Kirche St. Elisabeth feiert 100-jähriges Bestehen
Die St.-Elisabeth-Kirche feiert 100-jähriges Jubiläum. Dabei reicht die Geschichte des katholischen Glaubens in Harvestehude bis ins 13. Jahrhundert zurück.
Von Sarah JaskulskiMittwochmorgen scheint die Sonne, wenige Wolken bedecken den Himmel und ein leichter herbstlicher Wind weht durch Harvestehude. Die Spitze der St.-Elisabeth-Kirche ragt schon in der Ferne über den Dächern der Oberstraße hervor. Vereinzelt sieht man dort Familien entlang spazieren. Von außen erscheint die Kirche eher schlicht, kaum etwas weist auf die lange Geschichte der Gemeinde hin: vom mittelalterlichen Kloster über die Unterstützung Adolf Hitlers in der NS-Zeit bis zu einem Orgelunfall in den 1960ern.
Die St.-Elisabeth-Kirche feiert am 26. November 100-jähriges Jubiläum. Anlässlich dieser Feierlichkeiten hat die Kirche eine eigene Chronik verfasst und befasst sich kritisch mit ihrer Vergangenheit.
Katholischer Glaube im Zisterzienserinnenkloster Herwardeshude
Ein Blick in die Vergangenheit: Im heutigen Stadtteil Harvestehude entstand im Jahr 1295 das Zisterzienserinnenkloster Herwardeshude. Knapp hundert Jahre später umfasste der Landbesitz des Frauenklosters eine Fläche, die größer war als die der Stadt Hamburg zu dieser Zeit.
Nach der Reformation war das Kloster die einzige katholische Nonnengemeinschaft in Hamburg. Wenig später, im Jahr 1530, wurde es aus Sorge vor einer erneuten Ausbreitung des katholischen Glaubens abgerissen.
Die Kirche unter den Nationalsozialisten
Im Zeitraum des 2. Weltkrieges veranstaltete die Kirche am 20. April 1939 anlässlich des 50. Geburtstages von Adolf Hitler ein vom Bischof angeordnetes Votiv-Hochamt. Dabei handelt es sich um einen festlichen Gesangsgottesdienst. Gefeiert wird dieser aus spezifischem, frei gewähltem Anlass oder als Zeichen der Dankbarkeit.
Mit dem Votiv-Hochamt wollte der Bischof Berning seine Unterstützung für Hitler zum Ausdruck bringen, welchen er 1933 zum ersten Mal traf und für seine “Wärme und Ruhe” lobte. Während des Gesangsgottesdienstes wurde die Kirche mit Hakenkreuz-Fahnen beflaggt.
St. Elisabeth im 2. Weltkrieg
Aufgrund angeblicher Gefahr von Fliegerangriffen sollten ab 1940 alle Kirchen von abends bis morgens geschlossen bleiben. 1942 entschloss sich die Hamburger Ortsgruppe des verbotenen katholischen Akademiker-Verbandes, geistliche Besinnungsabende wieder aufzunehmen. So fanden in der St.-Elisabeth-Kirche, trotz der vorherigen Gehorsamkeit und Nähe zu Hitler, verdeckte geistliche Abende statt.
Zwei Jahre später, im April 1944, wurde von der Gestapo ein geplanter Vortrag mit dem Titel „Christus, Herr der Geschichte“ verboten. Nach der Ideologie der Nationalsozialisten durfte es nur einen „Anführer“ geben. Zudem sei der Titel der Veranstaltung daher „irreführend“ gewesen.
Die Kirche wird zum Notquartier
1943 wurden über 600 katholische Familien aufgrund des Bombenkriegs in Hamburg obdachlos. Die St.-Elisabeth-Kirche wurde für diese Familien ein Zufluchtsort, wo ihnen auch Nahrung zur Verfügung stand.
Im Jahr 1945 traf eine Sprengbombe das Pfarrhaus und zerstörte es vollständig. Nach Kriegsende wurden die zerstörten Teile der Kirche wieder aufgebaut. Dazu zählte auch die 1951 von Rudolf von Beckerath erbaute Orgel, die jedoch nicht lange problemlos in der Kirche stand.
Wenige Jahre später, 1964, stürzte ein Maler von seinem Gerüst auf die Orgel. Den Sturz überstanden beide. Nach Sanierungsarbeiten im Jahr 2020 steht die Orgel heute noch immer an ihrem Platz und erinnert damit an den Vorfall von damals.
Veranstaltungsprogramm
Das Festprogramm startete schon davor: mit einem Sommerfest am 19. September. Dabei wollen sie auch die Benebikira-Schwestern unterstützen. Zwischen der St.-Elisabeth-Kirche und der Frauengemeinschaft besteht seit 1996 eine Partnerschaft. Dabei veranstalten sie unter anderem am 21. November eine Benefizversteigerung zugunsten der Benebikira-Schwestern in Ruanda.
Der Höhepunkt des Jubiläumsprogramms findet am 29. November statt. Dabei werden unter Leitung des Erzbischofs die deutsch-, englisch- und spanischsprachigen Gemeinden einen gemeinsamen Gottesdienst halten.
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