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Auf dem Kiez wird Freiheit noch Groß geschrieben. Foto: Harald H. Haase
Kolumne - vogelfrei

Eimsbütteler Party-Connection rockt die Reeperbahn

Die Eimsbütteler Party-Connection goes Kiez und zeigt den Touris, wie gefeiert wird. Unser Kolumnist Harald H. Haase kennt jetzt den Unterschied zwischen horizontal und vertikal, und weiß, wo er sich ausruhen kann, wenn er auf der Reeperbahn mal eine Pause braucht.

Von Harald H. Haase

Kuckuck Eimsbüttel!

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins. Oder mittags um Viertel vor eins. Wenn die Eimsbütteler Party-Connection (EPC) ausschwärmt und neue Party-Plätze erobert, reibt sich mancher auf´m Kiez verdutzt die Augen: „Ach, und ihr seid tatsächlich aus Eimsbüttel?“ Das hätte den vermeintlichen Vorstädtern aus Eimsbush auf der Reeperbahn niemand zugetraut. Mehr noch. Sie sind die wahrhaftigen Eimsbütteler: „Member of EPC“. Ein Qualitätssiegel. Wie einst „Made in Germany“. Steht für höchste Standhaftigkeit, Turbo-Trinkfestigkeit und alkoholgetränkten Atem.

Optisch unterscheiden sich die EPC-Mitglieder nicht von den Massen, die sich speziell am Wochenende die Große Freiheit nehmen zu feiern. Man könnte sogar sagen, dass die Eimsbütteler sich geschickt als angeschickerte Touris tarnen, um von der kauzigen Kiez-Masse verschluckt zu werden. So vernebeln sie ihre wahren Qualitäten. Wie Trinkvermögen, Charme und spezielle Skills, die bei jedem EPC-Mitglied unterschiedlich geprägt sind.

Mit Drücken und Darts gegen die Geldnot

Wie in dieser Episode: Nach einer durchzechten Eimsbütteler Nacht chartern sich zwei potente Jungs ein Taxi zum Kiez, um am Horizont über dem horizontalen Gewerbe die Sonne aufgehen zu sehen. Die Potenz des Duos endet in ihrer hinteren Hosentasche, wo im Portemonnaie nur ein vereinsamter 20-Euro-Schein gammelt. Der Kiez-Penny mit dem Plastik-Bier ist geschlossen, die rettende Idee aus der Not geboren: Armdrücken. Der kräftigere der beiden fordert im „Goldenen Handschuh“ jeden heraus. Und besiegt jeden. Er ist immer noch ein Kleiderschrank mit Kleidern an. Irgendwann ist das erdrückte Bier verdrückt. Da legt der andere los: Für jeden Treffer in die Mitte der Dartscheibe gibt´s zwei Bier aufs Haus. Das Bullseye unter Dauerbeschuss, die Grundversorgung mit Gerstensaft weiter sichergestellt. Den 20-Euro-Schein nehmen die beiden fürs Taxi zurück. Zwei zu null für Eimsbush.

vogelfrei – Von Eimsbüttel zum Kiez

Hat ausnahmesweise nichts mit dem Kanzler a.D. zu tun: Das Schmidt-Theater auf dem Kiez. Foto: Harald H. Haase
Ein La Paloma auf den blonden Hans. Foto: Harald H. Haase
Ein Schelm, wer hier Sushi liest. Foto: Harald H. Haase
Ob Herbert der Erste war, der durch diese Straße ging? Foto: Harald H. Haase

Kiezbesuche sind lehrreich. Nicht nur, wenn Highheels-Olivia eine Führung macht und die Meute zielsicher in einen ihrer Läden schleust. Nein, auch wenn einem eine Dirne am Hans-Albers-Platz erklärt, dass Sex eine Dienstleistung ist und sie geheime Wünsche erfüllt, anders als die Ehefrau. Zum Sonderpreis von 30 Euro. Dass dieser Preis in ihrem Etablissement dann auf 300 Euro steigt, lässt sich nur mit Inflation erklären und bleibt geheimnisvoll.

Kiezbesuche sind frustrierend. Eine lasziv gekleidete „Hallo-bleibste-mal-stehen-Dame“ ruft einem Eimsbütteler nach, dass er aussehe wie ein Bauer, nur weil er ihrem Wunsch nicht nachkommt und weitergeht. Die Etikette bleibt auf der Strecke. Eine andere kippt einer EPC-Größe im Range eines Altvorderen eine Sektfontäne in die Haare, weil er zu lange vor ihrem Türfenster in der Herbertstraße steht und nicht fenstert.

Kiezbesuche sind unfreiwillig humoristisch: Ein junges EPC-Mitglied schwankt aus der Wirtschaft „Zum Anker“, wo aus der Jukebox der „Skandal im Sperrbezirk“ dröhnt. Der Eimsbütteler skandiert gedankenverloren aber gut vernehmbar: „…draußen vor der großen Stadt, stehen die Nutten sich die Füße platt.“ Genau vorm Anker steht eine der besungenen Damen und spuckt ihm vor die Füße.

Verlust von Raum und Zeit

Nicht selten haben EPC-Mitglieder 36 Stunden oder länger auf der Reeperbahn durchgerockt. Sollte selbst den Standhaftesten irgendwann die Müdigkeit übermannen, hat er Gelegenheit, im Elbschlosskeller ein Nickerchen zu machen – mit dem Kopf auf dem Tisch. Oder er wählt eine Sitzbank im Clochard. Kann aber zum Verlust von Raum- und Zeitgefühl führen, weil in der selbsternannten Billigkneipe Fenster und somit Tageslicht fehlen.

Manchmal nehmen sich Eimsbütteler als Erinnerung an den Kiez eine Trophäe mit, die sie dann im Taxi in heimische Gefilde kutschieren. Gelebte Stadtteilverständigung. Doch einmal wäre das fast schief gegangen. Wildes Geknutsche auf der Taxi-Rückbank. Da fordert der Taxifahrer den stolzen Oskar auf, seine Errungenschaft doch noch mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Oskar handelt im Armumdrehen, schickt die Transe in einem anderen Taxi zurück und fährt unverrichteter Dinge alleine in sein Viertel.

Schönen Tag noch. Ich hab jetzt frei.

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Arbeitet gerne horizontal: Harald H. Haase. Foto: Andreas Schröder

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