in der Osterstraße. Foto: Alisa Pflug

“Ich wohne in der Osterstraße und war die erste vor Ort, direkt in der Nacht. Bei uns sind Fenster und Türen beschädigt. In den Fenstern sind Einschlaglöcher, in die Türen wurde wohl mit Steinen geschmissen. Ich musste schnell einen Notfall-Glaser anrufen, habe auf den gewartet und dann geputzt. In der Zeit hätte man hier den kompletten Laden leer räumen können. Es ist aber nichts weggekommen. Die Versicherung übernimmt die Schäden, hoffen wir.

Ich hoffe, dass noch mal etwas von der Stadt kommt. Irgendwie muss die Stadt ja dafür gerade stehen. Ich meine, die haben sich diesen Gipfel hier nach Hamburg geholt. Ich würde mir das auch für meine Chefin wünschen. Das wäre nur fair.

Ich bin auch demonstrieren gegangen und ich finde es wichtig, auf die Straße zu gehen. Aber es macht halt überhaupt keinen Sinn etwas kaputt zu machen. Mit Anti-Kapitalismus hat das nicht wirklich was zu tun.

“Ein Ikea ist was anderes, als eine kleine Boutique, wo ein Mensch an einer Existenz hängt”

Am Freitag mussten wir noch viel aufräumen. Überall lag Glas, auch auf den Verkaufstischen. Wir mussten gucken, ob man die Sachen noch verkaufen kann. Wir haben versucht, so gut es geht normal weiterzuarbeiten. Aber man sieht es jetzt schon: die Leute wissen oft gar nicht, ob wir geöffnet haben, wegen der Holzplatten vor den Fenstern. Die neuen Fenster müssen maßangefertigt werden, das dauert mindestens ein bis zwei Wochen. Wir suchen jetzt jemanden, der eine bunte Friedensnachricht an die Türen malt.

Viele kamen am nächsten Tag in den Laden und sagten, es tut ihnen sehr leid. Wir haben Blumen bekommen, von einer jungen Frau, die Rosen verteilt hat. Den Laden gibt’s jetzt seit 15 Jahren, die Leute wissen, dass meine Chefin ein gutherziger Mensch ist und das einfach nicht verdient hat, wie die meisten natürlich. Ein Ikea ist aber noch mal was anderes, als so eine kleine Boutique, wo ein Mensch an so einer Existenz hängt und das dann zerstört ist.”

Nach G-20-Krawallen in Eimsbüttel: Demolierte Schaufenster an der Osterstrasse

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