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FOTO: Vanessa Leitschuh
Magazin #18

Urbi et U-Bahn

Daniela Preuß ist eine von über 550 U-Bahnfahrerinnen und -fahrern in Hamburg. Selbst den Papst kutschierte sie schon durch Hamburgs Untergrund.

Von Vanessa Leitschuh

„Ich hab den Papst gefunden!” Daniela Preuß ruft oben in der Betriebszentrale an. „Allen Ernstes an einem Sonntag”, erinnert sich die Hamburgerin. Das ist vom Tag geblieben – der Papst als lebensgroße Pappfigur. Seine Eminenz fährt also U-Bahn.

Der Papst war wohl die bisher ungewöhnlichste Entdeckung, die Preuß am Ende ihrer Schicht im Zug gemacht hatte. Der Kontrollgang ist eine der Vorschriften, an die sie sich als U-Bahnfahrerin halten muss. Erst dann kann sie den Zug schlafen legen und ihre Schicht beenden. Als U-Bahnfahrerin arbeitet Daniela Preuß in Schichten. Heut startete ihr Arbeitstag um 4:12 Uhr. In der Frühschicht setzt sie den Zug selbst ein. „Der Zug ist wie ein Rechner, der erstmal hochfahren muss”, erklärt sie. Dann meldet sie sich in der Zentrale an und beginnt ihre Fahrt.

„Manchmal fange ich an, vor mich hinzusingen”

Preuß wuchs in Kiel auf und lernte Fleischereifachverkäuferin. Als sie vor fünf Jahren nach Hamburg zog, hatte sie den Wunsch nach einem Berufswechsel. „U-Bahnfahrerin – das wäre klasse, dachte ich. Da wusste ich noch nicht, dass ich als Quereinsteigerin so reinkomme, habe mich aber trotzdem mal beworben.” Viereinhalb Monate dauerte ihre Ausbildung, sechs Wochen Grundausbildung, dann lernte sie, wie man einen Zug fährt. Nun ist Preuß in Hamburgs Untergrund unterwegs und transportiert täglich rund 600 Fahrgäste auf einmal durch die Stadt.

Auch wenn die Arbeit körperlich nicht anstrengend ist, muss sich Preuß während der Fahrt immer konzentrieren. So alleine im Fahrerabteil kann das schon mal schwierig werden. „Manchmal fange ich an, vor mich hinzusingen”, lacht sie. Geistig abschalten, kann gefährlich werden. Daher gibt es im U-Bahnnetz Maßnahmen gegen Sekundenschlaf. Ist die Bahn zu schnell oder überfährt der Lokführer ein Signal, greifen die Bremsmagneten auf den Schienen ein. „Das bekommt man mit – das ist laut.”

„Die kriege ich noch“

Die wohl lästigste Angewohnheit der Fahrgäste ist das Schnell-noch-Reinspringen. Hinzu kommt, dass die meisten in die äußeren Wagen drängen. „Die Fahrgäste heimsen sich ihre Verspätung selbst ein, weil es immer der erste oder letzte Wagen sein muss”, erklärt die Fahrerin. „Egal, wie voll diese sind, sie versuchen sich noch reinzuquetschen. Während in der Mitte alles leer ist.” Dadurch dauere das Ein- und Aussteigen länger. „So fährt man Verspätung ein.”

Doch es gibt auch jene Passagiere, die sich bei den Fahrern bedanken. Dafür, dass sie gewartet haben oder auch für eine „seichte Fahrweise”. „Einmal hatte ein Fahrgast etwas im Zug vergessen und es schnell wie-der bekommen. Zum Dank hat er mir zwei Pfund Kaffee geschenkt”, erinnert sich Daniela Preuß.

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