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Wenn die Kollau im Garten steht

Hamburg ist dabei, elf neue Überschwemmungsgebiete auszuweisen. Im Bezirk Eimsbüttel handelt es sich um Flächen an den Flüssen Kollau und Tarpenbek. Sie gehören zum Teil zu Grundstücken, die bewohnt sind. Am Montagabend hatte der Regionalausschuss Lokstedt zu einer öffentlichen Veranstaltung in die Schule Vizelinstraße eingeladen.

Von Anja von Bihl
Festhalle der Schule Vizelinstraße. Foto: Anja von Bihl
In der Halle der Schule Vizelinstraße. Foto: Anja von Bihl

Viele Anwohner sind der Einladung gefolgt, mit den für Wasserwirtschaft, Bauprüfung und Recht zuständigen Behördenmitarbeitern zu sprechen. Es ist nicht die erste Informations- und Fragerunde. Kay Gätgens, der Leiter des Eimsbütteler Fachamts Stadt- und Landschaftsplanung, bittet zur Eröffnung des Abends um eine sachliche Diskussion – bei allen verständlichen Emotionen. Denn für die Anwohner ergeben sich viele technische und rechtliche Probleme, die seit Monaten zwischen Umweltbehörde, Bezirk und Bürgern umstritten sind.

Was sind Überschwemmungsgebiete?

Dabei geht es um das sogenannte Binnenhochwasser, wenn durch starken oder langen Regen Flüsse und Bäche über die Ufer treten. In Überschwemmungsgebieten darf nicht so gebaut werden, dass die Überflutungsfläche verkleinert oder der Abfluss des Wassers behindert wird. Hat man in dem Gebiet schon Haus und Garten, muss man hinnehmen, dass dort manchmal Wasser steht und der Keller voll läuft, und darf sein Grundstück beispielsweise nicht aufschütten. Denn dadurch würde das Flutwasser auf benachbarte Gebiete verdrängt.

In Hamburg gibt es bisher sechs Überschwemmungsgebiete. In den letzten Jahren gab es in Deutschland und Europa aber vermehrt schweres Hochwasser, man erinnert sich noch an die Fluten von Elbe und Donau. Daher wurde auf EU- und damit auch auf Bundesebene beschlossen, zusätzliche Gebiete festzulegen. Eigentlich war die Frist schon zum Ende 2013, aber Hamburg ist noch bei der Arbeit.

Übersichtsplan für das Überschwemmungsgebiet der Kollau. Quelle: BSU
Übersichtsplan für das Überschwemmungsgebiet der Kollau. Quelle: BSU

Viele Fragen

In der Vizelinstraße melden sich viele Anwohner zu Wort. Der Tenor: Über Jahrzehnte sei an der Kollau und der Tarpenbek von Seiten der Stadt nichts getan worden, Anlagen seien marode oder falsch angelegt. Beispielsweise sei die Brücke an der Niendorfer Straße zu eng, dadurch staue sich das Kollauwasser. Die Folgen dürften nicht an den Anliegern hängen bleiben. Rechtliche Fragen werden angesprochen, eine mögliche Wertminderung von Häusern und Grundbesitz befürchtet. „Soll denn mein ganzes Grundstück nun ein Teich werden, und ich darf nichts dagegen machen?“ heißt es.

Die ausführlichen Erläuterungen der Behördenvertreter werden mit Interesse verfolgt, stoßen aber auch auf Unglauben und Kritik.

Die Auseinandersetzungen gehen weiter

Ursprünglich sollten die Pläne für die Überschwemmungsgebiete bis Mitte August öffentlich ausliegen. Doch es gab und gibt so viele Einsprüche und Diskussionsbedarf – unter anderem wegen der geplanten Unterbringung von Flüchtlingen im Hagendeel -, dass die Frist bis Ende Oktober verlängert wurde.

44 Einwendungen seien bereits eingegangen, sagt Wolfgang Meier von der Abteilung Wasserwirtschaft der Hamburger Umweltbehörde. Er ruft dazu auf, die restliche Frist noch zu nutzen. Alle Einwendungen würden daraufhin geprüft, ob sie relevant seien. Im Großen und Ganzen stehen die Gebiete aber fest.

Hinterher noch Diskussion in kleinen Gruppen. Foto: Anja von Bihl
Hinterher noch Diskussion in kleinen Gruppen. Foto: Anja von Bihl

Zufriedenheit sieht anders aus

Eine Anwohnerin sagt nach der Veranstaltung, sie habe das Gefühl, dass die Behörde sich nun etwas besser informiert habe. Beim letzten Mal seien ja alle sträflich uninformiert gewesen. Doch eine Weiterentwicklung habe sie an diesem Abend nicht gesehen. „Grundsätzlich verfolgen sie ihren Weg.“

„Man mauschelt und sagt nicht die Wahrheit“, sagt Uve Klenk aus der Straße Wullwisch hinterher. Er hat sich schon während der Befragung zweimal zu Wort gemeldet. Dabei wurde deutlich, dass er sich sehr eingehend mit vielen technischen Problemen und Einzelheiten beschäftigt hat. Er sieht auch keine positive Entwicklung und meint, die öffentlich ausgelegten Unterlagen enthielten Fehler. Er wohne seit 42 Jahren hier, sei also „länger im Dienst als diese Wasserkasper. Die haben das Modell, ich hab die Realität.“

Weitere Informationen gibt es hier:  Überschwemmungsgebiet Kollau und Überschwemmungsgebiet TarpenbekFür allgemeine Fragen zu den Überschwemmungsgebieten hat die Umweltbehörde eine Hotline eingerichtet.

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